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Wer nichts wagt, der wächst auch nicht – dir bleiben 48 Stunden

Shownotes

// Jetzt mal ehrlich, wann hast du zum letzten Mal ein echtes Abenteuer erlebt? Ich bin vor einigen Tagen über einen philosophischen Essay gestolpert, der ausgerechnet mit einer Geschichte von mir beginnt und meine Idee des Mikroabenteuers durchaus kritisch betrachtet. Der Autor, Altphilologe Jonas Grethlein, bezweifelt nämlich, dass die kleinen Abenteuer vor unserer Haustür noch viel mit den Ur-Abenteuer-Idee aus Mythologie und Literatur gemeinsam haben. Da zuckt in mir natürlich gleich die Gegenrede, aber eigentlich ist es viel spannender, seine These mal mitzugehen. Und genau das tue ich heute. Tatsächlich passiert dadurch etwas, das vermutlich nicht passiert wäre, wenn mir wieder jemand auf die Schulter geklopft hätte: Mein Abenteuerverständnis schält sich noch einmal neu heraus. Ich bin mir sicher, dass auch du davon profitieren kannst. Es geht um Zyklopen, Navigationsgeräte und Ukulelen, um Verantwortung und Schicksal, um das Ringen mit der Welt und die Kraft des Erzählens. Und dann starten wir noch einen Countdown – 48 Stunden, um zu zeigen aus welchem Holz du geschnitzt bist ...

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// Outro-Song: Dull Hues by Lull (audiio.com)

Transkript anzeigen

00:00:00: Wenn ich eine Münze werfe, dann weiß ich ja vorher auch nicht ob Zahl oder Kopf kommt.

00:00:05: Das ist auch ne Umgefissheit!

00:00:07: Aber da habe ich ja noch kein Abenteuer erlebt.

00:00:09: Nicht kennen genau dieses Gefühl.

00:00:11: du stehst irgendwo im Wald Es wird dunkel Du hast dir vorgenommen die Nacht dazu verbringen.

00:00:18: Du hast aber noch keinen richtigen Platz.

00:00:21: Du weißt nicht Ob dich vielleicht jemand gesehen hat?

00:00:24: Du hast da Ängste oder Sorgen und muss jetzt mit diesen Ängsten und Sorgen irgendwie umgehen.

00:00:31: Ja, wer ist dieser Jonas Grädlein?

00:00:33: Dieser Hund der es wagt das Mikro-Abenteuer in Frage zu stellen.

00:00:39: Achtundvierzig Stunden ein echtes Abenteuer!

00:00:51: Moin und herzlich willkommen bei Freiraus dem Podcast für mehr Freiheit und Abenteuern in unserem Leben.

00:01:05: ich bin Christoph Förster und will mit dir heute über das Abenteur sprechen über eine neue Idee von Abenteuer oder einen neuen Blick darauf.

00:01:16: Ich beschäftige mich jetzt seit vielen Jahren wirklich sehr intensiv mit dem Begriff des Abenteuers und alldem, was so dahinter steckt.

00:01:25: Und habe jetzt gerade nochmal eine Art neuen Zugang entdeckt zum Abenteuer!

00:01:31: Dieser neue Zugang schält für mich noch mal raus, was Abenteurer für mich wirklich bedeutet und ich glaube er könnte auch dir nochmal einen wertvollen Impuls geben um für dich zu hinterfragen?

00:01:44: Was ist für dich ein Abenteur?

00:01:46: Willst du überhaupt rein ins Abenteure Und wie sieht das dann aus?

00:01:50: Vor allem, wie kriegst du das aus der Theorie, aus deinem Kopf in die Praxis ins echte erleben.

00:01:57: Da steht ja doch oft noch mal einiges dazwischen zwischen dem wollen und dem machen.

00:02:03: Darum soll es heute gehen!

00:02:05: Das wird auch für mich interessant weil es durchaus auch ein kritisches Hinterfragen meiner eigenen Haltung ist, wird aber auch für dich eine Herausforderung, weil es dich vielleicht auch ein Stück weit kitzelt.

00:02:18: das, was ich zu sagen habe zu dem Thema und genau das soll es auch.

00:02:22: Soll dich auch kitzeln?

00:02:24: Es soll dir vielleicht sogar ein bisschen in Hintern treten damit für dich eine Veränderung stattfinden kann wenn du das möchtest!

00:02:31: Der Titel dieser Folge ist natürlich auch schon etwas provokativ formuliert.

00:02:35: Wer nichts wagt der wächst auch nicht.

00:02:38: Du hast noch achtundvierzig Stunden.

00:02:40: Der Countdown läuft also jetzt.

00:02:43: Du wirst aber mitbekommen im Laufe dieser Folge, dass hinter diesem etwas provokativ formulierten Titel durchaus inhaltlich etwas steckt.

00:02:53: Was dazu passt und die These wär nichts Wag der wächst auch nicht.

00:02:57: Die füllen wir auch mit Inhalten damit dann besser rauskommt das damit Nicht gemeint ist Dass du nichts wert bist wenn du jetzt nicht endlich aus dem Quark kommst.

00:03:08: Das soll dich nicht unter Druck setzen oder dich ins Optimieren rein treiben dir ein schlechtes Gewissen machen, weil du gerade nichts wachst.

00:03:16: Im Gegenteil es geht eher darum Erwartung und Kontrolle rauszunehmen Und sich wirklich in was hinein zu begeben Was ich unglaublich frei anfühlt Was aber gar nicht so einfach zu erreichen ist was durchaus auch mit Mühen verbunden ist.

00:03:31: Das wird am Ende der Folge sehr viel klarer sein was Ich damit meine als zum jetzigen Zeitpunkt.

00:03:38: das aber vorab Damit Du so ungefähr weißt worauf Du Dich hier heute einlässt.

00:03:44: Wann warst du in das letzte Mal draußen?

00:03:46: Man haste so eine Art Abenteuer erlebt oder draußen was unternommen, ne Wanderung, ne Radtour und Spaziergang vielleicht bis zu Klettern gewesen... Das ist mit Sicherheit sehr unterschiedlich jetzt von Hörerin zu Hörerin.

00:04:02: aber was davon von dem was Du gemacht hast würde es zu tatsächlich Abenteuern hin und warum?

00:04:10: Wenn du diesen Podcast schon länger hörst oder meine Arbeit anderweitig schon länger verfolgst, dann weißt Du ich habe mich gerade mit dem Thema Mikroabenteuer ganz intensiv befasst und tue das immer noch.

00:04:23: Bin ein großer Freund und Botschafter auch des Mikro Abenteuers der Mikro-Abenteuer Idee.

00:04:29: Das heißt Ich habe schon lange für mich erkannt dass Ein Abenteuer nicht unbedingt ganz viel Zeit erfordern muss oder weit weg von zu Hause stattfinden muss, um ein Abenteurer zu sein.

00:04:46: Sondern dass wir auch mit sehr viel weniger Aufwand-Abenteuer erleben können.

00:04:51: Ich habe ganz viele Interviews zum Thema Mikroabenteuer gegeben und unzählbare Male die Frage beantwortet was ein MikroABenteuer eigentlich ist.

00:05:04: Den habe ich dabei fast immer gesagt.

00:05:07: Und zwar ein Mikroabenteuer ist für mich ein Abenteuer, das heißt da steckt alles drin was einen Abenteurer ausmacht.

00:05:16: Das habe ich auch im Büchern so geschrieben und in vielen, vielen Vorträgen gesagt.

00:05:20: Jetzt bin ich neulich über einen Essay gestolpert der diese Aussage infrage stellt.

00:05:26: diesen Essay habe ich gefunden in einem Buch das heißt Abenteuung Lob der Unverfügbarkeit.

00:05:34: Das habe ich mir bestellt bei einem österreichischen Verlag und das ist eine Zusammenstellung von Essays, von Beiträgen aus der Reihe Philosophikum Lech.

00:05:48: Das Philosophikum Lech ist eine Veranstaltung in Österreich, ein jährlich stattfindendes philosophisches Symposium.

00:05:56: Da kommen Wissenschaftlerinnen zusammen, Philosophinnen, Schriftstellerinnen und andere intellektuelle mehrere Tage um Beschäftigen sich mit einem Thema.

00:06:10: Abenteuer lobt der Unverfügbarkeit.

00:06:13: Also das Buch stellt die Beiträge dieses Symposiums zusammen und da gibt es einen Beitrag, der heißt das Abenteuern der Kontingenz.

00:06:22: so bevor das jetzt hierzu intellektuell zu abgehoben wird und du abschaltest will ich dir kurz erzählen, durch welchen Zufall ich genau bei diesem Beitrag beim Durchblättern des Buches hängen geblieben bin.

00:06:34: Und zwar blätter ich so durch dieses Buch und lande bei einer Quellenangabe Anmerkung hinter einem Beitrag.

00:06:45: Da fällt mir ins Auge das Mein Mikroabenteuerbuch.

00:06:49: Ich blätter das Buch jetzt hier gerade live nebenher nochmal durch, dass mein Mikro-Abenteuerbuch mein allererstes da als Quelle genannt ist.

00:06:57: Da habe ich natürlich gestutzt und wollte wissen in welchem Zusammenhang denn diese Mikro Abenteuer Idee in dem Beitrag möglicherweise auftaucht?

00:07:05: Und geht zum Anfang dieses Essays und sehe der beginnt mit dem gleichen Satz wie mein erstes Mikro abenteuer Buch und zwar steht da Ich wollte mal wieder raus.

00:07:18: So lautet die erste Kapitelüberschrift im Bestseller Mikroabenteuer, der Autor Christoph Förster erzählt blablabla.

00:07:26: Das war natürlich erstmal eine schöne schmeichelhafte Überraschung und ich habe mir diesen Essay durchgelesen.

00:07:32: Es wurde dann im weiteren Verlauf des Essays doch immer kritischer oder sehr schnell, sehr kritisch.

00:07:41: Und der Autor lässt nicht sonderlich ein gutes Haar an dieser Idee der Mikroabenteuer und meiner Vorstellung davon.

00:07:48: so viel vorab.

00:07:50: Das ist jetzt hier aber keine Replik oder kein Mikro-Abenteuer Ist doch viel toller als er hier schreibt.

00:07:58: Sondern ich habe was festgestellt Beim Lesen dieses Essays, vor allem aber im Nachgang auch noch beim Beschäftigen mit dieser Thematik.

00:08:08: Dass das Anecken ja oft ein guter Impuls ist um für sich selbst nochmal Dinge klarzukriegen zu hinterfragen und die eigene Idee nochmal mehr wie ich es eben schon formuliert habe herauszuschälen.

00:08:22: Das nur kurz zur Einordnung, warum wir heute über dieses Thema sprechen.

00:08:26: Ich will jetzt gar nicht nochmal groß die Geschichte erzählen aus der dieses Zitat kommt.

00:08:31: ich wollte mal wieder raus ja mein erstes Mikroabenteuer buchen.

00:08:34: es ging da um eine spontane Radtour von Hamburg nach Berlin über Nacht ohne irgendwo zu übernachten, sondern Nacht durchgefahren und eine sehr spontane Entscheidung um mit einem Freund aus Berlin am Brandenburger Tor Frühstücken zu gehen danach in den Zug zu steigen wieder nach Hause zu fahren.

00:08:50: insgesamt keine vierundzwanzig Stunden.

00:08:52: Und für mich so der Kickoff das Schlüsselerlebnis zum Thema Mikroabenteuer.

00:08:58: Und Jonas Gretlein nimmt das dankenswerterweise mit seiner Perspektive noch mal auseinander.

00:09:05: Da gehen wir gleich rein.

00:09:06: Wir gucken uns mal an, wer ist Jonas Gretlein überhaupt?

00:09:10: Was hat der für ein Hintergrund?

00:09:12: und wie sieht dieser Aktion, die ich da gemacht habe, grundsätzlich die Idee des Mikroabenteuers?

00:09:21: Wie sieht der Abenteuer?

00:09:24: Und was können wir von seiner Perspektive auf das Abenteur lernen?

00:09:29: Was kann ich daraus lernen?

00:09:34: Da machen wir gleich weiter, atmen aber einmal kurz tief durch.

00:09:58: Ja wer ist dieser Jonas Grädlein?

00:10:00: Dieser Hund, der es wagt das Mikroabenteuer in Frage zu stellen!

00:10:05: Der sagt dass ist auch alles gar nicht so abenteuerlich wie es da suggeriert wird.

00:10:11: Jonas Grédlein isst ein Altphilologe Ein Professor für griechische Literaturwissenschaft an der Universität Heidelberg.

00:10:22: Ich muss das ablesen, damit es auch korrekt ist und ein international renommierter Gräzist.

00:10:28: Der beschäftigt sich intensiv mit Homer, mit antiken Erzählungen und Geschichtsschreibung aber auch ganz grundsätzlich mit der Frage wie wir Erfahrungen erleben und später in Geschichten verwandeln?

00:10:41: Das ist nicht ganz unwichtig in dem heutigen Zusammenhang!

00:10:46: Also einer, der sich richtig auskennt mit den alten Griechen.

00:10:52: Mit den Mythen und Legenden die die alten Grichen erzählt haben aber nicht nur mit denen der Alten Griechens sondern generell mit diesen alten Heldengeschichten.

00:11:05: also Jonas Gretlein kommt nicht aus der Outdoor oder Expeditionswelt Sondern ernährt sich dem Abenteuer über Literatur Philosophie Erzähltheorie, Homer oder Dessolz Achilles mittelalterliche Abenteuererzählung und die Strukturen, die sich durch all diese Geschichten ziehen.

00:11:27: Die wir seit Jahrhunderten, Jahrtausenden als Abenteurer erzählen.

00:11:32: auf den ersten Blick ist der Kontrast zwischen den klassischen Abenteuerezählungen und dem Mikroabenteuer wie wir es heute verstehen natürlich riesig groß Denn es geht im Mikroabenteuer nicht um Irrfahrten und Schiffbruch.

00:11:47: Es geht nicht um... Ritter, Monster, Götter und den drohenden Untergang der Welt.

00:11:53: für die Protagonisten dieser klassischen Abenteuer war ja nicht die entscheidende Frage ob sie am nächsten Morgen halbwegs ausgeschlafen ins Büro kommen sondern Sie wussten nicht mal ob sie überhaupt zurückkommen.

00:12:06: Es ging da immer um eine Begegnung mit dem Unbekannten, mit dem ungewissenes ging darum sich zu bewähren und tatsächlich auch was aufs Spiel zu setzen.

00:12:18: Beim Mikroabenteuer schlafen wir vielleicht eine Nacht irgendwo draußen, fahren nach Feierabend mit dem Fahrrad los oder machen irgendwas anderes.

00:12:26: Dass sich bewusst in den normalen Alltag integrieren lässt.

00:12:30: und Kretlein spricht davon dass das Abenteuer auf diese Weise demokratisiert worden ist, dass es nicht mehr nur wenigen Helden entdeckern oder besonders wagemutigen Menschen vorbehalten ist sondern das theoretisch jeder ein Abenteuer erleben kann.

00:12:49: Und dieser Gedanke, den finde ich erstmal total gut und wichtig!

00:12:55: Das war-und ist für mich immer ein wichtiger Teil von der Mikroabenteuidee Dass du nicht in Himalaya brauchst, dass du keine drei Monate Zeit brauchst Nicht mal unbedingt Urlaub Sondern das es Abenteurer eben direkt vor deiner Haustür beginnen kann.

00:13:10: Er meint wenn wir das Abenteur so weit verkleinern Problemlos zwischen zwei Arbeitstage passt, was ist das dann für ein Wagnis?

00:13:19: Und an dieser Stelle taucht bei ihm Begriff auf den ich ganz spannend finde und zwar Kontingenz.

00:13:26: Was ist das?

00:13:27: Kontingenz is'n philosophischer Begriff und ich versuch mal den einfach zu erklären Denn die normale Definition muss man erstmal durchdringen.

00:13:37: Also die lautet Das IS etwas also Kontingens was weder notwendig noch unmöglich ist.

00:13:45: Das klingt jetzt erst mal total abgehoben, einfach gesagt es ist so wie's ist aber es könnte auch anders sein.

00:13:54: das bezeichnet also den.

00:13:57: diese Möglichkeit oder den Raum dass etwas auch anders seien kann klingt erstmal relativ banal ist fürs Abenteuer erleben aber ziemlich entscheidend.

00:14:09: Also wenn ich morgens um acht ins Auto steig, dann das Navi anmache und auf einem bekannten Weg zur Arbeit fahre, dann könnte theoretisch natürlich alles mögliche passieren kann es immer aber mein gesamtes Handeln ist darauf ausgerichtet dass möglichst ja genau das passiert was sich geplant habe.

00:14:27: da gibt es nicht viel Raum für das.

00:14:30: wie es auch anders sein könnte.

00:14:32: Ich möchte zu einer bestimmten Uhrzeit, an einem bestimmten Ort ankommen und ich versuche Unsicherheiten Unwegbarkeiten unterwegs und vielleicht auch schon im Vorfeld möglichst gering zu halten.

00:14:43: Beim Abenteuer ist es ja anders.

00:14:46: da mache ich vielleicht auch ein Plan ich brech auf und habe möglicherweise auch ein klares Ziel aber gleichzeitig begebe ich mich freiwillig in eine Situation in der ich nicht vollständig weiß was zwischen Aufbruch und Ankunft geschehen wird Und das ist im Prinzip Kontingenz.

00:15:02: Ich mache einen Plan und lasse der Welt ein Mitspracherecht, das habe ich selbst auch immer als wesentlich für Abenteuer empfunden.

00:15:11: Jetzt gibt es einen Philosophen – Odo Marquardt heißt er – und dessen Unterscheidung von Kontingens greift jetzt der Jonas Gretlein in seinem Essay auf.

00:15:23: So, und der Odo marquardts sagt Es gibt Dinge die anders sein könnten Dinge, die wir selbst verändern können.

00:15:32: Ich kann meine Route ändern ich kann früher losfahren, ich kann rechts statt links abbiegen.

00:15:36: Ich habe mein ursprüngliches Ziel aufgeben und ich kann mir ein neues Ziel suchen Und das ist diese eine Seite der einer Aspekt der Kontingenz Das nennt der Odomarquat Belieblichkeitskontingenz.

00:15:51: Das heißt ich kann beliebig eine Entscheidung treffen irgendwie natürlich dazu führt, dass was anders kommt als wenn ich eine andere Entscheidung getroffen hätte.

00:16:02: Dann gibt es aber noch Dinge die können ebenfalls anders kommen Die kann ich aber gerade nicht kontrollieren.

00:16:07: das ist das Wenn das Wetter kippt wenn der Weg endet wenn mein Rad kaputt geht Wenn meinen Körper nicht mehr mitmacht oder ich irgendjemand begegne den ich überhaupt nicht kenne.

00:16:17: Das nennt mag ward dann Schicksals Kontingenz Auch wenn natürlich nicht jede Begegnung gleich schicksalhaft sein muss.

00:16:27: Es ist ein großer Begriff Belieblichkeitskondigenz und Schicksalskondigenz.

00:16:33: Ich finde das ganz schön diese Unterscheidung, weil es gibt ja immer wenn wir unterwegs sind da draußen zumindest im Abenteuer sind unterwegs sind Situationen in denen wir was machen indem wir handeln Und gleichzeitig aber auch merken, dass eben nicht alles von unserem Handeln abhängt.

00:16:49: Das heißt diese beiden Arten von Kontingenz greifen auch immer ineinander.

00:16:55: Es ist selten so, dass du nur die eine erfährst in einem Abenteuer oder nur die andere.

00:17:01: Wenn wir die Odyssee nehmen, Odysseus hat ja ein ziemlich simples Ziel der will zurück nach Ithaka zu seiner Penelopee.

00:17:08: Nur zwischen diesem Wunsch und seiner Erfüllung liegt ne ganze Welt von Widerständen.

00:17:14: Da kommt der Zyklob, mit dem er sich auseinandersetzen muss.

00:17:17: An den Sirenen muss er vorbei, Stürme, Schiffbruch... Die Götter haben auch was dagegen, dass es so einfach wird für ihn und erst Kräften ausgesetzt über die er selber gar nicht verfügt!

00:17:30: Was aber interessant ist, das Odysseus auch nicht nur Opfer des Schicksals ist, weil er ja nachdenkt.

00:17:38: Er kämpft, er trägst, er Entscheidungen trifft permanent versucht, das Schicksal irgendwie zu beeinflussen.

00:17:47: Trotzdem hat es aber nicht in der Hand und genau aus diesem Wechselspiel entsteht so ein Ring!

00:17:55: Ich will was.

00:17:56: ich stoße auf Widerstand?

00:17:57: Ich versuche es trotzdem muss vielleicht meinen Plan ändern... Ich schalter möglicherweise und dann versuche ich's nochmal und noch mal und noch Mal.

00:18:06: Das ist für die klassischen Abenteuererzählungen und ich glaube tatsächlich auch für das Abenteu her grundsätzlich wichtig.

00:18:16: Das ist mehr als nur Ungewissheit, weil wenn ich eine Münze werfe dann weiß ich ja vorher auch nicht ob zahl oder kopf kommt dass es auch eine ungewiss halt aber habe ich ja noch kein abenteuer erlebt.

00:18:30: also es braucht offenbar noch was anderes Irgendwo hin, ich möchte was erreichen und dabei begegnet mir Widerstand mit dem Ich mich auseinandersetzen muss.

00:18:41: An dem ich mich reiben muss, mit dem ich ringen muss!

00:18:45: Und manchmal auch nicht nur im Außen sondern durchaus auch im Innen.

00:18:51: also auch im Innen begegnen uns ja Widerstände Ängste, Dinge mit denen wir unzufrieden sind.

00:18:57: Vielleicht Unzulänglichkeiten auch was unsere Fähigkeiten betrifft oder unsere Einstellungen wenn wir uns in einem Abenteuer befinden.

00:19:07: Im Innern findet da abhängig vom Außen natürlich oft viel mehr statt als wir manchmal denken.

00:19:13: es geht darum verzicht zu ertragen geduldig zu bleiben und vielleicht auch die eigene Vorstellung von sich selbst aufzugeben, Hilfe annehmen.

00:19:24: All das hat ja mit unserem Inneren zu tun und bei den großen Mythen ist dieses Ringen eben oft existenziell.

00:19:32: da geht es um Leben und Tod Es geht um Schuld und Verantwortung die Frage nach dem richtigen Leben also die richtig richtig großen Themen.

00:19:42: Das lässt sich natürlich nicht eins zu eins auf eine Nacht mit dem Fahrrad irgendwo zwischen Hamburg und Berlin übertragen.

00:19:51: Ich finde auch nicht, dass man das unbedingt versuchen sollte den Overnighter jetzt leicht zu einer persönlichen Odyssey aufzublasen.

00:19:59: Aber die Struktur dahinter, die find ich interessant auch fürs Mikroabenteuer.

00:20:06: Dass da jemand ist der oder die aufbricht was wagt und sich die Dinge anders entwickeln als erwartet dass diese Person auf Widerstand trifft, dass sie reagieren muss auf diesen Widerstand und dass sie zurückkommt schließlich in das gewohnte Umfeld.

00:20:27: Und dass dieser Person sich im besten Fall aber ein kleines bisschen verändert hat, dass er etwas mitgebracht hat von dieser Reise.

00:20:37: Dass sie was erfahren hat, was sie vorher noch nicht wusste über die Welt oder eben über sich selbst.

00:20:47: Vielleicht kann man das reduzieren auf diese drei Begriffe, was sie wagen.

00:20:51: Dann das Ringen um eine Erkenntnis Ring um vielleicht eine neue Version von der Welt oder sich selbst zu ringen und dann zurückzukehren Diese neue version von sich selbst oder dieser erkenntnis die neue Version der Welt, was auch immer.

00:21:11: Also im Prinzip dieses Elixir, das wir mitbringen von einem Abenteuer – im besten Fall!

00:21:18: Das wiederum und das sagt Gerätlein in seinem Essay, dass sehen wir oft erst im Nachhinein.

00:21:26: Und damit wir das sehen können hilft es oft die Geschichte dieser Reise zu erzählen.

00:21:33: Das habe ich ja im Intro gesagt, dass der Jonas Gretlern in seiner wissenschaftlichen Arbeit sich das ganz explizit angeguckt hat... ...dass es da diese zwei Ebenen gibt und das Erzählen der Geschichten nochmal auch so ein Prozess des Verarbeitens und des Herausarbeitens von einer Essenz ist.

00:21:54: Also vielleicht sind's dann sogar vier Begriffe!

00:21:56: Das Wagen, Das zurückkehren und dann das erzählen.

00:22:02: Wenn ich aus dieser Perspektive, aus Gretleins nennen wir es mal so Perspektiven auf das Abenteuer gucke, da muss ich sagen dass sich das eine sehr schöne Perspektiv finde Und eine von der ich gar nicht soweit weg bin.

00:22:18: Im Gegenteil Ich habe mich auch in den letzten Jahren sehr oft dagegen gewährt Dass dieser Abenteurerbegriff Auch der Mikroabenteuer Begriff verwässert wird und das dann gleich irgendwelche Rundtouren im Sauerland, also eine Wanderung vom regionalen Tourismusverband als Mikroabenteuer gelabelt und verkauft wird.

00:22:42: Da habe ich ganz oft auch dagegen gesprochen und gesagt ne lass uns doch mal schauen dass ein Mikro-Abenteuer wirklich das beinhaltet was einen Abenteuer ausmacht.

00:22:51: aber worum es jetzt hier dem Gretlein in seinem Essay geht Das ist ja nochmal so eine andere Ebene, auf die es sich auch lohnt zu gucken.

00:23:01: Noch mal anders formuliert ich glaube das der Jonas Gretlein für sich den falschen Schluss aus seiner Perspektive zieht für das Mikroabenteuer.

00:23:12: denn er verbindet ja im Prinzip zwei Dinge, die ich so nicht miteinander verbinden würde und zwar klein und kontrolliert

00:23:19: d.h.,

00:23:20: dass ein kleines Abenteuer immer automatisch auch ein kontrolliertes Abenteurer ist Und dem würde ich widersprechen.

00:23:28: oder ich würde sagen, da hat er vielleicht die Idee des Mikro-Armenteuers.

00:23:34: nicht richtig verstanden oder vielleicht auch einfach sich nicht ausreichend intensiv damit auseinander gesetzt.

00:23:42: Wir haben jetzt zum Beispiel nicht uns darüber unterhalten und in der Öffentlichkeit kommen Dinge auch noch mal oft anders rüber, wenn man nur dann irgendwo was liest, dann hat man selber ein Bild davon und durchdringt vielleicht gar nicht das, was derjenige, der es gesagt oder geschrieben hat da mit sagen wollte.

00:23:59: Insofern ist das an dieser Stelle gar kein Vorwurf Aber ich glaube, das ist ein Fehler des Klein- und Kontrolliert so eng miteinander zu verbinden.

00:24:08: Was bedeutet das aber jetzt für mich?

00:24:11: Und für dich also für uns die wir vielleicht einen Mikroabenteuer erleben wollen?

00:24:16: Ich glaube dass wir durchaus hinterfragen können und sollten Wie sehr ist das wirklich ein Abenteuer, was ich da mache?

00:24:26: Und dann sind wir bei der Frage die ich ganz zum Anfang dieser Folge gestellt habe.

00:24:29: Wenn ich schon zehn mal losgezogen bin in den Wald von meiner Haustür um dann eine Nacht draußen zu verbringen wie viel Abenteurer ist das denn wirklich noch?

00:24:37: womit ringe Ich in diesem Abenteuern?

00:24:40: Was wage ich in diesem abenteuer?

00:24:43: und diese frage Ist nicht rhetorisch gemeint Denn es kann für mich bedeuten dass sich feststelle na Nee, ist eigentlich gar kein Abenteuer für mich.

00:24:52: Es kann aber für jemand anderen natürlich ein großes Abenteuern sein, denn ich kenne genau dieses Gefühl du stehst irgendwo im Wald... es wird dunkel!

00:25:03: Du hast dir vorgenommen die Nacht dazu verbringen, du hast aber noch keinen richtigen Platz, du weißt nicht ob dich vielleicht jemand gesehen hat und dir ist das irgendwie unangenehm, du weißt nicht welche Tiere da möglicherweise auftauchen und dich aufsuchen nachts.

00:25:21: Du hast da Ängste oder Sorgen und musst jetzt mit diesen Ängsten und Sorgen irgendwie umgehen!

00:25:29: Wenn es ein richtiges Abenteuer ist dann tust du das, dann gehst du nicht nach Hause und sagst ich breche das jetzt hier ab und ich leg mich doch wieder zuhause ins Bett sondern du versuchst da durchzugehen.

00:25:42: sehr, sehr wohl ein echtes Ringen sein.

00:25:45: Mit den eigenen Ängsten mit den Umständen vielleicht ist sogar das Wetter auch noch schlecht.

00:25:51: Das muss aber nicht für jede Person so sein.

00:25:54: Eine Person die das schon sehr oft erlebt hat Ich würde mich mal dazu zählen zu diesem Personenkreis.

00:26:01: Für sie ist es dann vielleicht kein Abenteuer mehr.

00:26:06: Und da denke ich wieder an meine eigene Erfahrung Ein Abenteurer sich an die Straße zu stellen irgendwo und in dem Wissen, dass man da sehr ungenügend mit Talent gesegnet ist.

00:26:21: Und auch mit Können die Ukulele in die Hand zu nehmen und irgendwie zu singen vor Menschen Das ist auch ein Ringen gewesen.

00:26:30: Ich habe das ja gemacht im letzten Jahr im Rahmen dieser Try Day Reihe, wo ich immer einmal in der Woche an einem Tag etwas gemacht hab was ich noch nie gemacht habe und wofür ich so über meinen Schatten springen musste.

00:26:43: Und das gehörte eben dazu mich da hinzustellen hier in Hamburg und was auf der Ukulele zu spielen und zu singen kann im Prinzip eine Art Abenteuer sein.

00:26:55: Vielleicht war es ein größeres Abenteurer, als wenn ich jetzt eine Nacht irgendwo im Wald verbracht hätte oder an diesem Tag einem Flusslauf gefolgt wäre zu Fuß.

00:27:09: das hätte mich vielleicht weniger ringen lassen.

00:27:12: insofern an dieser Stelle der Appell doch wirklich mal des eigene Unternehmen die eigene Situation, die eigenen Vorhaben.

00:27:22: Die eigenen Wünsche vielleicht die Sehnsüchte oder das was man gerne machen möchte mal zu betrachten im Licht der großen Heldengeschichten Im licht des Ringens um eine Essenz um ein Elixier dass ich mit nach Hause bringe und dann vielleicht auch anderen Menschen davon zu erzählen Was Ich da erlebt habe wobei es mehr ein nicht was ich gemacht habe sein sollte, sondern ein Was hat diese Erfahrung mit mir gemacht?

00:28:00: Was hab' Ich gelernt.

00:28:01: Welche Erkenntnis habe ich gewonnen?

00:28:04: und dafür also wieder beim Jonas Gretlein ist es eben sehr hilfreich wirklich zu erzählen von solchen Erfahrungen Nicht im Protokollstil, sondern vielleicht eher im Stile eines Homer oder eines der großen Philosophen.

00:28:23: Nein das muss natürlich nicht sein aber ich glaube du weißt was ich sagen möchte.

00:28:29: damit und jetzt kommen wir zu den Achtundvierzig Stunden Was könntest Du innerhalb der nächsten Achtunvierzigt stunden tun?

00:28:38: Was genau darauf einzahlt?

00:28:41: ein Kleines Abenteuer, was nicht nur die harmlose Simulation eines echten Abenteuers ist sondern der Versuch, die Struktur des großen Abenteurs.

00:28:54: Der großen Helgengeschichten in kleineren zeitlichen und räumlichen Rahmen zu übersetzen.

00:29:00: Was du dafür brauchst es auf jeden Fall echte Ungewissheit Kontingenz Kontrolle abgeben den Mutentscheidungen zu treffen Und ein ehrlicher Blick darauf was so etwas wäre, was dich wirklich mit etwas vielleicht mit dir selbst ringen lassen würde.

00:29:20: Eine hilfreiche Frage ist eine die ich auch hier des öfteren im Podcast schon gestellt habe und zwar wo ist deine Angst?

00:29:28: Was macht Dich unruhig?

00:29:31: Da mal hin zu gucken!

00:29:32: Wo die Angst ist da geht es lang.

00:29:35: übrigens ist auch die Idee der Vision Suche über viele Jahrhunderte, Jahrtausende immer gefüllt gewesen und es ist in vielen Kulturen ja heute auch noch mit diesem Ringen dem Ringen um eine neue Vision für das was kommt.

00:29:58: Und auch einer Begegnung mit den eigenen Ängsten.

00:30:03: welche Version von mir selbst entdecke ich wenn ich hinter meine Ängste gucke, was ist da noch?

00:30:11: Möglicherweise findest du das in der Natur.

00:30:14: Die Natur ist so ein hervorragender Raum, eine hervoragende Partnerin mit der gemeinsam wir Erkenntnisse gewinnen können.

00:30:22: Vielleicht ist es aber auch überhaupt kein Outdoor-Abenteuer.

00:30:25: vielleicht ist es etwas ganz anderes, etwas anderes dem du dich stellen und mit dem du ringen möchtest.

00:30:32: innerhalb den nächsten mal so als Zeitrahmen, um wirklich auch die Frage zu antworten bin ich denn wirklich jetzt eine Abenteuerin oder ein Abenteurer?

00:30:45: Oder erzähle ich das immer nur.

00:30:48: Oder denke ich dass immer nur von mir selbst ist das mein Selbstbild.

00:30:52: aber wenn ich immer nur davon rede oder mir selbst das einrede Aber da immer irgendwas gerade isst weswegen ich dann doch nicht ins Abenteur aufbrechen kann Bin ich es vielleicht gar nicht.

00:31:07: Ein echtes Abenteuer.

00:31:10: Mach ruhig im Plan, aber lasst der Welten Mitsprache recht!

00:31:14: Wenn die tatsächlich eine andere Idee hat dann versuch nicht sofort jede Reibung aus dem Weg zu räumen.

00:31:21: Vielleicht musst du improvisieren, vielleicht musst du umkehren.

00:31:24: Vielleicht muss du über dich selber lachen.

00:31:25: Vielleicht findest du was wo du noch gar nicht gesucht hast ist mir auch schon oft passiert.

00:31:30: und ja vielleicht hast du hinterher ne Geschichte zu erzählen.

00:31:33: Sieht das mal?

00:31:34: Nicht als To-do, dass es so abzuhaken gilt.

00:31:37: Sondern als Einladung diese achtundvierzig Stunden weil wer nichts wagt der wächst auch nicht oder die wächst Auch nicht.

00:31:46: danke fürs zuhören.

00:31:47: wenn du Lust hast dann Nächsten Dienstag.

00:31:50: Neue Folge frei raus und am Sonntag kommt der Newsletter, der diesen Podcast begleitet!

00:31:57: Wenn du ihn abonniert hast auch in deinem Postfach geflattert.

00:32:00: wenn du ihn noch nicht abonniert haben solltest dann kannst sie natürlich abonnieren unter christoferster.com.

00:32:08: Da findest Du immer weiterführende Infos und Links zu den Themen aus dem Podcast aber auch Darüber hinaus, ich packe auf jeden Fall diese Woche mal das Buch rein.

00:32:19: In dem dieser Essay auch zu finden ist, dieses Buch vom Philosophikum Lech über das Abenteuer sind noch ein paar andere ganz interessante Beiträge drin.

00:32:31: bis wir voneinander lesen oder ich in deinem Ohr lande wünsche ich dir eine gute Zeit.

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