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Andrea Wulf über Georg Forster, das Reisen und die Menschlichkeit

Shownotes


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Transkript anzeigen

00:00:01: Das sind natürlich Momente, wo irgendwie Raum und Zeit verschmelzen.

00:00:05: Eine vierte Dimension öffnet sich.

00:00:07: dieser Baum ist im wahrsten Sinne des Wortes so eine Brücke zwischen der Vergangenheit und dem Heute.

00:00:14: Und wenn man daneben steht und den anfasst das macht schon was mit einem.

00:00:19: Es ist jetzt niemand, der auf dem Podest sitzen sollte überhaupt nicht.

00:00:22: er hat oft Situation falsch beurteilt hatte seine Schwächen aber für mich sind es gerade diese Unvollkommenheiten die ich inspirieren finde.

00:00:33: Weil natürlich, also zumindest ich und viele andere auch stolpern wir irgendwie so ein bisschen durchs Leben sind manchmal unsicher und manchmal auch egoistisch und haben immer das Gefühl egal was ich mache ändert ja sowieso nichts.

00:00:46: er war jemand der hatte auch diese Schwächen und Fehler aber trotzdem hat er versucht die Welt zu einem besseren Ort zu machen und ich glaube dass wir alle in unserer Unsicherheit und dem daher stolperen können wir auch etwas bewirken.

00:01:14: Herzlich willkommen bei Freiraus, dem Podcast für mehr Freiheit und Abenteuer in unserem Leben.

00:01:20: Ich bin Christoph Förster und in der heutigen Folge geht es tatsächlich ums Abenteurer!

00:01:26: Es geht um Freiheit, es geht ums Reisen Und zwar im ganz großen Stil, es geht aber wie immer auch um die anderen Ebenen des unterwegs sein.

00:01:36: Ich habe heute einen ganz besonderen Gast und zwar eine Bestsellerautoren, eine internationale Bestsella-Autorin.

00:01:45: Ihre Bücher haben sich in Summe Millionenfach verkauft.

00:01:50: Sie hat unter anderem geschrieben über Alexander von Humboldt, hat seine Geschichte auf eine einzigartige Art und Weise erzählt.

00:02:00: Sie hatte das Buch fabelhaft Rebellen geschrieben – die frühen Romantiker und die Erfindung des ich!

00:02:06: Und jetzt hat sie sich eine Person herausgesucht, über die ihr neues Buch erschienen ist?

00:02:12: Das heißt der Reisende Georg Forster und Die Entdeckungen der Menschlichkeit.

00:02:19: Und du wirst heute erfahren, warum Georg Forster ein außergewöhnlicher Mann war im achtzehnten Jahrhundert?

00:02:28: Warum er völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist und warum sich das richtig lohnt ihn ans Licht zu holen und uns sein Leben anzuschauen aus der heutigen Perspektive geradeaus auf die Welt geprägt war von unglaublich viel Menschlichkeit.

00:02:52: Dazu wird uns Andrea Wolff heute mitnehmen in das Leben von Georg Forster.

00:03:00: wir werden aber auch einen Einblick in ihr Leben bekommen und dass ist auch sehr, sehr spannend.

00:03:05: Andrea ist die Tochter des deutschen Friedens- und Konfliktforscher Herbert Wolff.

00:03:10: ihre Eltern waren beide Entwicklungshelfer in Indien Als sie geboren wurde, sie ist dann in Deutschland aufgewachsen und lebt jetzt schon seit ungefähr dreißig Jahren in London.

00:03:20: Wo sie hinging?

00:03:22: mit ihrer sechsjährigen Tochter alleine nachdem sie ihr Studium abgebrochen hat in Lüneburg wo sie Kulturwissenschaften studiert hat.

00:03:32: also auch ihre persönliche Geschichte ist wirklich erzählenzwert Und du wirst heute sehen, wie sich auch ihre Geschichte mit der Geschichte und dem Leben ihrer Protagonisten immer wieder verknüpft und verwebt.

00:03:48: Wie gesagt, Du wirst auch sehen welche Bedeutung die Geschichte ihres aktuellen Protagonistens des Georg Forster, welche Beteutungen sie für unser Leben, für unser Zusammenleben, für unsere Sicht auf die Welt haben kann!

00:04:06: Ich freue mich sehr, dieses Gespräch heute mit dir teilen zu können.

00:04:10: Infos zu dem Buch.

00:04:11: Info's zu den Lesungen bzw.

00:04:15: Shows die Andrea jetzt in Deutschland in den nächsten Wochen machen wird.

00:04:21: Zu denen gibt es am Ende der Folge nochmal ein bisschen was und natürlich in dem Newsletter, der den Freiraus Podcast begleitet.

00:04:28: Den du abonnieren kannst unter Christopherster.com raus.

00:04:34: Jetzt gehen wir gleich rein in das Gespräch mit Andrea, atmen aber vorher noch einmal kurz tief durch!

00:05:10: der mir ja schon namentlich nahe ist mit dem Nachname Forster.

00:05:14: Habe ich auch gedacht, als ich seinen Namen gesehen habe?

00:05:16: Hat er irgendwann auch mal einen Öl gehabt und das nur weggelassen?

00:05:19: Nee, die Familie kommt ursprünglich aus dem Schottischen und aus dem Englischen.

00:05:26: Also Forster hat nie ein Öl da drin.

00:05:30: Korrespondenten haben gerne mal einen öle reingemacht.

00:05:33: Der alte Forster, also der Vater von Georg Forster hatte sich immer beschwert und gesagt, nein, wir sind eigentlich halbe Engländer!

00:05:39: Aber trotzdem Georg und nicht George.

00:05:42: George eigentlich auch, in der englischen Originalausgabe – ich hab das Buch ja auf Englisch geschrieben – heißt er auch George Forster weil er getauft worden ist als George.

00:05:52: Seine Familie hat ihn George genannt und bis er nach Deutschland gezogen ist, als er dreiundzwanzig Jahre alt war, war auch George.

00:05:58: aber wir haben dann hier in Deutschland entschieden dass er weiterhin Georg bleibt, weil wenn ihn jemand kennt, dann kennen sie ihn als Georg Forster Aber eigentlich ist er George Foster.

00:06:10: Bevor wir über Georg oder George Foster sprechen, möchte ich gerne mit dir erst mal beginnen.

00:06:17: Du hast ja auch eine spannende Vita – wenn man auf deine Kindheit schon mal guckt, ein bisschen Indien geboren – in Deutschland aufgewachsen und lebt mittlerweile seit vielen Jahren in London?

00:06:30: Ja genau!

00:06:32: Ich musste denken, als ich auf deine Biografie geguckt hab an ein Lied von Alice Merton.

00:06:37: Das heißt No Roots, wo sie so darüber sinkt, dass sie auch immer umgezogen ist und gar nicht recht Wurzeln hat.

00:06:43: Hast du welche?

00:06:44: Und wenn ja ... was sind das für Wurzelne?

00:06:47: Also, ich glaube, ich habe ganz tiefe Wurzen in meine Familie aber nicht an einen Ort.

00:06:54: Für mich war immer zu Hause da, wo alle die sind, die mir wichtig sind.

00:06:59: Selbst wenn... die Familie noch nicht mal im gleichen Land ist.

00:07:03: Aber ich fühle mich ganz tief verwurzelt in Familie und freundlich, hab langjährige Freunde ... Ich komm gerade von meiner Freundin hier aus Hamburg, wo ich übernachte, die kenn' ich seit LGBTQ- und seitdem ich sie meine beste Freundin.

00:07:19: Das sind meine Wurzeln eigentlich.

00:07:21: aber an einem Ort habe ich mich nie richtig gebunden gefühlt.

00:07:24: Vielleicht hat das was damit zu tun, dass sich in Indien geboren wurde in Deutschland aufgewachsen, dann jetzt lieb ich seit dreißig Jahren in England.

00:07:35: Ich hab mich auch nie so richtig Deutschlands zugehörig gefühlt muss ich dazu sagen.

00:07:40: eher wenn überhaupt Europa aber nicht so richtig an den Ort.

00:07:44: also aber ich fühl mich nicht.

00:07:45: wozu los?

00:07:46: Überhaupt nicht sondern ich fühle mich ganz geerdet eigentlich.

00:07:49: Jetzt werde ich mich mal hinten rum und indirekt nähern der Frage wann du geboren bist.

00:07:55: wie alt warst du als du deine beste Freundin kennengelernt hast?

00:07:59: Fünf.

00:08:01: Okay, neunzehn-seventeen-siebzig-fünf.

00:08:03: Wo hast du die kennengelernt?

00:08:05: Die habe ich in Pinneberg

00:08:06: kennengelernen.

00:08:07: D.h.,

00:08:07: da warst du dann schon in Deutschland?

00:08:08: Ja, in Deutschland.

00:08:09: In Indien

00:08:09: geboren und in welchem Alter nach Deutschland gekommen?

00:08:12: Äh ...

00:08:13: in dem Alter!

00:08:14: Und das war an dem Tag, als wir eingezogen sind in unser Haus oder unsere Wohnung, da war ich meinen Eltern so ein bisschen im Weg.

00:08:22: Dann haben sie mich runter in den Garten geschickt.

00:08:25: Da saß ein Mädchen, der halbe Innerin ist, wahr.

00:08:30: Und das fühlte sich irgendwie ganz viel zu Hause an.

00:08:34: Dann habe ich bei ihr mit auf der Schaukel gesessen und dann haben wir uns ihre Wasserschildkröten angeguckt, und das war der Anfang der großen Liebe.

00:08:44: Was hat dich nach London gezogen?

00:08:45: oder nach Großbritannien England?

00:08:49: Ich hab hier in Hamburg im Museum für Kunst und Gewerbe so ein bisschen nebenbei gejobbt, neben dem Studium ... Ich habe angewandte Kulturwissenschaften hier in Lüneburg studiert und bin dann nach England eigentlich um mein Englisch zu verbessern, weil wenn man in der Museumswelt arbeiten will, dann sollte das Englische ganz gut sein.

00:09:11: Das hat mir wahnsinnig gut gefallen in England und ich hab da ein MA gemacht am Royal College of Warten.

00:09:18: Bin die wieder zurückgekommen?

00:09:20: Du bist aber auch viel unterwegs, außerhalb von Europa.

00:09:23: Was ist das Besondere am Unterweg für dich?

00:09:26: Oder warum bist du gerne unterwegs?

00:09:29: Das Schriftsteller Dasein ist eine sehr einsame Beschäftigung und ich genieße es auch sehr zu einem großen Teil.

00:09:38: Freue mich, dass ich in meinem Arbeitszimmer sitzen kann und mich niemand stört oder schreiben kann oder in Archiven oder Bibliotheken.

00:09:46: Aber man ist sehr alleine.

00:09:49: Das Reisen ist dann das andere Extrem.

00:09:52: Ich glaube, mir gefällt's nie so richtig gut in der Mitte, sondern ich mag entweder dass es ganz alleine sein und dass alleine schreiben oder dass draußen sein unter Menschen sein, ganz neue Dinge erleben mich in Situationen zu finden die ich mir vorher nicht vorstellen konnte Und ... das Schreiben... Ich hab den absoluten Traumjob!

00:10:12: Das Schreiben erlaubt mir beides.

00:10:14: Das Schreiben erlaubte mir, dass alleine mich verkriechen über lange, lange Zeit und dann aber auch wieder das Rausgehen.

00:10:24: Also einmal durch Lesereisen natürlich was ich jetzt gerade mache, aber natürlich auch auf den Spuren meiner Protagonisten zu reisen.

00:10:34: Was immer ein Reisen ist, was ganz anders als das normale Urlaubsreisen, was man sonst so

00:10:41: macht Wir haben da eben schon kurz drüber gesprochen.

00:10:45: Reisen, wie wird heute überhaupt gereist?

00:10:47: Wie viel Abenteuer ist das noch?

00:10:49: Was der Unterschied zwischen Reisen und Urlaub ... was macht das Reisen für dich aus?

00:10:54: Also ich muss dazu sagen, ich fahre auch gerne mal in Urlaub!

00:10:57: Ist aber etwas

00:10:57: anderes für dich.

00:10:58: Ja, es war völlig anders, dass in Urlaub fahren ... Das habe ich jetzt gerade im Sommer gemacht, da war ich auf Mallorca um die Sonnenfinsternis zu sehen.

00:11:06: Aber da hab' ich auch viel einfach nur am Strand gelegen und gelesen.

00:11:11: Da wusste ich genau, was mich erwartet.

00:11:13: Da kannte ich das Hotel und da war ich schon mal vorher.

00:11:16: Das brauchte ich auch, weil ich so viel unterwegs war.

00:11:19: Aber das Reisen auf den Spuren meiner Protagonisten zum Beispiel ist einmal immer ein Reisen in die Vergangenheit also... Ich versuche die Plätze zu finden wo meine Protagonistin etwas erlebt haben.

00:11:35: Die Plätze sind natürlich meistens ganz, ganz anders als sie damals waren.

00:11:41: Also da gehört dann auch mal ganz viel Fantasie dazu.

00:11:44: Man muss sich auf viele Dinge wegdenken aber es ist ein Reisen über.

00:11:49: ein körperliches Reisen natürlich Aber es ist auch ein geistiges Reisen Ein geistiges Reisen zu diesen anderen Menschen und Zeit.

00:11:57: für mich ist das immer ganz Im Englischen würde ich sagen, mind expanding.

00:12:02: Das erweitert das Sehen und das Denken der Welt auf eine ganz andere Art und Weise und es bereichert meinen Schreiben auch sehr.

00:12:10: Obwohl ich ja Sachbücher schreibe also Bücher über Fakten die in der Vergangenheit passiert sind ist es für mich immer ganz wichtig um zum Beispiel den Ort zu beschreiben, wo einer meiner Protagonisten ist.

00:12:24: Muss ich diesen Ort oft auch selber erleben?

00:12:27: Also zum Beispiel als ich mein Buch über Alexander von Humboldt geschrieben habe... Ich war vorher nie in Südamerika gewesen und das war ganz wichtig!

00:12:36: Einmal den Regenwahl zu erleben also dieses zu volle feuchte unfassbare Ecosystem und dann aber auf die Vulkane zu steigen.

00:12:48: Also ich nehm dann immer die Tagebücher mit, also Kopien von den Tagebühchern mit und versuch das da alles noch mal sozusagen vor Ort zu lesen.

00:12:58: Und bei Georg Foster war das jetzt genauso.

00:13:00: Manchmal in Neuseeland zum Beispiel, da war es fast noch genau so wie er es erlebt hat weil wir an einer ganz abgelegenen Stelle waren.

00:13:08: aber dann waren wir auch in Tahiti und Tahiti ist nun gar nicht mehr das was es mal siebzehnhundertvierundsiebzig war.

00:13:14: Da muss man sich ganz viel wegdenken.

00:13:17: Wer ist wir, reist du nicht alleine dann?

00:13:19: Ich reise meistens nicht allein.

00:13:21: Das ist immer ganz unterschiedlich wer mit kommt.

00:13:24: Die Reisen sind sehr beliebt bei meinen Freunden.

00:13:29: Die Humboldt-Reise hab ich zum Beispiel mit meiner Freundin Julia gemacht, wo meine älteste und beste Freundin.

00:13:35: Die letzte Reise jetzt nach Neuseeland habe ich mit meinem Freund gemacht.

00:13:39: Er ist Kameramann der hat dann auch ein bisschen gefilmt.

00:13:41: also das kommt immer drauf an wer hat Lust?

00:13:43: Wer hat Zeit?

00:13:45: Weil es ja eine spezielle Art des Eintauchens wahrscheinlich dann.

00:13:47: das ist ja auch gar nicht immer so einfach für andere vielleicht sich das vorstellen zu können.

00:13:53: da sitzt sie jetzt mit ihren Tagebüchern.

00:13:59: Aber es ist vor allen Dingen natürlich auch.

00:14:01: die Ziele sind dann oft ganz ungewöhnlich.

00:14:03: Zum Beispiel, als ich die Humboldt-Tour gemacht habe mit meiner Freundin ... Da hab' ich das alles geplant und das ist auch eine sehr viel beschäftigte Frau.

00:14:15: Und als wir kurz bevor wir losgefahren sind, hat sie gesagt, ich dachte, wir fahren zu den Galapagos-Inseln!

00:14:21: Ich so, nee, Humboldts war da nie, das war Darwin.

00:14:25: Das war dann nicht ... Normale Leute würden vielleicht sagen, wenn ich schon in Ecuador bin, fahre ich noch auf die Galapagos-Inseln.

00:14:31: Das war in meinem Fall jetzt nicht so.

00:14:33: oder auch als wir nach Neuseeland gefahren sind, da sind wir nicht an die Stellen gefahren wo alle hinfahren und haben dadurch vielleicht bestimmte Sachen verpasst.

00:14:44: aber wir sind zum Beispiel zum Dusky Sound gefahren das ist an der Südspitze der Südinsel.

00:14:53: Ganz, ganz abgelegen.

00:14:54: also wir mussten mit dem Helikopter und einem Boot dahin um überhaupt da hinzukommen Und das war für mich das war einer der wunderbarsten Momente auf dieser Reise weil ich glaube ich habe das noch nie so erlebt einen Ort zu sehen Der sich gar nicht verändert hat in diesen zweieinhalbfünfzig Jahren, weil meistens muss man sich halt ganz viel wegdenken.

00:15:19: Und das war wirklich fast alles noch genauso.

00:15:23: und wir sind zu einem kleinen natürlichen Hafen wo Captain Cooks Resolution angelegt hat also dass es der Schiff auf dem Georg Forster durch die Südsee gereist ist.

00:15:36: Die kam da siebzehnhundert dreiundseitig an und Wir haben ein gemälde von dem Künstler dieser Reise William Hodges, der diesen Hafen gemalt hat.

00:15:50: Und da gibt es einen Baum, der die Gangway ist zur Resolution und diesem Baum gibt es heute immer noch.

00:15:57: Der wächst fast horizontal über das Wasser.

00:16:01: Das sind natürlich Momente wo irgendwie Raum- und Zeitverschmelzen.

00:16:06: vierte Dimension öffnet sich.

00:16:08: Dieser Baum ist im wahrsten Sinne des Wortes so eine Brücke zwischen der Vergangenheit dem Heute.

00:16:14: Und wenn man daneben steht und den anfasst, das macht schon irgendwie was mit einem.

00:16:20: Das wird natürlich ... Also ich schreibe das nicht in das Buch rein.

00:16:25: Aber ich glaube, dass ich Georg Forster dadurch näher gekommen bin, dass sich die Landschaft besser verstanden habe.

00:16:33: Deshalb ist das Reisen wichtig.

00:16:35: Natürlich muss man auch sagen, es ist immer eine gute Ausrede zu reisen im Namen der Recherche!

00:16:42: Die wissenschaftliche Basis ist sehr, sehr wichtig.

00:16:45: Weil es gerade so gesagt hat, wenn du den Baum anfährst ... Inwiefern bist du auch der Spiritualität gegenüber offen?

00:16:52: Oder kannst dir vorstellen, dass da noch Dinge sind, die man vielleicht noch gar nicht so greifen kann?

00:16:59: Da gibt's ja auch Abstufungen!

00:17:00: Das heißt jetzt nicht, dass es total esoterisch ist.

00:17:03: Nee, ich sehe das nicht... Also, ich seh das gar nicht als spirituelles, sondern ... Wie immer man das nennen mag, man fühlt sich dieser Person schon näher.

00:17:13: Auf jeden Fall gibt es da Momente.

00:17:15: Das hatte ich bei Humboldt auf Timborazo auch so.

00:17:18: Weil man sich diese Personen noch mal ganz anders vorstellen kann.

00:17:21: Ich glaube jetzt nicht, dass die aus dem Jenseits mit mir sprechen.

00:17:26: Im Endeffekt komme ich Ihnen natürlich ganz nahe wenn ich die Tausende vom Briefen lese in den Georg Forster zum Beispiel der war sehr offen über seine Gefühle Da kommt man ihm auch ganz nah.

00:17:37: Aber das ist schon ... Es gibt schon noch eine andere Dimension, und ich glaube gerade beim Reisen empfinden viele Leute das.

00:17:46: Dass es manchmal so Momente gibt, wo man weit wegreisen musste um ganz nah an sich ran wiederzukommen.

00:17:53: Und das ist sicherlich ... ob du das spirituell nennst oder wie immer.

00:17:59: Das

00:17:59: ist ja gerade genau das Ding, wir versuchen das dann mal zu erklären.

00:18:02: aber eigentlich ist genau das was man nicht erklären kann.

00:18:06: Ist ja so eine Art Spiritualität.

00:18:09: Und das ist der Moment wo man stille hält und den Moment mal kurz anhält.

00:18:17: Du hast schon gesagt... Dreiundsiebzig war es, glaube ich.

00:18:22: Als die Cook dort anlegte mit der Resolution.

00:18:27: das achtzente Jahrhundert hat sie ja ganz besonders angetan.

00:18:30: Es ist jetzt nicht Kolumbus über den du schreibst sondern es war Humboldt.

00:18:33: Das waren dann die Jena Romantiker auch zuletzt.

00:18:38: Und jetzt ist es Georg Forster Der dir immer wieder ja schon auch über einen Weg gelaufen ist bei diesen vorherigen Recherchen zu den anderen Büchern.

00:18:46: Was hat dich an dem so fasziniert, dass du gesagt hast, den möchte ich ein eigenes Buch widmen?

00:18:52: Und den möchte auch mehrere Jahre meines Lebens widmen.

00:18:55: Also was muss so eine Person haben und was hat ganz speziell Georg Forster gehabt?

00:19:00: Also erst mal ... Das hab ich jetzt erst im Nachhinein gemerkt.

00:19:05: Eigentlich sind diese drei Bücher ne Trilogie völlig ungeplant und auch falsch rumgeschrieben.

00:19:11: Eigendig hätte man zuerst Forster schreiben müssten dann die Rebellen und dann Humboldt.

00:19:15: aber Das passiert halt, so wie es passiert.

00:19:21: Auf Gjörg Forster bin ich neugierig geworden als ich meine Recherche über das Humboldt-Buch gemacht habe.

00:19:27: Also schon viele Jahre her ... Ich glaube, das Buch hab ich, pfff ... ... im Jahr zwei Tausend Fünfzehn rausgekommen.

00:19:34: Also ... Zwei Tausends Zehn.

00:19:37: Ähm ... Zweittausend zwölf ist mir Gjorg Forster das erste Mal begegnet weil er Humboldts Freund und ... und Humboldt hat seit seines langen Lebens immer wieder gesagt, dass es Georg Forster war der seine eigene fünfjährige Reise nach Südamerika inspiriert hat.

00:19:55: Und auch seinen Denken über die Natur und die Politik sehr nachhaltig geprägt hat.

00:20:02: Jemand, der von den brillanten Humboldts bewundert wird ist es schon mal auf jeden Fall wert genauer untersucht zu werden.

00:20:11: war er ein sehr guter Freund von Caroline Schlägel, eine der Protagonisten in den fabelhaften Rebellen.

00:20:20: Eine ganz ungewöhnliche Frau, sehr unabhängig, freigeistig die Affären hatte, die ein uneheliges Kind gekriegt hat und wirklich der intellektuelle Mittelpunkt dieser jungen Romantiker war.

00:20:35: Also wieder jemand, der von einer Frau wie Caroline Schlägel bewundert wird ... Das zweite Mal muss man sich mal genauer angucken.

00:20:44: Aber im Endeffekt war es Forst das eigene Stimme, die mich in seine Geschichte reingezogen hat.

00:20:50: Die Art und Weise wie er zum Beispiel über die indigenen Völker geschrieben hat mit einer doch sehr ungewöhnlichen Offenheit und Unfohreingenommenheit, die fürs achtzente Jahrhundert ganz ungewönlich ist.

00:21:08: Das war das eine, dass ich verstehen wollte.

00:21:10: wie kann jemand ein junger Mann der in einer Gesellschaft lebt wo der Rassismus tief verwurzelt ist.

00:21:20: Wie kann jemand das schaffen so unvoreingenommen zu sein?

00:21:26: Und gerade in unserer heutigen Zeit haben wir so viele Politiker auf eine rassistische Agenda setzen.

00:21:35: Gibt es was, was wir daraus lernen können?

00:21:38: Das ist die eine Seite gewesen und die andere Seite.

00:21:40: Dass er unfassbar toll schreibt.

00:21:43: Er ist ein geborener Erzähler, der wirklich mit Worten malt und seine Reise um die Welt isst ganz anders als reiseberichte sonst aus dem achtzehnten Jahrhundert oder aus dem siebzehnten Jahrhunderte, die oft sehr ... viele nautische Details haben.

00:21:58: oder Kolumbus zum Beispiel, hatte Schwierigkeiten die Landschaft von Südamerika als irgendwas anderes als Grün zu bezeichnen.

00:22:05: Also auch da ist Forster ganz ungewöhnlich.

00:22:08: und dann seine Briefe, die auch ganz anders sind.

00:22:13: also in den twenty-fünf Jahren Recherche sind mir solche Briefer noch nie begegnet von jemanden der so offen mit sich selbst und mit der Welt umehin herum ist, der seiner Gefühle wirklich aufs Papier legt, sich offen und verletzlich zeigt.

00:22:29: Das war so eine Kombination aus allem ... das war jetzt ne sehr lange Antwort auf deine Frage?

00:22:34: Ja die brauchst du ja manchmal!

00:22:36: Ich glaub wir werden noch einige lange Antworten haben aber ich hab viele Fragen weil Georg Forster hat auch ne sehr interessante Biografie.

00:22:44: der war ja früh schon unterwegs sehr früh und hat damit angefangen nicht nur zu schreiben, zu beobachten zum Zeichnen zu entdecken auf vielen verschiedenen Ebenen.

00:23:00: Hast du eine Erklärung dafür, warum er so außergewöhnlich war?

00:23:07: Warum er sich so außer gewöhnlich verhalten hat?

00:23:09: inwiefern ist das auch begründet in seiner Biografie?

00:23:13: Ich glaube es ist sehr stark in seiner Bio-Graphie gegründet.

00:23:16: also Georg Forster wurde ... zum Reisenden im Alter von zehn Jahren, als sein doch sehr schwieriger Vater ihn auf eine abenteuerliche Reise durch Russland mitgenommen hat.

00:23:27: Während andere Kinder auf harten Banken in der Schule saßen, ritt Georg Forster mit Cossacken über die russischen Steppen und an der Wolger entlang.

00:23:37: An der Wolga sah er deutsche Siedler, also die von Katharina der Großen eingeladen worden sind ... Heute nennt man sie die Wolgardeutschen die in einer solchen Armut dort lebten, dass sie in Erdhütten wohnten.

00:23:52: Die im Boden eingebuddelt waren.

00:23:56: und das war der erste Moment dieser Junge, der nur zehn Jahre alt war, die harte Realität von Disputismus und Ungleichheit gesehen hat.

00:24:08: Das war der Anfang von dem ... seinem, wie er das nahe der Hang den Menschen zu verstehen.

00:24:14: Das war der Anfang davon.

00:24:15: Das sind Themen die ihn bis zum Schluss seines Lebens beschäftigt haben und ich glaube dass es ganz wichtig waren.

00:24:21: wenn man sich überlegt als er siebzehn Jahre alt war hatte er in Preußen gelebt, in Russland gelebt ,in England gelebt Und war dann, mit siebzehn Jahren wurde er zum Naturforscher und Zeichner auf Captain Cux zweiter Weltumsegelung.

00:24:40: Also schon mal ein ziemlich vollgepackter Lebenslauf für den Teenager.

00:24:45: Für den Rest seines Lebens zeigt sich eigentlich auch diese Rastlosigkeit oder ... Dieses Leben ohne Wurzeln.

00:24:52: Er fährt so im Zick-Zack durch die deutschen Staaten, nachdem sie zurückkommen, lebte er es in England, dann lebte der in Kassel, dann in Vilnius und in Mainz, dann Paris ... Und ich glaube, dass das Reisen dieses Stets ein Außenseiter sein, stets auf Durchreise sein sich niemals zugehörig fühlen weder an einen Ort noch an eine Nation.

00:25:17: Er hat ihm auch erlaubt, der anderen zu akzeptieren, weil er auch immer der andere war.

00:25:24: Wo immer er auch war und ich glaube dass das Reisen ihm Geist und Herz geöffnet hat Und das ist natürlich auch der Grund warum der Titel dieses Buches Der Reisende ist oder im Englischen The Traveler Weil Ich Zeigen wollte dass er nicht nur geographisch gereist ist sondern eben auch Im Geiste über Raum und Zeit

00:25:44: Zu der Zeit.

00:25:45: damals waren ja, das finde ich ganz interessant Wissenschaft und Kunst ja überhaupt noch gar nicht so getrennt.

00:25:51: Er war auch ein super Beispiel dafür wie sehr das zusammenkam dass du sowohl wissenschaftler oder wissenschaftlerin warst da gab es jetzt wenige wissenschaftlerin das waren ja meistens dann die Männer aber eben auch künstler.

00:26:07: Das ist ja was wir heute oft Trennen.

00:26:10: Da geht es los in der Schule, bis du künstlerisch begabt bist musisch oder naturwissenschaftlich.

00:26:17: Ich glaube das ist einer der großen Probleme die wir heute haben auch im Klimawandel dass wir immer nur über Zahlen und Statistiken sprechen und manchmal brauchen wir Künstler Dichter Musiker Filme machen die uns vielleicht helfen die ganze Sache die da passiert bisschen besser zu verstehen und zwar auf einem emotionalen Level vielleicht auch und für mich ist Forster Er ist eigentlich dieser erste Steppingstone von der Aufklärung zu den Romantikern.

00:26:44: Deshalb ist das eine Triologie, die ich falsch rumgeschrieben habe weil Humboldt ist dann derjenige, der das weiterführt und die Romantiker, die das wirklich vollziehen.

00:26:55: aber er fängt auch schon an.

00:26:57: auf der einen Seite weiß er bewundert auch rationales Denken empirisches Beobachten.

00:27:05: All das ist ganz wichtig für ihn, aber er sagt auch immer wie wichtig es ist nicht zu vergessen Emotionen die Einbildungskraft, die Subjektivität.

00:27:15: all das gehört auch dazu.

00:27:17: Ganz anders als andere zu seiner Zeit, die andere Menschen beobachtet haben und immer so getan haben dass eine ganz objektive Sache wir gucken die anderen da kann man alles niederschreiben hat er damals schon gesagt nein mein Leser muss auch mich kennen um zu verstehen, wie ich die anderen verstehe.

00:27:35: Also etwas was in der Ethnografie erst im zwanzigsten Jahrhundert überhaupt als akzeptiert worden ist.

00:27:40: und er schreibt wie ein Dichter, er sieht wie ein Maler und beobachtet wie einen Wissenschaftler und bringt das alles zusammen.

00:27:49: Und diese Trennung zwischen der Kunst- und der Wissenschaft ist, wie du gesagt hast es eigentlich etwas... Was eine viel neuere Entscheidung ist, wenn wir uns zum Beispiel so jemand wie Goethe angucken.

00:28:01: Goethey hat sich für Botanik interessiert, die Farbenteorie und die Anatomie.

00:28:09: Aber er war auch der Große.

00:28:11: Goethe, der große Dichter-Goethe und genauso Humboldt.

00:28:14: Humboldte ist mit forty zwei wissenschaftlichen Instrumenten kreuz und quer durch Südamerika gereist und hat alles gemessen aber hat auch immer wieder gesagt die Natur können wir nur verstehen wenn wir sich fühlen und genau so ist Georg Forster auch.

00:28:27: es ist jemand der Mit dem mit dem Herzen und mit dem Geist versucht die Welt zu erkennen und zu erkunden.

00:28:35: Wenn ich mir vorstelle, ich reise mit so einer Haltung dann im achtzehnten Jahrhundert um die Welt auf einem Schiff.

00:28:42: Dann werde ich ja wahrscheinlich doch hier und da auch verunverständnisstoßen in ganz vielen Fällen und Aufwiderstand Und mich Unverstanden fühlen und mich vielleicht immer wieder fragen Bin ich hier so ganz alleine auch mit meiner Haltung?

00:28:57: Wie ging ihm das oder wie ist damit Widerstand umgegangen?

00:29:00: Inwiefern trat der auf?

00:29:02: Wir wissen nicht ob das oder wie das auf der Resolution selber passiert ist, weil wir da keine Dokumente drüber haben.

00:29:10: Aber vielleicht sollte man erst einmal sagen, dass Georg Forster es auf dieses Schiff, auf die Resolution gegangen mit der gleichen Einstellung wie alle anderen, mit der Einstellung der europäischen Überlegenheit und das hat sich auf der Reise geändert.

00:29:24: Und da gibt's ein ganz tolles Beispiel.

00:29:27: also wirklich auch so... Man sieht diesen Moment wo sich in seinem Kopf etwas ändert.

00:29:34: Und das ist, als sie das erste Mal ... In Neuseeland angekommen sind.

00:29:39: Die sind von England über Südafrika zu Antarktis und haben dort viele Wochen und Monate zwischen den Eisbergen verbracht.

00:29:47: Dann ist es das erste mal, dass die an Land gehen wieder.

00:29:51: Sie waren also wochenlang ... in der Antarktis ohne frische Lebensmittel, also grauenhafte Zustände und kommen in das G-Sound in Neuseeland an.

00:30:02: Und ... Das Schiff ist im erbärmlichen Zustand.

00:30:05: Also die Segel hängen in Fetzen, die Balken und Planken sind beschädigt und Captain Cook errichtet Werkstätten am Ufer.

00:30:15: Die Segelmacher reparieren die Segeln und die Zimmerleute reparieren das Schiff.

00:30:20: Der Hall von Segen und Hemmern Schallt durch den Wald und Georg Forster guckt sich dieses auch sehr geschäftige Szene an.

00:30:27: Und sagt dann mit dieser Arroganz der europäischen Überlegenheit, guck mal was wir hier für Kunst- und Wissenschaft diesen Barbaren bringen.

00:30:37: Sechs Wochen später hört sich das alles schon ganz anders an.

00:30:41: Sech Wochen später schreibt er darüber dass die Europäer Tod und Krankheit bringen.

00:30:46: Dass er sich wünschte, dass die Europäer nie in den Südpazifik gereist werden weil sie eben so viel Tod und und Krankkeit bringen.

00:30:56: was es passiert in dieser Zeit?

00:30:58: Er hat sechs Wochen mit dem Mauris verbracht.

00:31:01: Er hat ein bisschen von ihrer Sprache gelernt, er hat ein bischen von ihrer Kultur verstanden, er hatte sie als Mitmenschen kennengelernt eine Kultur haben, die eine Sprache haben.

00:31:13: Die wunderschön geschnitzte Kanus haben und Waffen haben.

00:31:18: Und von dem Moment an sieht er die Menschheit anders und sieht das eigentlich alle gleich sind und dass alle Menschen sind und nicht halbaffen wie die anderen an Bord, die indigenen Völker oft

00:31:33: bezeichnen.".

00:31:35: Wie er sich mit den anderen in dem Moment darüber auseinandergesetzt haben, wissen wir nicht.

00:31:40: Weil er natürlich diese Reise um die Welt am Ende der Reise schreibt basierend auf sein und seinen Vater's Tagebuch.

00:31:50: aber man kann sich das natürlich vorstellen dass das schwierig war.

00:31:55: Und er kritisiert auch die Besatzung immer wieder auch im Buch dass sie zu viel Schusswaffen benutzt haben.

00:32:03: Er kritisiert, dass zum Beispiel Nägel für Sex ausgetauscht wird.

00:32:09: All das sieht er und all das kritisieren der.

00:32:12: Wie sehr er sich lautstark mit der Mannschaft ... Mit der Besatzungdaube auseinandergesetzt hat?

00:32:18: Das wissen wir nicht!

00:32:19: Und vielleicht hat das auch nicht, weil er schon ein ruhiger, stiller, schüchterner Mensch war.

00:32:25: Vielleicht auch ein Stück weit Selbstschutz.

00:32:27: Auf See ist es heute noch rau, unter See Männern.

00:32:31: Wie mir vorstellt, das ist Jahrhundert.

00:32:34: Wenn du dann so'n Feingreis bist und wieder Wort gibt's gegen dieses raue Gehabe ... Das ist vielleicht auch ein Stück weit Selbst-Schutz.

00:32:44: Aber man muss dazu sagen, dass Captain Cook war für einen Kapitän zu der Zeit relativ ... offenherzig, was die Indigenenvölker angeht.

00:32:55: Nicht ganz so wie Georg Forster, sondern schon aber auch anders als andere Entdeckungsreisende vor

00:33:03: ihm.".

00:33:04: Wenn wir über seine Sicht auf die Menschen sprechen ... Inwiefern hat sie sich dann?

00:33:11: Jetzt haben wir erfahren, da hat sich etwas gedreht, als er in Neuseeland war, in diesen sechs Wochen zwischen dort ankommen und weiteren Verlauf der Reise.

00:33:22: Gab's dann noch eine Entwicklung danach?

00:33:24: oder wie lange war er unterwegs?

00:33:25: Wie lange hat diese Reise dann noch gedauert.

00:33:28: Wie hat sich seine Sicht auf die Menschheit verändert, auf die Menschen?

00:33:33: Also was hat diese reise mit ihm gemacht?

00:33:35: Die Reise war drei Jahre.

00:33:38: Eine Reise der großen Extreme von den gewaltigen Eisbergen in der Antarktis bis zur Tropenwelt der südpazifischen Inseln Vitahti und Tonga.

00:33:50: für ... Jörg Forster interessanterweise, obwohl er natürlich der Naturforscher und der Zeichner war.

00:33:56: Und zwar der Zeicher von Pflanzen und Tieren ist diese Expedition vor allem eine Reise der menschlichen Begegnung.

00:34:05: Das ist das was ihn ändert als Mensch auch.

00:34:09: Wo immer sie landen wo immer ihnen die Inselbewohnern begegnen notiert er ihre Sprachen beschreibt ihre Bräuche, kostet ihre Speisen.

00:34:24: Beschreibt ihr Aussehen, ihren Schmuck, Ihre Kleidung, ihre Häuser, ihre Gärten.

00:34:29: und seine Beschreibungen zählen bis heute als die besten Beschreibung polonisischer Kultur vor dem ersten Kontakt mit den Europäern.

00:34:43: Und das ist glaube ich das was ich so ungewöhnlich finde es diese riesengroße Offenheit.

00:34:50: Daran tritt relativ wenig Bewertung.

00:34:55: Nicht immer, also man muss auch sagen Georg Forster ist den darf man jetzt nicht auf dem Podest stellen das es ein Mensch mit Widersprüchen und Fehlern und Schwächen.

00:35:04: aber grundsätzlich ändert ihn diese Reise glaube ich weil er auf diesen vielen verschiedenen Inseln ganz unterschiedliche Nationen und Völker kennenlernt aber in allen eine Gemeinsamkeit sieht und das ist die Menschlichkeit.

00:35:20: Alle sprechen Sprachen, alle haben Kultur, alle tragen Kleidung, wir sind alle gleich – nicht identisch, aber gleich!

00:35:31: Und er kehrt zurück mit einer tief verwurzelten Überzeugung dass alle Menschen unabhängig von Hautfarbe und Herkunft und Glauben alle gleich sind.

00:35:46: Und es keine hierarchischen Abstufungen gibt, die auf Hautfarbe basieren.

00:35:51: Interessanterweise spricht er von einer Hierarchie der Zivilisation im Zusammenhang mit Frauen wie Völker ihre Frauen behandeln.

00:36:02: und zwar sagt er je schlimmer die Frauen in einer Gesellschaft behandelt werden desto unzivilisierter ist die Gesellschaft Nicht basierend auf Hautfarbe, sondern wie sie ihre Frauen behandeln.

00:36:15: Interessant ist auch sehr ungewöhnlich für die Zeit?

00:36:17: Ganz ungewönlich!

00:36:18: Heute würde man ihn als Feministen bezeichnen.

00:36:21: Er hat immer starke und unabhängige Frauen bewundert.

00:36:26: Er glaubte an die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

00:36:30: Er war der stolze Vater von zwei Töchtern zu einer Zeit, wo auch Freunde ihm geschrieben haben, das tut mir so leid.

00:36:36: Das ist wieder nur eine Tochter.

00:36:40: Ich erzähle meine Töchter genauso, wie ich einen Sohn erziehen würde.

00:36:44: Also ganz ungewöhnlich für seine Zeit und ich glaube aber auch wieder weil er so viele verschiedene Völker kennengelernt hat.

00:36:54: Jetzt war er zwanzig als er wiedergekommen ist.

00:36:57: was hat er denn gemacht?

00:36:58: also wozu hat ihn das geführt?

00:37:00: Man muss dazu sagen dass Georg Forster ein ganz schwierigen Vater hatte.

00:37:04: Reinhold Forster Je zörnig, neigte zu Wutausbrüchen, glaubte eigentlich grundsätzlich, dass er im Recht war und andere im Unrecht waren.

00:37:15: Aber war jemand, der selber sehr, sehr neugierig war und sehr abenteuerlustig war auch sehr gebildet war und wahnsinnig interessiert an allem war.

00:37:26: Und Reinhard Forster hat seinem Sohn eine Ausbildung gegeben eine Jugend gegeben, die sehr ungewöhnlich war natürlich.

00:37:36: Jörg Forster ist bis auf ein paar Monate nie zur Schule gegangen sondern ist wirklich nur von seinem Vater unterrichtet worden aber natürlich ohne seinen Vater wäre er nie auf die Resolution Reise gegangen.

00:37:47: Aber Jörr Forster wurde auch nie gefragt ob er das wirklich wollte oder nicht und der war so ein bisschen einen Wunderkind der Sprachen genauso einfach gelernt hat wie Wissenschaften wurde dann schon sehr früh von seinem Vater, also schon vor der Resolution Voyage als Übersetzer angestellt.

00:38:05: Im Alter von zwölf

00:38:06: schon?

00:38:07: Im Alter vom Zwölfjahr hat er die Geschichte Russlands aus dem russischen ins englische übersetzt ein paar Monate nachdem er es englisch gelernt hatte.

00:38:17: Und das ging aber immer so weiter.

00:38:18: Er hat den Familienunterhalt verdient, bevor sie auf die Resolution Reise gegangen sind in dem er beliebte Reiseberichte übersetzt hat was ich auch ganz spannend finde weil er schon als fünfzehn und sechzehn Jahre ja also bevor er auf diese reise gegangen ist hat er durch diese Übersetzung natürlich auch ist er auch schon gereist im geiste nach china nach australien nach nordamerika alles im kopf Sozusagen.

00:38:46: Und sein Vater war mit auf der Resolution?

00:38:48: Sein Vater war sozusagen der Haupt-Naturforscher und Geoforcer, war sein Assistent und Zeichner.

00:38:57: Als sie zurückgekommen sind, hat sein Vater, der sich mal wieder mit allen gestritten hat, sich mit der britischen Admiralität so zerstritten.

00:39:05: Und zwar ging es darüber, dass er durfte ... Reinhold Forster durfte keinen Reisebericht schreiben.

00:39:11: Den Reisebricht durfte nur Captain Cook schreiben Und Reinhold Forster durfte nur den Bericht über das Naturgeschichtliche schreiben.

00:39:21: Aber damit kann man natürlich nicht so richtig Geld verdienen, es geht auch darum ein Bestseller zu schreiben.

00:39:26: Alle Leute, also Reiseberichte waren ganz beliebt zur Zeit, weil die wenigsten Menschen gereist sind und dadurch konnte man aus der Bequemlichkeit seines Wohnzimmers die ganze Welt erkunden.

00:39:40: Und Reinold Forster hat dann aber relativ schnell begriffen ... Ich hab zwar im Vertrag mit der britischen Admiralität abgeschlossen, aber meinen Sohn nicht.

00:39:49: Deshalb kann der den Reisebericht schreiben und Georg Forster wurde mal wieder nicht gefragt.

00:39:57: Das war für uns sehr gut, dass das passiert ist weil Reinhold Forster nicht besonders gut schreiben konnte.

00:40:03: Und da hat Georg Forstner glaube ich auch entdeckt wie wunderbar er schreiben kann.

00:40:09: also das ist ein Buch.

00:40:12: Die Sprache ist ganz poetisch, ganz sinnlich.

00:40:15: Man hört praktisch beim Umblättern der Seiten das Knarren der Eisberge und das Singen der exotischen Vögel.

00:40:22: Dieses Buch macht ihn dann berühmt in ganz Europa.

00:40:26: Wo immer er hinkommt wollen alle diesen jungen Entdecker kennenlernen.

00:40:31: Wie heißt das Buch?

00:40:32: Und kann man es heute noch kaufen oder lesen?

00:40:34: Ja!

00:40:34: Das heißt also... Er hat das zuerst auf Englisch geschrieben, er voyage round the world und hat es dann selber übersetzt als eine Reise um die Welt.

00:40:43: Das ist auch gerade wieder neu aufgelegt worden.

00:40:45: also jetzt kommt jetzt parallel mit meinem Buch auch nochmal raus.

00:40:49: ich habe da das Vorwort zugeschrieben Und dass is wirklich Also nicht nur lesbar sondern ganz ganz wunderbar.

00:40:58: man kommt ganz nah an diese Reise ran aber auch an die Menschen denen er begegnet.

00:41:05: Dennoch ist er ja ein Name oder eine Person, die gar nicht so bekannt ist.

00:41:10: Oder war jetzt bis dato in Deutschland ... Ist das weltweit anders?

00:41:15: Wahrscheinlich auch kaum,

00:41:16: oder?

00:41:16: In England ist er praktisch ganz vergessen und in Deutschland kennen ihn zum Paar Leute.

00:41:22: aber so berühmt wie er sein sollte, ist er nicht.

00:41:25: Das hat wie oft mehrere Gründe.

00:41:29: Ein Grund ist sicherlich, glaube ich zumindest, dass seine Ideen seiner Zeit so voraus waren, dass er in Vergessenheit geraten ist.

00:41:38: Aber der Hauptgrund ist wahrscheinlich, das er ... Er war ein Mitbegründer der Mainzer Republik.

00:41:45: Die Mainzer Republic war die erste deutsche Republik auf deutschem Boden im ... ... in den Sehnhundertdreiundneinzig nur für paar Monate.

00:41:55: Gjörg Forster war von der französischen Revolution mitgerissen weil alles was er auf seinen Reisen gelernt hat kam durch die französische Revolution zum Ausdruck Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit.

00:42:12: Er lebte zu der Zeit in Mainz also ungefähr eine hundert Kilometer von der franzöischen Grenze und hat das alles ganz intensiv beobachtet.

00:42:21: Und als die Franzosen dann Mainz eingenommen haben im Oktober siebzehnhundert zweieinneunzig, hat Georg Forster sich nicht vor den Besatzern gefürchtet sondern hat sie willkommen geheißen und inspiriert von den Ideen der französischen Revolution, hat dann die Mainzer Republik mitbegründet und wurde auch der Vizepräsident.

00:42:44: Dann ist er nach Paris gereist um die französe Regierung offiziell zu fragen ob die Mainz-Republik Teil der französischen Republik werden könnte.

00:42:53: und während er in Paris war haben die Preußen wie der Mainz den Franzosen abgenommen.

00:43:00: Damit wurde Georg Forster als Vaterland-Verräter bezeichnet und musste in Paris bleiben, also hat dort dann im Exil

00:43:08: gelebt.".

00:43:09: Und das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum Forster nicht heute so bekannt ist, weil er wirklich systematisch aus der Geschichte rausgeschrieben worden ist ...

00:43:20: weil er nicht zum deutschen Helden taugt.

00:43:23: Weil einer, ein Vaterlandverräter sozusagen waren.

00:43:26: Im Endeffekt war es erst in den ... In den neunzehntfünfziger Jahren waren es DDR-Historiker, die ihn wiederentdeckt haben für seine Rolle in der Mainzer Republik, weil sie einen guten deutschen Revolutionär finden wollte und seitdem ist stetig auch über ihn gearbeitet worden.

00:43:51: Er

00:43:56: ist dann in Paris geblieben und relativ jung gestorben.

00:44:00: Ja, mit neununddreißig.

00:44:02: Das ist auch einer der Gründe, warum er heute nicht so bekannt ist.

00:44:05: Weil er so jung war.

00:44:07: Alexander von Humboldt hat das immer wieder gesagt ... länger gelebt, hätte er auch größere, wichtigere Werke noch produziert.

00:44:19: Und wenn man sich Alexander von Humboldt anguckt, der nun neunundachtzig geworden ist ... Der hat seine meisten wichtigen Werke auch erst im höheren Alter produziert also nachdem er neun und dreißig Jahre alt war.

00:44:31: Das ist sicherlich auch einer der Gründe warum Forster heute nicht ganz so bekannt ist wie er sein sollte.

00:44:37: Und dennoch hat er ja gerade auf Humboldt so einen großen Einfluss gehabt, war ein Mentor.

00:44:41: Wie können wir uns das vorstellen?

00:44:42: In welcher Form war er Mentor?

00:44:43: eher auf so einer theoretischen Ebene?

00:44:45: oder haben die beiden wirklich auch gemeinsam gelebt und gewirkt?

00:44:51: Beides!

00:44:51: Beides also.

00:44:53: Fosters fünfzehn Jahre älter und Alexander von Humboldts ist.

00:44:57: schon als Junge, hat er die Reiseberichte ... von Captain Cook und Forster gelesen, ist also auch schon im Geiste gereist.

00:45:07: Und diese Geschichten haben den jungen Alexander inspiriert, dass er auch auf seine Reisen gehen wollte.

00:45:14: Dann lernte er aber Forster auch kennen.

00:45:18: Als er zwanzig war – und Forstnervon dreißig war sind die beiden auf eine Reise durch Europa!

00:45:25: Für vier Monate durch die Niederlande, Frankreich und England.

00:45:30: Und haben dort eine ... Also, ein Jahr nach der französischen Revolution.

00:45:37: Und auch in Europa gesehen das ... sich mit Revolutionen auseinandergesetzt hat.

00:45:43: Manche haben funktioniert, andere nicht.

00:45:47: Aber ein ganz neues Europa.

00:45:50: durch Frankreich sind sie gereist, also dieses revolutionäre Frankreich ... Was

00:45:55: haben Sie gemacht?

00:45:56: Warum sind Sie gereist?

00:45:57: Haben Sie da auch in Natur?

00:46:00: als Thema gehabt, oder war das eher ein ... Wir gucken uns mal an was so abgeht gerade in Europa.

00:46:06: Ja also beides aber schon auch sehr viel, was passiert hier politisch?

00:46:13: Für Forster war es etwas der musste mal aus Mainz raus.

00:46:17: Forster hat immer sich nach Reisen gesehen.

00:46:20: Der ist nie wieder auf eine große Reise gegangen, aber wollte immer wieder gehen und das war so.

00:46:25: ich muss mal hier raus.

00:46:29: Alexander von Humboldt war auch jemand, der sich immer selber als sehr rastlos bezeichnet hat.

00:46:35: Also zwei sehr rasslose Menschen, die dann durch Europa gereist sind.

00:46:39: Was das für Humboldts war ist er hat Forster gesehen wie Forster gereist ist.

00:46:43: Wie ist Forster mit anderen Menschen umgegangen?

00:46:45: Forster hat immer alle Leute ausgefragt also er hat erst rund genommen einen Ethnograph in Europa gewesen.

00:46:52: was für Dialekte spricht jemanden?

00:46:54: was haben sie an wissen was es ihre politischen Ansichten?

00:46:59: Humboldt hat das alles miterlebt, hat miterlebt wie Georg Forster sich Notizen gemacht hat und hat dann das Resultat gelesen.

00:47:09: Das Buch was Forster darüber geschrieben hat Ansichten vom Niederrhein und er hat einen ganz, ganz elend langen Titel Und dann hat Humboldts später sein eigenes Buch Ansichten der Natur basiert auf diesen Titel.

00:47:23: Das war schon sehr, sehr wichtig.

00:47:25: das Zusammensein, dass die Einstellung, die Forster, die politische Einstellung hat aber auch seine Einstellungen Menschen gegenüber?

00:47:34: Das finde ich total interessant weil es ja fast so eine Parallele ist.

00:47:40: Wie hat zu dem Gefühl was viele Menschen heute noch haben Mensch Ich will mal wieder ne große Reise machen Ja ich will mal raus ich schaff's irgendwie nicht Und dann ja auch so ein Bogen zu dieser Idee, die ich seit Jahren immer wieder beschreibe.

00:47:52: Die sage ich, schau doch mal was kannst du vor deiner Tür vielleicht auch entdecken?

00:47:57: Wie kannst Du eine Haltung vom Reisen runterbrechen auf Erlebnisse, die Du eben nicht in der weiten Welt hast sondern hier.

00:48:08: Was war gut auf einer großen Reise unabhängig von dem Ort an dem Du warst.

00:48:12: Und wie kannst du das im Kleinen auch wieder reinbringen und wiederfinden?

00:48:17: Das

00:48:18: ist ganz schön, weil die beiden das ähnlich gemacht haben.

00:48:20: Weil's da sehr um die Haltung ging.

00:48:23: Ja, absolut recht!

00:48:24: Also dass es nicht eine Weltreise gewesen... Natürlich ist damals also wenn du nach Frankreich gefahren bist war schon ein bisschen mehr als heute nach Frankrijk fahren aber die Zeit mit anderen zu verbringen und die Zeit die die beiden miteinander verbracht haben Ich würde sehr gerne so eine kleine Maus gewesen, die mit in der Kutsche gesessen hätte und sich anzuhören, was sie miteinander Stunden natürlich geredet haben.

00:48:52: Reist du heute anders nachdem du dieses Buch geschrieben hast?

00:48:57: Hm ... ich glaube, ich weiß nicht, ob ich anders reise.

00:49:03: Ich glaub, ich bin immer schon sehr bewusst gereist.

00:49:06: Aber ich glaube... Was mir dieses Buch gegeben hat ist Dieser tiefe große Glaube an die Menschlichkeit, die ist mir ganz wichtig und klar geworden.

00:49:22: Wie soll ich das sagen?

00:49:23: Wenn ich mir angucke in den Zeiten, wo sich die Welt hinter Nationalgrenzen zurückzieht ... Spaltung, Polarisierung, Unterschiede.

00:49:36: All das wird betont und Georg Forsters Leben erinnert mich daran wie wichtig Menschlichkeit ist, wie wichtig Liebe ist?

00:49:44: Wie wichtig Mitgefühl ist?

00:49:47: Ich vorhin auch schon sagte es ist jetzt niemand der auf dem Podest sitzen sollte überhaupt nicht.

00:49:51: Der hatte oft Situation falsch beurteilt hat seine Schwächen.

00:49:55: aber für mich sind es gerade diese Unvollkommenheiten die Ich inspirieren finde weil natürlich Also zumindest ich und ich glaube viele andere auch stolpern wir irgendwie so ein bisschen durchs leben sind manchmal unsicher und manchmal auch egoistisch Und haben immer das gefühlt egal was ich mache ändert ja sowieso nichts.

00:50:15: aber ich glaube schon dass er war jemand der hatte auch diese schwächen und vieler.

00:50:20: aber trotzdem hat er versucht die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

00:50:24: Wort für Wort, Satz für Satz – nicht durch große Taten und ich glaube dass wir alle in unserer Unsicherheit und dem daher stolpern können wie auch etwas bewirken.

00:50:35: Nicht jeden Tag oder jeden Monat aber... Wir sind alle acht Milliarden Menschen!

00:50:43: Und ich glaube das ist was dieses Buch bei mir ausgelöst hat einen größeren Wert auf auf diese gemeinsame Menschlichkeit zu haben in unseren doch sehr polarisierenden Zeiten.

00:50:58: Ja, und diese Ausrede, die wir manchmal oder eine Grunddehme manchmal anführen dafür dass wir vielleicht dann auch hier und da mal ein bisschen weniger Hoffnung haben der zieht dann irgendwie auch nicht weil damals war es ja das Umfeld auch ja anders.

00:51:14: also er hat im Umfeld gewirkt dass nun gar nicht seine Ansichten hatte trotzdem weitergemacht mit dem, was er gemacht hat und sich nicht da so vereinnahmen lassen.

00:51:28: Und ich glaube auch ... Wir tendieren ja immer dazu zu sagen, ach im achtzehnten Jahrhundert Vorurteile, rassistische Bemerkungen war eigentlich unausweichlich.

00:51:40: Das war immer so!

00:51:42: Und Georg Forst das Leben zeigt?

00:51:44: Nein es ist genau das Gegenteil.

00:51:46: also die...das war immer schon eine persönliche Entscheidung Damals wie heute.

00:51:52: Der Rassismus ist nicht eine zwangsläufige Art, die Welt zu sehen.

00:51:57: Und auch das finde ich etwas, was man sich immer wieder bewusst machen muss.

00:52:02: Es gab damals auch schon andere Menschen, die gesagt haben, dass es nicht richtig so.

00:52:07: Natürlich hatte er den großen Vorteil, dass er die ganze Welt bereist hat.

00:52:12: Aber es gab auch andere, die die Welt bereiste und nicht genauso gedacht haben.

00:52:16: Und das kann man natürlich dann auch, wenn ich als Argument sage, der ist schon immer viel gereist und vielleicht hatte er deshalb diese Offenheit.

00:52:23: Dann kann man genau sagen, es gab auch so viele die das nicht gemacht haben.

00:52:26: Vielleicht war er auch einfach gut ein guter Mensch.

00:52:29: Es gibt schon auch Menschen, die glaube ich einfach in sich drin gut sind und erst mal vom Guten auch ausgehen.

00:52:39: Da gehört er sicherlich auch mit in dieser Kategorie

00:52:42: Wahnsinnig spannende Geschichte, die du aufgeschrieben hast und von der du natürlich jetzt auch erzählst noch.

00:52:49: Du bist auf Lesetour gerade, ne?

00:52:50: Bist heute Abend in Hamburg auf dem Literaturfestival und dann durch ganz Deutschland noch unterwegs.

00:52:56: Ja

00:52:59: ich bin schon seit Mai unterwegs.

00:53:03: England und die USA, Niederlande, Italien.

00:53:06: Und jetzt bin ich in Deutschland fast zwei Monate unterwegs.

00:53:10: Ich mache keine Lesungen in dem Sinne.

00:53:13: Also ich lese nicht aus dem Buch sondern erzähle aus dem Book.

00:53:17: Ich glaube... also ich schreibe ja Englisch und komme auch aus dem angelsächsischen Bücher schreiben.

00:53:24: Wir haben im Englischen so eine Tradition für das nennen wir Narrative Non-Fiction.

00:53:29: Das erzählte Sachbuch Ein Sachbuch, das auf Fakten basiert aber sich eigentlich wie ein Roman liest.

00:53:37: Aber nichts ist ausgedacht und ich versuche bei meinen Lesungen die keine richtige Lesung sind, dass versuche ich so ein bisschen rüber zu bringen.

00:53:46: Das ist jetzt kein trockenes Geschichtsbuch oder so sondern... Abenteuer Roman auf der einen Seite.

00:53:54: Das ist über diese Weltreise, das ist über die französische Revolution und die Revolution in Deutschland.

00:54:00: Und dass es über einen ganz, ganz spannenden Menschen aber auch natürlich die Menschen, die in seiner Umgebung leben.

00:54:09: Es geht natürlich auch um die Zeit.

00:54:11: Was ich möchte?

00:54:12: Ich möchte gerne, dass meine Leser in dieses Buch eintreten können und auf der einen Seite die klirrende Kälte der Antarktes spüren, aber auch auf der anderen Seite die Affären von Georg Forsters Frau miterleben.

00:54:27: Also für einen kurzen Moment oder auch einen längeren Moment diese Person im achtzenden Jahrhundert zu begleiten und auch zu sehen wie viel sich vielleicht gar nicht geändert hat und wieviel heute immer noch ... Wir lernen können aus der Vergangenheit.

00:54:42: Das ist der Grund, warum ich Historikerin bin.

00:54:44: Ich glaube nicht dass die Vergangen- heit so ein Haufen verstaubter Ideen ist sondern das ist etwas was uns auch Klarheit fürs heute schaffen kann.

00:54:55: Wenn ich jetzt das erleben möchte wie du erzählst von Georg Forster über diesen Podcast heute hinaus Und ich lebe zum Beispiel, bist du in Mainz?

00:55:04: Mainz würde ja den machen.

00:55:05: Mainz war ich gerade letzte

00:55:07: Woche!

00:55:08: Wo kann ich denn schauen wo du bist und wann du da

00:55:10: bist?

00:55:10: Also ich bin ... Wo bin ich denn noch alles?

00:55:13: Jetzt bin ich erst mal in Frankfurt bei der Buchmesse.

00:55:16: Da gibt es aber auch einen öffentlichen Vortrag.

00:55:19: Dann bin ich Berlin Jena Weimar Wörlitz Lüneburg München Salzburg, Passau.

00:55:33: Dann steht von wo ich noch nie war und auch gar nicht so richtig weiß, wo sie sind, Eberbach

00:55:38: ... Da kann ich die ja auch nicht erinnern.

00:55:40: Das

00:55:40: war Heidelberg glaub ich, Bad Urach.

00:55:44: Man kann das alles auf meiner Webseite sehen.

00:55:46: da ist eine lange Liste also Kreuzung quer in der Bundesrepublik.

00:55:50: Da wünsche ich dir viel Freude auf dieser Reise, Lesereise oder ... Wie auch immer, wenn die Lesung keine Lesung ist.

00:55:58: Auch keine Lese-Reise aber es ist eine Reise.

00:56:00: Eine Reise ist das

00:56:01: auf jeden Fall!

00:56:02: Und du wirst viele Menschen treffen und das ist ja das Besondere dann auch an dieser Art des Reisens dass du zwangsläufig natürlich mit vielen Menschen zusammen triffst, die Fragen haben wir und wo ja auch so ein Resonanzraum

00:56:16: entsteht.

00:56:17: Ja also das habe ich ja vorhin auch gesagt Ich liebe das Schreiben und die Einsamkeit, aber das ist natürlich auch ganz toll.

00:56:24: Wenn man dann nach vier Jahren aus seinem Kämmerlein rauskommt ... Und dieses Baby, dieses Buch raus in die Welt schickt und eine Lesung macht oder einen Vortrag macht und da ist ein Raum voller Menschen, die alle gekommen sind, weil sie sich für das Thema interessieren.

00:56:42: Das ist ganz, ganz toll!

00:56:43: Wahnsinnig bereichern.

00:56:44: Das sind so in diese Momente, wenn man manchmal ... alleine im Kämmerleinsitz und denkt, warum mache ich das hier eigentlich alles?

00:56:50: Wird das irgendjemand interessieren oder lesen.

00:56:52: Und dann kann man an diese Momente denken, es gibt ganz viele Menschen die diese Bücher kaufen und lesen und die ihnen Freude bereiten.

00:57:02: Andrea, ganz herzlichen Dank!

00:57:03: Ich danke dir!

00:57:04: Ich

00:57:10: danke dir ganz herzlich fürs Zuhören und Ergänze an dieser Stelle noch die Website von Andrea, die sie ja schon angesprochen hat.

00:57:18: Wo du die Infos und Termine zu ihren Veranstaltungen findest.

00:57:23: Diese Website heißt andreawolf.com.

00:57:28: Ganz einfach Andreawolff zusammengeschrieben videospräst.com.

00:57:34: Das Buch der Reisende, Georg Forster und die Entdeckung der Menschlichkeit ist jetzt gerade erschienen.

00:57:39: Kannst du überall bekommen wo es Bücher gibt am besten natürlich im lokalen Buchhandel Den Newsletter, der den Freiraus-Podcast begleitet.

00:57:48: Den kannst du abonnieren unter christoferster.com slash frei raus.

00:57:53: Da gibt es immer weiterführende Links und Infos zu den Themen aus dem Podcast.

00:57:57: das heißt wenn Du jetzt zum Beispiel die Website von Andrea nicht mitschreiben kannst weil Du gerade im Auto sitzt oder so Wenn Du den Titel des Buches möglicherweise morgen schon wieder vergessen hast dann ist der Sonntag, dein Tag.

00:58:10: Da kommt nämlich den Newsletter immer raus und da findest du alles nochmal zusammengefasst schwarz auf weiß direkt mit dem Link brauchst du nur drauf klicken und kannst das dann online alles noch mal genau nachvollziehen.

00:58:21: Solltest du dir noch nicht abonniert haben den Newsletter?

00:58:24: Dann kannst du das tun unter christophförster.com.

00:58:27: slash frei

00:58:29: raus.

00:58:30: ich danke dir ganz herzlich fürs zuhören.

00:58:32: freue mich wenn du am nächsten Dienstag wieder rein hörst zur neuen Folge Freiraus und wünsch dir bis dahin der gute Zeit.

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