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Christian Reichel – indigenes Wissen, Mikroabenteuer und ehrlicher Naturschutz

Shownotes

// Christian Reichel ist Ethnologe, Geograph und koordiniert nach vielen Stationen in der Wissenschaft mit intensiven Forschungsreisen in entlegene Gebiete mittlerweile Naturschutzprojekte für die Zoologische Gesellschaft in Frankfurt. Über die Jahre hat er die Erfahrung gemacht, dass theoretisches Wissen allein nicht viel hilft, wenn es um den Schutz unserer Natur geht – es sind kleine Momente, mit allen Sinnen wahrgenommene Nuancen, die Erlebtes emotional verankern und damit wertvolles Praxiswissen entstehen lassen. In dieser Folge spreche ich mit Christian über indigene Völker, über lokales Wissen im deutschsprachigen Raum und unsere Verbindung zur Natur. Christian hat eine Menge interessanter Hintergrundinfos und Anekdoten aus der ganzen Welt im Gepäck. Von tauchenden Kindern in Indonesien über Bergbauern in den Alpen bis zu den Freunden aus Potsdam, die für eine Vorgarten-Kettenreaktion sorgen. Vom Tourengehen über das Kajakfahren bis zum Klettern auf Bäume.

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// Outro-Song: Dull Hues by Lull (audiio.com)

Transkript anzeigen

00:00:00: Also wenn ich bergsteigen gehe oder ich ehe gerne auch an körperliche Grenzen.

00:00:04: Und das kombiniere ich dann mit dem Rausgehen und mit dem Naturwahnleben, dass es auch sehr, sehr produktiv sein kann weil ich ja nicht selber dann erlebe mit all meinen Sinnen und an Grenzen gehe.

00:00:17: Das kann was Unwahrscheinliches Bewusstsein Erweitern des Seilen.

00:00:21: Die Fischer die da gelebt haben, die haben auf der einen Seite sich ein Stern orientiert und auf der anderen Seite aber mit ihrem Smartphone navigiert.

00:00:30: Also haben auch Google Maps benutzt und das war aber kein Gegensatz, dass man einfach Gedanken wie so Wolken immer weiterfliegen.

00:00:38: Das kriege ich gut beim Laufen hin.

00:00:40: Dadurch habe ich wahrscheinlich durch diesen Zustand eine bestimmte Form die Umgebung wahrnehme und vielleicht auch auf Dinge aufmerksam werde.

00:00:48: Und dann ist der Regen, der dann kommt nicht so schlimm oder man erdet sich noch mal anders.

00:01:09: Herzlich willkommen bei Freiraust im Podcast für mehr Freiheit und Abenteuer in unserem Leben.

00:01:15: Ich bin Christoph Förster und habe heute eine Folge für dich, in der es um die Verbindung vom Menschen zur Natur und anders herum geht also um die Beziehung ,die wir zu unserer Natur haben, die wir möglicherweise haben sollten, die vielleicht mal hatten von der es sich lohnt, dass wir sie wieder intensivieren.

00:01:40: Ich spreche über dieses Thema mit Christian Reichel, mit Dr.

00:01:45: Christian Reichl.

00:01:46: Christian beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Beziehung zwischen Mensch und Natur – und zwar aus ganz unterschiedlichen Perspektiven.

00:01:53: Christian ist ethnologe, Christian ist geograf, Christian arbeitet aktuell für die zoologische Gesellschaft Frankfurt und zwar als Global Social Safeguard Coordinator.

00:02:10: Was das ist, das wirst du natürlich in dieser Folge erfahren!

00:02:14: Bei dem was er heute tut und auch in der Vergangenheit stand für ihn vor allem lokales Wissen im Fokus.

00:02:20: Das heißt dass was die Menschen vor Ort das ist ja ein unglaublicher Schatz, der oft über Jahrzehnte, Jahrhunderte teilweise Jahrtausende angesammelt wurde und weitergegeben wurde.

00:02:37: Wie lässt sich dieses Wissen nutzen um die Natur vor Ort zu schützen?

00:02:41: Aber was können auch wir davon lernen?

00:02:44: Inwiefern sind auch wir da, wo wir leben?

00:02:46: Hüter von lokalem Wissen.

00:02:48: Und wie können wir durch Naturerfahrung, durch Abenteuer in der Natur, durch auch Herausforderungen die wir in der natur suchen neues Wissen über die Natur und uns erlangen?

00:02:59: das klingt jetzt möglicherweise erstmal etwas abstrakt.

00:03:03: Wir versuchen aber in der heutigen Folge in unserem Gespräch auch in die Praxis zu bringen und das verständlich zu machen, was das wirklich für uns bedeuten kann.

00:03:14: Christian ist selbst viel in der Natur unterwegs, Christian steigt gerne auf Berge, Christian paddelt über Flüsse, Christian entdeckt liebend gerne.

00:03:23: Obwohl er dort angestellt ist, ist Christian in dieser Folge nicht als offizieller Vertreter oder Botschafter der zoologischen Gesellschaft Frankfurt zu Gast sondern als Privatperson und bringt all das in dieses Gespräch ein, was ihm in seinem Leben begegnet ist.

00:03:37: Ich will gar nicht den Versuch unternehmen dieses Gespräch weiter zusammenzufassen.

00:03:41: Das ist nämlich sehr schwer, weil so viel drin steckt.

00:03:44: ich bin mir aber sehr sicher das einiges für dich drinsteckt vor allem vieles was deinen Kopf noch mal ins Rattern bringen kann Was neue Gedanken initiieren kann die dann im besten Fall natürlich zur handlung führen die Für Dich und vielleicht auch für andere was verändern.

00:04:02: ich wünsche dir viel freude mit dem gespräch.

00:04:04: bevor es beginnt Atmen wir noch einmal kurz tief durch.

00:04:28: Christian, herzlich willkommen!

00:04:30: Ja danke für die Einladung.

00:04:32: Herzlich Willkommen in Hamburg.

00:04:33: du bist aus Berlin?

00:04:35: An Greis aufs Potsdam Richtung... Potsam oder Berlin wo?

00:04:37: Aus

00:04:37: Potsdamm.

00:04:38: Aus Portsdamm ist ja ein feiner Unterschied.

00:04:40: Genau.

00:04:41: Weiß ich aber trotzdem ungefähr durch welche Landschaft du gefahren bist?

00:04:46: heute mit der Bahn.

00:04:47: Wie geht das dir wenn du so durch die Lande fährst bisher auch öfter mit dem Zug unterwegs durch Deutschland Und durch Landschaften?

00:04:55: ja kommst, wie nimmst du so Landschaft war?

00:04:58: Du hast da eine ganz besondere Perspektive.

00:05:02: Ja, sehr unterschiedlich!

00:05:03: Es gibt natürlich Landschaft die eine hohe Biodiversität haben, eine hohen kleine Räumigkeit wo es Wälder, Felder... Diversität gibt, die nämlich als sehr schön war.

00:05:14: Da gibt es ein paar Spots auch zwischen Berlin und Frankfurt, die ich sehr schön finde.

00:05:20: Man ist natürlich wenn man in sehr schönen Landschaften unterwegs war und das war ich auch in vielen Biodiversitäts-Hotspots weltweit dann wird man natürlich auch so bisschen spoilt würde ich mal sagen also man geht dann durch einen Verletzungs im Taunus mit meinen Eltern und dachte ja alles eine Monokultur und gar nicht mehr dieser magische Wald der erstmal wahr als ich Kind war.

00:05:40: aber Ich glaube, die Kunst ist natürlich auch immer das Schöne im Alltag zu sehen und in der Nähe zu sehen.

00:05:47: Und da gibt es viel mehr Schönes als man so glauben

00:05:49: mag.

00:05:50: Du bist ja auch jemand, der dann nicht nur nach dem Schönen guckt sondern eben auch nach dem Interessanten.

00:05:56: Also was macht dann so eine Landschaft aus?

00:05:59: Wie ist sie geprägt?

00:06:00: Wer hat Sie geprägt?

00:06:01: Das sind die Akteure vor Ort.

00:06:07: Selbst immer, wenn ich irgendwo zu Gast bin und ein Interview gebe.

00:06:10: Und jemand sagt, stell dich mal vor, das finde ich ganz schrecklich.

00:06:14: Das ist auch die Aufgabe desjenigen oder derjenigen, die dann moderiert sich selbst vorzustellen.

00:06:21: Es ist schwierig bei dir so komplex dass ich doch etwas auf deine Hilfe angewiesen bin was du genau machst oder wie die Bezeichnung genau ist dessen was du tust.

00:06:32: Ich bin in meiner jetzigen Position, bin ich sogenannte Global Social Safeguard Coordinator für die Zoologischer Gesellschaft Frankfurt.

00:06:39: das ist eine internationale Naturschutzorganisation.

00:06:43: wir haben uns auf den Schutz von Wildnisregionen konzentriert.

00:06:47: aber die ZGF folgt auch dem Ansatz dass man sagt diese Wildnis-Region und diesen Naturpark sind auch immer eingebettet in größere Landschaften da wo Menschen einfach leben und das sind natürlich auch, wo es um soziale politische ökonomische Dynamiken geht usw.

00:07:04: Und dass ist so ein bisschen mein Job, dass ich jetzt darauf achte, dass wir in dieser Einbettung oder die Landschaft das Beste eigentlich für die Menschen rausholen mit dem wir kooperieren, mit denen wir zusammenarbeiten, dass das Naturschutz keine ungewollten Nebenfolgen produziert.

00:07:19: aber nicht nur das sondern dass wir möglichst versuchen auch Win-Win Situationen zu erzeugen für die.

00:07:25: Das heißt also Kapazitätsaufbau, dass man schaut wie kann man Allianzen knüpfen.

00:07:30: Wie kann man sehr viel mit Indigenen und lokalen Gruppen zusammenarbeiten usw.

00:07:35: Vorher habe ich sehr lange als Wissenschaftler gearbeitet und als Berater auch im internationalen Naturschutz dann eine Zeit lang in der Klimafolgenforschung war ich lang unterwegs.

00:07:46: Ich waren drei verschiedenen Leibniz-Instituten tätig immer ein sehr starker Fokus auf Biodiversitätsverlust und Klimawandel und habe das Thema so sehr multiperspektivisch eigentlich erkundet.

00:07:59: Also sowohl von politischer Seite, ich hab beim FFU gearbeitet, beim Forschungszentrum für Nachhaltigkeit an der Freien Universität Berlin.

00:08:08: Ich hab am Leibniz-Institut für Marine Truppenforschung gearbeitet mit Meeresbiologen zusammen zuletzt dann vor meinem jetzigen Job bei dem Museum für Naturkunde Berlin.

00:08:19: Das ist auch total spannend, weil das dann Sozial- und Kulturwissenschaftlerinnen waren mit denen ich gearbeitet habe.

00:08:24: Und immer so dieses große Thema Mensch-, Umwelt-, Klimawandel-, Biodiversitätsverlust – was können wir tun?

00:08:34: Was können wir machen?

00:08:36: Ja, jetzt in der jetzigen Position Naturschutz ist es großartig, weil man halt tatsächlich ins Tun kommt!

00:08:42: und macht

00:08:43: Aufbruch.

00:08:44: Was ich besonders spannend finde an dir, neben dem was du machst und das ist auch der Grund, warum wir zusammensitzen, dass es dir sehr wichtig ist zu schauen wo ist der Mensch dabei?

00:08:57: Und was bedeutet Naturschutz wirklich wenn er gelebt ist und auch in unserer Beziehung also beziehungsweise Menschen mit der Natur?

00:09:09: Und Naturschutz nicht als was so abstraktes theoretisches zu sehen, wo man jetzt nur Informationen weiter gibt oder Wissen erlangt.

00:09:18: Sondern ja das ist wirklich da zu einer Wiederauffrischung oder überhaupt erst mal Herstellung der Beziehungen kommt zwischen den Menschen und der Natur und wie wir das schaffen können?

00:09:31: Das finde ich total interessant!

00:09:33: Weil ich das für mich immer wieder auch erfahre, dass diese Beziehung so wichtig ist und einem so viel geben kann.

00:09:40: Jetzt mal unabhängig von ... Also wenn ich da draußen in der Natur bin, dann ist ja gar nicht mir in dem Moment das Allerwichtigste, dass jetzt ich international irgendwie für den Klimawandel grade was tue?

00:09:52: Sondern da ist dieser Moment für mich entscheidend und diese Verbindung die da gerade ist und das, was ich erlebe.

00:09:58: Ist ja schon auch etwas.

00:10:00: Womit du dich beschäftigst, deine Arbeit?

00:10:02: Was damit rein spielt.

00:10:04: Ja schon!

00:10:06: Also wir arbeiten ja sehr viel mit lokalen Bevölkerungsgruppen und natürlich ist es häufig so dass wenn Menschen in ihrer Lebensweise und ihre Art der Ressourcennutzung sehr direkt von ihrer Umwelt abhängig sind das dann auch sich gewisse Kulturen entwickeln, dass man gerade bei indigenen Gruppen natürlich gewisse Kosmologien zum Teil hat vielleicht auch Natur, nicht so nach unserem westlichen Verständnis her.

00:10:32: Was ja auch durch eine bestimmte Historie entstanden ist als Objekt sieht und diese Trennung zwischen Natur- und Kultur nicht so existiert sondern dass man Natur als Relationalen Raum sieht.

00:10:43: das

00:10:44: Was heißt das?

00:10:45: Genau.

00:10:45: Ich werde jetzt wahrscheinlich im heutigen Gespräch immer mal wieder nachfragen, weil du mit so Wissenschaftsbegriffen kommst, die manchmal schwer greifbar sind für diejenigen, die den Hintergrund nicht haben!

00:10:57: Okay

00:10:58: ich muss... Das stimmt schon da, man wirft ja sehr schnell mit so Konzepten auch um sich und muss sie natürlich auch ein bisschen erden.

00:11:06: also es ist so dass es außer europäische gesellschaften gibt die aufgrund ihrer historie und aufgrund der lebensweise tradierter weise schon über ein anderes naturverständnis verfügen als behaupten die meisten menschen aus der westlichen welt kommen.

00:11:25: aber jetzt kommt die große präambel naturwissen und naturwahrnehmung ist ja nichts statisches.

00:11:30: das heißt also auch bei den sogenannten indigen gruppen was auch sehr verallgemeiner, pauschalisierender Begriff ist.

00:11:38: Den politischen Begriff.

00:11:40: auch.

00:11:40: bei bestimmten Bevölkerungsgruppen ist es so, dass natürlich dieses Wissen sich verändert und das wir in der globalisierten Welt leben wo auch dieses tradierte Erfahrungswissen im ständigen Fluss ist also auch im hintersten Amazonas Becken hast du dann auch Menschen die halt ein Smartphone haben und auf einmal das natürlich auch die Naturbeinehmung prägt.

00:12:03: Und genauso ist es natürlich auch in der Welt, in der wir leben.

00:12:07: Dass man das nicht ins Amazonas reisen muss und sagt, wir leben jetzt, wir gucken nach der ursprünglichen Naturwarnliebung, sondern man kann selber vielleicht mal genauer hingucken versuchen, natursensibler wahrzunehmen und daraus dann eine gewisse Haltung zu entwickeln oder auch eine gewissen Praktiken zu haben.

00:12:26: Also dass mir einfach sensibler Dinge tun.

00:12:30: Relational ... Insofern es gibt einfach Gesellschaften, die in ihrer Tradition her stärker das Bewusstsein haben, dass jede Pflanze jedes Tier einen eigenen Lebensraum schafft.

00:12:44: Was wiederum die Grundlage von anderes Lebewesen ist.

00:12:48: Das heißt dieses Netz des Lebens was in der Ökologie auch sehr stark aufgegriffen wird und diese Vorstellung steht häufig sehr fundamental diametral zu dem was sich in der westlichen Welt hat mit der Zeit halt so entwickelt hat, dass man gesagt hat, wir haben in der Zeit ... als die Naturwissenschaften halt groß wohnen.

00:13:08: In Europa da gab es halt ... hat sich dieses Orientierungs-Wissen zunehmend verändert und es gibt halt ein viel stärkeres Verfügungs-Wissens.

00:13:15: Das heißt also auf der einen Seite haben wir natürlich Naturmann weiter zersplittert Wir haben Techniken entwickelt wie wir Dinge verstehen können usw.

00:13:23: Gleichzeitig ist aber dieser ganzheitliche Ansatz so ein bisschen verloren gegangen.

00:13:28: Ich glaube das ist sehr wichtig ... dem bewusst auch wieder was entgegensetzt.

00:13:34: Und da kommen wir zum Rausgehen und selber erleben... ...und auf Emotionen vertrauen, dass man das vielleicht nutzt,... ...um wieder so einen emotionalen Naturzugang zu schulen?

00:13:48: Das ist ja insofern... Auch eine Herausforderung, als dass die meisten von uns heute ja gar nicht mehr in so einem engen... auch Abhängigkeitsverhältnis der Natur leben zumindest vordergründig.

00:14:01: Was jetzt einen Beruf zum Beispiel angeht?

00:14:04: Wir sind natürlich alle abhängig von der Natur und davon das der Natur gut geht.

00:14:09: Aber wenn ich mir jetzt vorstelle einer Indigengruppe da ist der Bezug natürlich viel mehr da weil mit der Natur gearbeitet wird gelebt wird, ja also direkt.

00:14:22: Und die Tomate nicht aus dem Supermarkt kommt und irgendwo von ganz weit weg sondern eben direkt dort angebaut wird wo ich sie dann auch ernte.

00:14:33: und ein paar Meter weiter verarbeite ich sie und kann sie dann essen.

00:14:37: Kann uns das überhaupt gelingen wenn wir das nicht mehr so haben?

00:14:42: Also wenn wir Büro-Menschen sind, wenn wir nicht Landwirte oder Hirten sind, wo diese direkte Abhängigkeit da ist Und wenn ja, wie?

00:14:51: Also was braucht es dafür?

00:14:54: Ich glaube in erster Linie braucht's dafür eine Einstellung.

00:14:58: Den Mut zu haben einfach rauszugehen, Dinge auszuprobieren sich selber Elementen auszusetzen und wachsam hinzugucken Das braucht es eigentlich dafür.

00:15:11: Und das braucht vermutlich auch in unserer ganzen schnellen Alltagswelt, in der wir alle eingebunden sind Rituale.

00:15:17: Mit Rituaale meine ich einfach dass wir uns bewusste Zeitfenster frei halten, freischaufeln wo wir sagen ja Moment!

00:15:25: Ich gehe jetzt mal in den nächsten Wald spazieren und ich höre jetzt mal ganz genau hin was gibt's da für Vögel?

00:15:30: Was gibt's hier für Tiere?

00:15:32: Was löst es mir aus?

00:15:33: Also dieses Bewusste wahrnehmen der natürlichen umwelt ich glaube das ist das kann man schon trainieren.

00:15:41: Das Schöne ist dass wenn man es bewusst macht diese gefühle die entstehen auch emotionen triggern können und diese emotion wiederum wenn sie mit wissen verknüpft werden, eine sehr starke bedeutung bekommen.

00:15:52: Auch über das ich sage mal den fitness effekt hinaus oder das muss einmal kurz durchpusten weil's glaub ich dann tiefer sagt oder und dann doch wieder mehr Bedeutung bekommt für einen selbst und etwas wird, was dann doch für das Leben einfach wichtig ist.

00:16:13: Für das eigene Wohlergehen.

00:16:16: Und ja wahrscheinlich doch so etwas entsteht wie eine direktere Abhängigkeit oder Verbindung einfach.

00:16:24: Ja also interessanterweise wenn du fitness ist vielleicht der falsche Begriff ich würde sagen aber er würde trotzdem behaupten dass wenn Sport mache mit der Natur also wenn ich bergsteigen gehe oder ich gehe setz mich gerne auch an körperliche Grenzen.

00:16:41: Und das kombiniere ich dann mit dem rausgehen und mit dem natur wahrnehmen dass es auch sehr sehr produktiv sein kann weil ich ja nicht selber dann erlebe mit all meinen sinnen und ein grenzen gehe und das kann was unwahrscheinliches Bewusstsein erweitern das sein.

00:16:58: Man kennt es ja vielleicht, wenn man viel laufen geht und du kommst dann irgendwann in so ein Flow rein ... Und wenn du die Chance hast im Wald zu laufen oder dieses Flow-Gefühl im Wald, dann nimmst du diesen Wald auf einmal ganz anders wahr?

00:17:09: Oder ich kenne's vom Bergsteigen, dass du, wenn du auf einmal mit Elementen konfrontiert bist und sensibel dich verhalten musst, kommen aus einer Familie, meine Eltern haben mich immer als Kind auf irgendwelche Bergspitzen gezerrt und da hat sehr viele Shituren gemacht in meinem Leben... Da hab' ich das auch so mitbekommen!

00:17:26: irgendwie und das hat mich, glaube ich schon sehr stark geprägt.

00:17:29: Kannst du dich da an Momente erinnern?

00:17:31: An besondere besonders prägende Momente?

00:17:34: Ich weiß noch dass wir waren mal früher wirklich in Hütten unterwegs der Schweiz und dann ist ja sowohl die Prämisse, dass man wirklich wenig Gepäck mit nimmt weil du es alles hoch schleppen musst und dann teilweise auch so durch Quährungen machst mehrere Tage lang ... immer diese Dinge mit dir rumträgst.

00:17:52: Und meine Eltern haben gesagt, ja du musst es auch selber tragen... ... als ich noch relativ jung war.

00:17:56: Da war vielleicht zehn oder so und habe schon Viehtouren gemacht.

00:18:00: Ich weiß doch dass ich dann als kleine Junge dann auch einen... ... Kassettenrekorder unbedingt mitnehmen wollte.

00:18:06: Hab da diesen Kassettenrekorder auf eine Hütte geschleppt?

00:18:09: Also das war erstmal so ein Moment wo ich halt in eine skurrile Situation gekommen bin aber dann dieses Erhebende glaube ich auch kam, dass meine Eltern mich dann irgendwann auch ziehen lassen haben.

00:18:21: Und dann bin ich selber auch mal vorgegangen und hab dann auf so eine Scharte gekommen und das war schön als junger Mensch.

00:18:30: Das auf einmal zu merken, dass einem vertraut wird, dass man jetzt keinen Mist baut und sich selber dem auf einmal aussetzt.

00:18:40: Später im Leben hatte ich ja diverse Momente, wo man so ... Denkt Wahnsinn, wie schön ist das denn hier?

00:18:47: Also ich rimme mich noch in die Anhalturchquerung der Mongolei.

00:18:51: Wo man immer nur diese Ferne und diesen Himmel sieht und denkt so wow es ist schön!

00:18:57: Und dann war ich mit Freunden auf dem Berg und auf einmal haben wir runtergeguckt und haben aufs Gras unter uns geguckt und dann gemerkt okay da gibt's ja auch ganz viele Insekten und Gräser und Kräuter und was weiß ich.

00:19:08: also das war auch so ein Moment wo man auf einmal diese Weite hat unter einem dann so geerdelt wird, was so unter den eigenen Füßen sind.

00:19:15: Das war auch ein Moment, den ich bis jetzt noch weiß und den ich ganz genau beschreiben kann.

00:19:20: Und auch dieses Gefühl noch weiß, wie sich das angefühlt hat.

00:19:23: Ja, das überkommt ja manchmal einfach so.

00:19:26: Ich glaube, das kennen wir alle diese Momente in der Natur wo du denkst wow!

00:19:31: Wie heißt es im Englischen?

00:19:32: Oh, das A-We geschrieben.

00:19:36: Oh, dieses airfurchtige demütige wo du denkt wow!

00:19:39: Jetzt bin ich hier Einerseits ganz klein, aber trotzdem ja Teil davon.

00:19:46: Ich will gerne mit dir noch mal draufkommen, wenn du auch schon gesagt hast, dass gerade bei diesen Naturschutzprojekten oder dem Blick auf die Natur ist auch immer Interessantes zu schauen ... Auf die Locals, auf die Menschen, die da vor Ort leben.

00:20:01: Weil das deren Heimat sozusagen ist und die schützenswert ist und da eine besondere Beziehung entsteht oder besteht.

00:20:09: Hast du so was auch?

00:20:11: Also so ein lokales Territorium, wo du sagst das ist mir besonders wichtig.

00:20:17: Ich war durch meine Forschung in bestimmten Orten zu denen ich sehr emotionale Bindungen habe und da ist zum Beispiel ein ganz wesentliches Hochgebirgstal des sogenannte Safienthal in der Schweiz.

00:20:29: Da hab' ich fast eineinhalb Jahre verbracht für eine ethnografische Forschung über lokales Umweltwissen zum Biodiversitätserhalt und zur Klimawandeladaption.

00:20:41: Ja, da war ich im Sommer wie im Winter.

00:20:42: Da war ich überregen, wie im Schnee oder im größten Sonnenschein auf irgendwelchen Wiesen und Bergspitzen und keine Ahnung.

00:20:48: Und ja das hat zunehmend eine ganz besondere Bindung und hab natürlich auch zu den... also nicht nur der Landschaft sondern auch viele Freundschaften geklüpft.

00:20:58: Und die Alpen ja auch ne Historie schon für dich, wie du gerade erzählt hast?

00:21:01: Das ist schon als Kind in den Alpen unterwegs warst.

00:21:06: Ein

00:21:06: Lebensraum, der dich schon länger

00:21:09: Ja,

00:21:10: trägt.

00:21:14: Die Alpen sind unwahrscheinlich vielseitig und wunderschön und viele die an die Alpen denken, denken gerne an große Tourismus-Hotspots.

00:21:22: aber das ist ja nur ein ganz kleiner Teil davon.

00:21:24: Und manchmal denke ich auch, große Touristenhotspott sind es auch manchmal ganz gut weil er sich nämlich das dann zentriert Und wenn man dann ins Nachbarthal geht, ein paar Kilometer weiter ist man auf einmal in einer ganz anderen Umwelt.

00:21:36: Ja über die Alpen kam ich eigentlich ... das stimmt schon, wenn du so sagst ja da kam ich...

00:21:41: Was hast du denn gemacht in der Schweiz?

00:21:42: Das ist eine wissenschaftliche Forschung gewesen.

00:21:44: war es eineinhalb Jahre in der schweiz.

00:21:46: wie hat diese Forschung ausgesehen?

00:21:48: Ja also ich war Teil von einem transdisziplinären wissenschaftlichen Projekt wo die TU München, die Äpo Berlin ... dass die Schweizer eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.

00:22:01: Ich hoffe ich habe es richtig auf die Kette bekommen!

00:22:02: Das ist ein ganz komplexer Begriff.

00:22:05: Da jedenfalls Schweizer Institut haben auch mitgemacht... ...und wir haben alle als Verbund des Thema Naturgefahren- und Klimawandel erforscht.

00:22:13: Und mein spezifisches Teilgebiet war lokales Umweltwissen zu erfragen und sich zu überlegen wie kann lokal das Umweltwissengenutzt werden um Management von Biodiversitätshotspots oder im Umgang mit Natur gefahren, ja resilienter zu werden.

00:22:31: Ich war da Teil von einem großen interdisziplinären Team und habe meine Doktorarbeit in dem Projekt geschrieben.

00:22:37: Also wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktorand auf der anderen Seite.

00:22:41: Und das war großartig weil man also in diesem Tal unterwegs war oder auch in anderen Gebieten war ich natürlich... Es gab auch Vergleichsstudien usw.. und habe unterschiedlichste Menschen interviewt zu ihrem tradierten Erfahrungswissen.

00:22:58: Und das war insofern sehr spannend, weil es einfach einen unwahrscheinlich reichhaltigen Wissenschafts gibt über sozialökologische Prozesse also dass Bäuerinnen und Bauern zum Teil genau wissen okay wenn ich jetzt das Waldstück abhacke dann kann die Lawine von der Seite kommen oder wenn der Wind über die Bergspitze kommt beendet sich morgen das Wetter und so weiter.

00:23:24: Und das Traurige ist ein bisschen, dass dieses Wissen zudem verloren geht.

00:23:29: Es teilweise auch wissen was viele ältere Menschen haben... ...und meine Aufgabe war es ein bisschen zu gucken.

00:23:35: kann man das irgendwie erfassen?

00:23:36: Kann man das in irgendeiner Form nutzbar machen vielleicht?

00:23:39: Das ist halt eine sehr schwierige Aufgabe weil natürlich Wissen sich ständig verändert!

00:23:43: Was ich aber dann gemacht habe ist, dass ich mit Kartierungstechniken gearbeitet hab.

00:23:48: Das heißt also ich hab Leute selber Karten zeichnen lassen, also mal gefragt ja wo ist denn jetzt der Biodiversitätshotspot?

00:23:55: so ist die gefährliche Lawinenzone und so weiter.

00:23:58: Die haben das dann selber gezeichnet... ...und auf der anderen Seite auch Filme erstellt und dann mit Karten erstellt, wo ich dann die Filme mit der Karte verbunden habe.

00:24:11: Mit unterschiedlichsten Methoden dieses Wissen festgehalten hab.

00:24:14: Ich glaube, dass es eine Technik ist die man wahrscheinlich weltweit gut anwenden könnte.

00:24:19: Wenn man sich mit Naturschutz auch beschäftigt.

00:24:22: Die Frage könnte man jetzt stellen wenn das Wissen verloren geht dann braucht es das vielleicht heute gar nicht mehr weil sonst wäre's ja noch gefragt.

00:24:32: Ja!

00:24:34: Wenn wir auf Globalisierung gucken inwiefern bross in der globalisierten Welt noch dieses lokale Wissen?

00:24:40: Also es hängt halt, das ist eine sehr komplexe Frage.

00:24:45: Wenn man jetzt über das Wissen redet, das gibt es ja nicht!

00:24:47: Wissen ist immer heterogen verteilt.

00:24:49: also wenn wir in der Gesellschaft zu tun haben am unterschiedlichsten Menschen über verschiedenste Wissen einfach sehr unterschiedliche Dinge.

00:24:57: gleichzeitig verändert sich dieses Wissen.

00:24:59: gerade was du gesagt hast Globalisierung Social Media und so weiter.

00:25:03: aber Es ist schon so dass gewisse Praktiken gibt die zum... Ein Beispiel jetzt, ist wie Kulturlandschaften geschaffen werden.

00:25:13: Tradierte Kulturlandschaffen.

00:25:14: Dass Kulturlandschaften häufig Ökosystemleistungen produzieren oder dass da vielfältige Dinge einfach geschaffen wird die mehr nur sind als... Da steht jetzt eine Kork-Eiche und ich mache jetzt in Kron-Korken sondern vielleicht ist diese Kork Eiche auch ein Habitat usw.

00:25:31: Und wie man aber diese Kalk Eiche pflegt und wie sie beschnitten wird Wässerungssysteme ich brauche oder auch nicht.

00:25:37: Das basiert sehr häufig auf diesen Erfahrungswissen und wenn wir natürlich sagen, ja Moment!

00:25:42: Wir brauchen es ja nicht.

00:25:43: Wir haben jetzt einen Roboter der macht das vielleicht oder so dann ist das halt Rückzug weg und ich glaube dass geht ein enormer Verlust.

00:25:50: Ich habe lange in den fünf Jahren Colorado gelebt und da gab's wenig Handwerk noch also war schwierig dann einen Schreiner zu finden oder eine Schreinerin die eine Tür herstellt sondern man geht dann hauptsächlich im Baumarkt und kauft sich halt die fertige Tür.

00:26:06: Aber mit dem Resultat, dass vielleicht das Produkt dann auch nicht mehr so schön ist.

00:26:10: Und ich glaube, dass wir in dieser schnell liebigen Welt schon darauf achten müssen, ganz bewusst Wissenselemente erhalten und gucken müssen wie können wir vielleicht das was uns für uns und den Planeten gut war ein Stück weit bewahren?

00:26:29: Die Frage war von mir aus auch ein bisschen provokativ formuliert.

00:26:35: Es kann ja durchaus sein, dass uns das einfach alles um die Ohren fliegt irgendwann weil wir ... Weil die Natur aus den Fugen gerät, weil diese lokalen Systeme, die zusammengesetzt alle irgendwie auch miteinander funktionieren und zu einem Großen werden dann nicht mehr funktioniert.

00:26:54: Wir dachten, wir brauchen das nicht.

00:26:58: Was ja nicht bedeutet, dass wir wieder so leben müssen wie vor Tausenden von Jahren?

00:27:03: Aber dass da schon ein Schatz liegt in diesem Wissen aus einer Zeit, in der die Welt noch anders funktioniert hat und wer weiß, wie lange die Globalisierung auch noch trägt und wie die Entwicklungen sind, wie schnell man zurückgeworfen ist vielleicht auch auf kleinere ...

00:27:24: Ja, total und man darf es auch nicht so als Gegensatz sehen.

00:27:27: Also ich erinnere mich noch, ich war mal auf den Zesseinseln am Lake Victoria, da habt ihr auch über tradiziertes Umweltwissen zu Aquaculture geforscht.

00:27:37: Die Fischer die da gelebt haben, die haben sich auf der einen Seite an Sternen orientiert und auf der anderen Seite aber mit ihrem Smartphone navigiert, also haben auch Google Maps benutzt und das war aber kein Gegensatz.

00:27:50: Und das ist glaube ich sehr wichtig wenn wir halt über dieses tradierte Umweltwissen reden dass wir wissen ja das ist vielleicht ein Wissensschatz aus der Vergangenheit aber wirklich der kann auch wirklich auch modern total aktuell sein und man kann ihn auch kombinieren und... Also nicht das eine oder das andere sondern eine Wertschätzung was dem was war und es auch vielleicht auch nutzbar machen in der heutigen Welt.

00:28:11: Was hat dich besonders bewegt?

00:28:15: und beeindruckt um?

00:28:16: was ist nachhaltig bei dir hängen geblieben, wie indigene gruppen sich mit der natur verbinden oder was.

00:28:24: Natur für sie bedeutet können ganz praktische sachen sein also aus dem alltag Dinge die für uns aber dann doch besonders erscheinen ja ungewohnt.

00:28:36: das ist sehr eine sehr komplexe aber auch eine super spannende frage.

00:28:39: ich würde ihm erst mal vor weg schicken dass der begriff indigen ein großer Umbrella Begriff ist.

00:28:47: Also man fasst im Prinzip sechs Prozent der Weltbevölkerung unter diesem Begriff zusammen und er subsumiert erstmal ganz verschiedenste ethnische Gruppen, die natürlich in sich gesehen sind oder wahnsinnig heterogen sind.

00:28:59: Deswegen muss man als Ethnologe würde mal sagen ja das ist ein politischer Begriff, der total wichtig ist wenn diese Menschen auf politischer Ebene zum Beispiel für ihre Rechte kämpfen.

00:29:08: Ganz ganz wichtig aber man muss natürlich auch genau hingucken.

00:29:12: Also welche Gesellschaft handelt es sich?

00:29:14: Und welche?

00:29:15: innerhalb dieser Gesellschaften gibt's natürlich auch unterschiedlichste Dynamiken und so weiter.

00:29:20: Also das erst mal vorweg, und die zweite Sache, die ich behaupten würde ist dass zum Beispiel die Bergbäuerinnen und Bergbauern in der Schweiz, in diesem Tal mit denen nichts zu tun hat hatte er, dass sie auch über dieses zum Teil über Wissen verfügt haben also dass man nicht nur sagen darf ja die Indigenen im Amazonas die verfügen übertretetes Umweltwissen und dass das besonders schützen wird.

00:29:41: Hier gibt es das nicht, sondern den Moment.

00:29:44: Das gibt's ja vielleicht auch und vielleicht auch der Fischer in Brandenburg so ein Wissen was besonders wertvoll ist.

00:29:50: also da genau hinzugucken diese Momente die mich fasziniert haben wo ich das erfahren durfte die waren sehr sehr vielfältig.

00:30:00: Ein Moment den ich jetzt heute hatte war bei dem Machi Gengar im Manu-Nationalpakt ist ein großer Nationalpark den wir mithelfen zu managen.

00:30:09: Wo liegt er?

00:30:10: ...

00:30:10: der liegt in Peru, wenn man über die Arndenkette rüberfährt... ... also über diese großen Gebirgsbitzen und dann den ins Amazonas Becken runter kommt.

00:30:20: Und da liegt ein riesiger Nationalpark,... ... der in einem Verbund so groß ist wie die Schweiz.

00:30:27: Also gigantisch groß!

00:30:29: Da gibt es eine indigene Gruppe, die heißt Machiganga.

00:30:31: Die leben also innerhalb dieses Schutzgebietes.

00:30:35: Wir haben da so einen Schulprojekt besucht... war so ein kleines Videoprojekt mit ein paar Kids gemacht und die einfach gefragt, erzähl doch mal bitte was über Heilpflanzen.

00:30:47: Also einerseits, was da für Wissen rauskam das war irre.

00:30:50: und dann aber auch die zweite Sache, die ich total faszinierend fand dass sich... also ich stand irgendwie auf einem Weg und habe links und rechts halt nur der Anführungsstrich in Dschungel gesehen.

00:31:01: Die Kinder, mit denen ich unterwegs war haben sie sich halt in diesem Wald ganz anders bewegt.

00:31:05: Die sind ja irgendwie so einfach mal Baum gegangen und sind parallel einfach mal so querfüllt ein, haben sich halt irgendwie den Busch gesetzt usw.

00:31:15: Also man hat einfach gemerkt das war einfach ein ganz anderes Zuhause für die als für mich.

00:31:20: Man muss immer sehr aufpassen dass man es halt nicht so als edle Wilde irgendwie darstellt.

00:31:25: aber ist schon so gewesen dass man einfach gemerkt hat ja die Menschen leben einfach woanders und die Menschen sprechen doch in anderen Bezug zu ihrer natürlichen Umwelt genauso wie alle Menschen das eigentlich auch tun.

00:31:35: Ich habe zum Beispiel einen Moment bei den Bajo, indigene Gruppe aus Indonesien und da war ich im sogenannten Takabonarate Archipel, hab dann eine Forschung durchgeführt... ...und war mit Bajo auf einem Boot unterwegs.

00:31:50: Und es sind so kleine, ja also sieben Meter große Boote, mit denen man noch zum Teil rausfährt um Fischen zu gehen, Leute leben aber zum Teil noch länger drauf auf diesen Booten.

00:32:00: Na jedenfalls hat er die Familie gekocht Und dann ist eine Gabel ins Wasser gefallen.

00:32:07: Dann ist sofort das kleine Kind ... Ich glaube, das war fünf oder so.

00:32:11: Das hat sofort hinterhergetaucht und aus drei Metern tiefer diese Gabel wieder rausgefischt.

00:32:17: Oder vier Meter oder so, ja?

00:32:18: Es war irre, es war halt sofort zack.

00:32:21: Du hast gemerkt die Leute sind so angepasst an dieser Meeresobwelt.

00:32:28: Dass man sich da so bewegt als das Wohnzimmer von einem.

00:32:33: Ich war jetzt zuletzt, wir haben nur im Jahr-Nur-Werzehntausend-Fünfzwanzig nochmal in Indonesien gewesen.

00:32:37: Habe ein Dokumentarfilm gedreht oder beziehungsweise so einen Videoclip für den NABU.

00:32:43: Die haben ein ganz tolles internationales Küstenschutzprojekt.

00:32:47: War da auch viel tauchen und hatte mit Menschen zu tun die dann auf einmal berichtet haben dass sie zum Teil vierzig Fünfzig Meter tief tauchen können.

00:32:54: weil sie so angepasst sind an die Umwelt wurde auch da deutlich wie wichtig dieses Erfahrungswissen ist Weil auf der Art dem Praktiken die Leute beherrschen, können sie mangroven Gürtel zum Beispiel schützen.

00:33:05: Die dann zu führen dass die Küstenareale erhalten bleiben.

00:33:09: und das wiederum ist total wichtig wenn man sich die Entwicklung in der Region anguckt.

00:33:14: ja diese Inselgruppe liegt mitten im sogenannten Korallen Dreieck.

00:33:19: Das ist so der Amazonas unter Wasser.

00:33:22: Momentan aufgrund des Klimawandels bricht halt da sehr viel weg.

00:33:26: also Korallen sind so der erste große ökologische Kipppunkt dem wir erreichen.

00:33:31: im Planetarien-System, findet eine unvorstellbare Korallenbleicher statt.

00:33:36: Um diese Ökosysteme halt so resilient wie möglich zu machen dass sie halt gegenüber diesen Schocksystemen resilient bleiben ist natürlich Schutzstrategien total wichtig.

00:33:46: und diese Schutzsträtikien wiederum.

00:33:48: wenn man da das andere des lokale Wissen von den Menschen andocken kann und weiß wie Sie mit Ressourcennutzung betreiben wo sie Holz holen, wo sie vielleicht fischen oder nicht fischen usw.

00:33:59: da spielt dieses Wissen halt wiederum eine große Rolle.

00:34:02: Was ich mich noch gefragt habe, ob tatsächlich dann lokale Bevölkerung immer nachhaltig im Sinne der Umwelt auch handeln weil sie von ihr abhängig sind oder wann auch da im Lokalen das kippt und zum Beispiel überfischt wird?

00:34:20: Also wann dafür das Gefühl verloren geht dass dieses System in Balance bleibt.

00:34:27: Das kann ja lokal auch passieren, oder?

00:34:29: Dass dann da auf einmal das Korallenriff nicht mehr aussieht wie es aussieht weil vor Ort irgendwie nicht mehr so gehandelt wurde wie's vielleicht lange getan wurde.

00:34:39: Weil die Bedarfe andere sind, weil auf einmal mehr Fisch benötigt wird und anders vorgegangen wird kommt ja wahrscheinlich auch vor.

00:34:49: Ja, wir müssen auf jeden Fall und man muss natürlich auch sehr aufpassen dass man nicht exotisiert das man nicht romantisiert wenn man über lokale Gruppen redet.

00:34:59: Und es ist natürlich gesellschaften wahnsinnig heterogen sind und auch so genannte indigene lokale Gesellschaften natürlich immer in überregionale handelsnextwerke eingebunden sind.

00:35:11: natürlich wenn jetzt eine Familie auf einmal merkt ich will mein Kind zur Schule schicken, habe aber nicht genug Geld und ich kann jetzt eben was weiß ich im Anbau von Koka-Pflanzen irgendwie das hundertfache verdienen als mit Gemüseanbau wie auch immer.

00:35:28: Das ist dann sehr schnell auf einmal Leute natürlich sich halt anpassen an der neuen ökonomischen Möglichkeiten und das dann dazu führt dass auch vermeintlich... Wenn man jetzt diesen romantisierenden Stempel draufdrückt, indigene Gruppen zum Teil auch sehr destruktiv natürlich wirtschaften.

00:35:43: Aber man kann das eine und nicht das andere in einen Topf werfen sondern... Man muss immer sehr genau hingucken!

00:35:51: Es ist auf jeden Fall so dass es egal ob jetzt den Begriff Indigen haben oder nicht aber dass es schon weltweit noch viele Menschen gibt die aufgrund ihres Erfahrungswissen Nachhaltig mit ihrer Umwelt umgehen und dieses Wissen ist sehr wertvoll.

00:36:06: Und das muss man glaube ich...

00:36:08: Wir uns die Frage stellen sollten, was können wir davon lernen?

00:36:10: Genau!

00:36:11: Und implementieren in unserer Art zu leben.

00:36:18: Sowohl im Bezug auf die Reflexion unserer eigenen Naturzugangs aber auch im Bezug auf konkrete Praktiken.

00:36:28: wie baue ich ein Haus Also muss es vielleicht auch unbedingt dann der und er dämpft auf sein oder die Isolation.

00:36:36: Sicherlich, da gibt's ganz tolle Techniken aber vielleicht gibt sie auch tradierte Techniken, die überliefert sind von denen man vielleicht auch sehr viel lernen kann.

00:36:44: Glaubst du?

00:36:45: Es würde helfen wenn wir uns wieder ein bisschen mehr auch auf das Lokale fokussieren also auf die Regionen in der wir leben Auch wenn wir jetzt sagen, Abenteuer draußen erleben ist toll.

00:36:58: Ist schön egal wo wir sind auf der Welt.

00:37:00: ja das glaube ich auch dass uns das ganz viel bringt, dass wir da ganz viel lernen können und gerade diese Beziehung zur Natur unglaublich davon profitiert diese Verbindung aber Dies lokale.

00:37:12: Wie wichtig glaubst du, ist das?

00:37:13: Dass wir da ein bisschen mehr gucken hier... Da wo wir leben.

00:37:17: Also vor unserer Haustür.

00:37:18: Das ist ja für mich auch immer ein Thema in Bezug auf Abenteuer.

00:37:21: Ja also Mikroabenteuer zu schauen was kann ich hier machen?

00:37:24: aber eben um auch nochmal vielleicht das Verantwortungsgefühl zu stärken Für die Natur.

00:37:33: Ist das hilfreich?

00:37:34: Ja!

00:37:35: Ich würde schon sagen dass man Dass das nah um einen herum, dass es viel exotischer und viel abenteuerlicher sein kann als man vielleicht auf den ersten Blick denkt.

00:37:45: Und ich lebe in Potsdam, Brandenburg ist wunderschön!

00:37:49: Die riesige Gebiete die unter Schutz gestellt wurden.

00:37:51: zum Glück gibt viele Landschaftsschutzgebiete... Da gibt's soviel zu entdecken und es ist eine reichhaltige Kultur und so ne tolle Natur da.

00:37:59: Und die Realisation wie bin ich eingebettet?

00:38:01: In welcher Lebenswelt befinde ich mich?

00:38:03: Ja das ist unwahrscheinlich wichtig.

00:38:05: Du hast es ja gemacht, in der Schweiz.

00:38:08: In den Alpen, dass du zu den Menschen gegangen bist die dort vor allen Dingen mit der Natur auch leben und dieses Wissen haben, mit denen gesprochen hast.

00:38:16: Wenn wir nicht Wissenschaftler sind und keinen Auftrag haben können wir auch von profitieren glaube ich oder?

00:38:22: Wenn wir einfach mal mit Menschen sprechen, die dieses alte Wissen noch haben ein paar Sachen mal zu erfahren über die Region in der wir leben, die wir vielleicht nur gar nicht wussten weil weil wir da irgendwann mal hingezogen sind oder vielleicht auch schon länger leben, aber uns das nie so tief interessiert hat.

00:38:40: Total!

00:38:42: Man muss einfach einen einfach machen und auch mal zuhören und vielleicht auch gewisse Techniken erlernen wie man dieses Wissen hebt.

00:38:49: Wie

00:38:49: machst du

00:38:49: das?

00:38:50: Fotos sind natürlich eine tolle Sache.

00:38:51: Wenn die Person bittet kannst du mal ein Foto zeigen, wie es früher aussah und dann kommt man darüber ins Gespräch.

00:38:57: Also das Foto ist dann so ein Aufhänger zum Beispiel... Man kann es auch machen, indem man einfach einen kleinen Spaziergang macht.

00:39:05: Oder mit der Person, die vielleicht viel über eine Region weiß... ...dass sie einen mitnimmt auf ne Exkursion und vielleicht mal draußen zeigt was ist denn da?

00:39:14: Also mein Interesse in der Wissenschaft dann irgendwie strukturierte Begehung.

00:39:18: Kann man aber auch genauso gut als Spazierungsframen und sagen ich geh einfach mal raus und lass mir mal draußen zeigen, was hier so passiert.

00:39:26: Ich würde da auch sagen gerade ältere Menschen haben auch sehr viel Wissen noch zum Teil weil sie einfach einen ganz anderen Erfahrungshorizont haben und viele Veränderungen mitbekommen haben, vielleicht auch gut reflektieren können.

00:39:40: Und in der Regel ja auch ganz gerne erzählen, dass die Herausforderung, das man Zeit mitbringt und Geduld hat.

00:39:47: Ja!

00:39:48: Und nicht irgendwie versucht abzukürzen und sagen, mach mal schneller.

00:39:52: Ja, das ist bei Gesprächssituationen, bei Interviewsituationen natürlich extrem wichtig, egal wie man redet.

00:40:00: also das Wertschätzung ist so... Aber wichtig ist, dass wenn das Gegenüber sich gesehen fühlt und man respektiert, dann kann man ganz viele Türen öffnen.

00:40:10: Und ich meine es jetzt nicht im manipulativen Sinne, sondern wirklich braucht einfach diese Grundeinstellung.

00:40:16: Sonst währt man nix.

00:40:19: Ihr macht das ja auch, wenn ihr jetzt ein Naturschutzgebiet irgendwo aufbauen wollt, verbessern wollt, anpassen wollt.

00:40:31: Dass ihr viel mit der lokalen Bevölkerung sprecht?

00:40:34: Die da lebt in diesem Gebiet müsste ja weil muss irgendwie zusammenkommen.

00:40:40: wie ist deiner Erfahrung nach so die Haltung der lokalen Bevölkerung zum Thema Naturschutz?

00:40:47: also ist es für dich selbstverständlich oder sagen die Moment mal jetzt dürfen wir hier vielleicht Dinge nicht mehr Immer so gemacht haben.

00:40:56: was sind da die Herausforderungen?

00:40:57: ja es ist also sehr unterschiedlich und sehr komplex.

00:41:02: Wir arbeiten sehr stark mit staatlichen Partner zusammen das heißt also wir fördern auch staatliche Institutionen die dann Schutzgebiete managen das ganz wesentlicher teil.

00:41:13: Und natürlich hat Naturschutz auch immer was mit Einschränkungen zu tun und auf einmal mit der Auflage.

00:41:19: Ja, Moment!

00:41:20: Früher durfst du es hier fischen?

00:41:21: Das darfst du jetzt nicht mehr oder du konntest da in den Wald rein und Holz roten und das darfst Du jetzt nur noch gar nicht mehr Oder nur noch eingeschränkten Maße etc... Es geht dann natürlich darum immer ganz wichtig auch zu gucken Was ist denn die Motivation von so Leuten?

00:41:37: Was ist denen denn wichtig?

00:41:39: Wie kann ich vielleicht etwas kompensieren wie kann ich dem entgegenwirken Und nicht nur das, sondern vielleicht kann ich auch teilhaben lassen und Leute mitnehmen.

00:41:47: Und auf einmal vielleicht auch gemeinsam sich zu belegen wie man das schützt.

00:41:51: Wenn Gebiete geschützt sind dann gibt es ja immer wieder gerade in Deutschland auch Menschen die sehr mit dem erhobenen Zeigefinger kommen.

00:41:58: wenn man da irgendwann mal vielleicht ein kleines Also ich kenn zum Beispiel von... Ich erzähle irgendwo öffentlich dass ich auf einem Baum geklettert bin Wo gemerkt Barfuß auf einen Baum geklettert.

00:42:11: Dann kommen Menschen sagen Es geht nicht.

00:42:14: Darfst du nicht machen, der arme Baum?

00:42:17: Und da muss ich mir innerlich schmunzeln und kurz einmal durchatmen weil ich glaube das ist total... Also ich durfte da hin, was ich nicht betreten darf oder keine gefährdete Art.

00:42:32: Weil ich glaube das ist total wichtig für diese Verbindung zur Natur dass wir eben auch körperlich physisch eine Verbindung eingehen.

00:42:42: und wenn ich jetzt barfuß auf einen Baum kletter den ich vorher noch frage ob es in Ordnung ist wenn hier noch von rauf Kletter habe kein großes Problem.

00:42:51: Da sehe ich da nichts gefährliches und nichts Falsches drin, aber gibt es natürlich immer Menschen die das anders sehen.

00:42:59: wenn man gewisse Sachen einfach nicht mehr dürfen oder nicht hier hingehen dürfen oder keine Nacht draußen verbringen dürfen dann ist ja auch so ein interessantes Thema.

00:43:08: also ich darf nicht draußen zelten Ist zumindest nicht verboten, wenn ich irgendwo liege und da auch eine Nacht vergeht.

00:43:15: Aber es ist ja manchmal dann doch sehr eingeschränkt.

00:43:17: Ich verstehe total dass das notwendig ist in gewissem Rahmen weil alles sollte man da nicht dürfen.

00:43:22: aber ich glaube es ist dann auch die Gefahr manchmal dass wir diese Verbindung dann dann kappen oder einschränken.

00:43:28: zumindest

00:43:29: würde auch sagen das kommt immer sehr darauf an wie man sich verhält.

00:43:32: also mache ich zum Beispiel ein Feuer Wie laut bin ich?

00:43:36: Wie gehe ich mit der Umwelt um?

00:43:37: und wenn man das sehr behutsam macht dann würde ich schon natürlich immer sagen, ausgehen ist immer wichtig.

00:43:44: Aber gleichzeitig natürlich auch schauen.

00:43:46: gibt es Schutzgebiete?

00:43:48: da muss man schon noch natürlich darauf achten.

00:43:51: wenn ich jetzt im Brutgebiet bin und viele machen sich das gar nicht bewusst dass man zum Beispiel wenn ich keine Ahnung durch einen verschneiten Wald Snowboard fahren gehen, dann mag das irgendwie schön sein.

00:44:04: Aber das Problem ist, dass da gewisse Rehe auch stehen und wenn die dann losrennen, dann verbrauchen sie so viel Energie, dass sie zum Teil dann verenden.

00:44:12: Das wissen viele Leute gar nicht!

00:44:13: Also ich will nur sagen, das Rausgehen ist total wichtig.

00:44:17: aber man muss glaube ich sehr berutsam sein und einfach auch gucken wie ist die Landschaft?

00:44:23: Wo sind denn die besonders sensiblen Orte?

00:44:26: Wo kann ich zelten?

00:44:26: Gibt es vielleicht Biwakplätze, wo man's darf oder sollte ich nicht im Schilfgürtel von der Müritz zelte.

00:44:32: Das hat auch sein Grund.

00:44:34: Also das kann aber auch was ja Schönes sein weil wenn ich sensibel mit der Umwelt umgehe dann sehe ich mich als Teil des Ganzen.

00:44:43: Ich glaube dass viele Menschen die rausgehen, die irgendwas draußen machen, die Wandern gehen Bergsteigen, Klettern, die auch immer ... Die können ja auch Botschafters sein.

00:44:52: Also wenn man dieses positive mitnimmt und sagt, ich lass mich da inspirieren.

00:44:56: Ich habe vielleicht auch das große Glück was zu erfahren dann kann man es ja auch teilen und andere Menschen motivieren und... ...kann sie vielleicht auch wissen an eignen?

00:45:05: Und auf einmal vielleicht doch sich überlegen wie muss ich konsumieren dass das vielleicht ein ticken Nachhaltiger ist oder regionalere Produkte sind oder wie auch immer.

00:45:13: also das kann.. Was du gesagt hast mit dem draußen sein das kann auch eine totale positive Quelle sein für Naturschutz würde ich schon behaupten.

00:45:24: Also, ich kann es von mir ganz klar sagen dadurch dass ich mehr in der Natur war auch gerade diese kleinen Schritte immer diese Mikroabenteuer das dadurch meine Verbindung zu Natur einfach eine ganz andere Qualität bekommen hat und ich dadurch natürlich auch eine andere Haltung bekommen habe und auch anders durchs Leben gehe Und dass es total wichtig ist, glaube ich.

00:45:51: Wie du das ja auch gesagt hast mit allen Sinn da unterwegs zu sein und immer auch zu hören und zu gucken was macht das so mit mir?

00:45:58: Und eben nicht nur da irgendwas aufzuführen wie auf so einer Bühne oder die Natur als Kulisse dann zu sehen wo ich irgendwas Tolles mache und dann entsteht noch ein Foto und dann kriege ich da ganz viel Zuspruch für im Internet sondern wirklich wirklich diese Verbindung da aufzubauen.

00:46:19: Bevor wir jetzt hier heute zusammen kam, haben uns das schon mal ausgetauscht auch gesagt, dass es gar nicht unbedingt viel erst mal Wissen braucht um zu handeln was wir ja oft glauben sondern dass wir durch das Handeln dann auch Wissen erlangen oder die Lust drauf bekommen und Wissen anzueignen.

00:46:41: Das hatte ich neulich in einem anderen Zusammenhang Ganz ähnlich.

00:46:46: Da ging es um Entscheidungen treffen, dass wir manchmal denken, wir bräuchten erst mal ganz viel Wissen, um eine Entscheidung zu treffen.

00:46:54: Wir müssen erstmal Vor- und Nachteile abwägen und genau wissen was passiert, wenn wir uns so entscheiden und so entscheiden ... Aber manchmal müssen wir einfach machen!

00:47:03: Müssen wir eine Entscheidung treffen?

00:47:06: Und sind dann nachher schlauer und können diese Entscheidungen dann revidieren oder auf einer ganz anderen Grundlage nochmal neu

00:47:11: entscheiden?!

00:47:13: Ist es im übertragenen Sinne auch das, was du damit meinst?

00:47:17: Wenn du sagst zu viel Wissen ist gar nicht unbedingt immer hilfreich.

00:47:21: Ich glaube dass das Hören auf die eigene Intuition sehr wichtig und in unserer Gesellschaft, in der wir immer kleinteiliger werden und es immer mehr Expertinnen und Experten vor alles gibt und wie immer denken wir müssen alles messen, müssen alles erfassen Da geht manchmal so ein bisschen das Bewusstsein verloren, dass man erkennt im Moment was mir mein Bauchgefühl sagt.

00:47:39: Was mir meine Intuition sagt hat basiert ja eigentlich auch auf Verfahrungswissen.

00:47:43: Dass es vielleicht sogar noch emotional verankert ist und den Mut haben sich darauf zu verlassen und zu sagen ich in treffende Entscheidungen auf der Basis dieses Wissens ist total... Wichtig und knüpft natürlich dann sehr schnell auch an diese Idee von Transformationsprozessen an.

00:47:57: Wir leben ja schon in einer Zeit, wo wir vom massiven von der Zwillingskrise eigentlich bedroht sind Klimawandel, Biodiversitätsverlust, dieser Apokalypse die überall ein bisschen schwebt.

00:48:08: Natürlich ist immer die Frage wie kann man dem was entgegensetzen?

00:48:12: Und ich glaube dass also einerseits wir natürlich wissen brauchen um handeln zu können wirklich auch zu gucken wir können Energie und Ressourcen Strategien entwickeln, um da möglichst zielstrebig dagegen was zu unternehmen.

00:48:26: Auf der anderen Seite war auch Handlungen erst mal wissen produziert und Transformationsprozesse häufig auch.

00:48:32: dadurch entsteht dass man eine Person erstmal anfängt irgendwas zu machen wenn daraus eine geteilte Praktik entsteht auf einmal viele Menschen das machen Und dann, wenn noch mehr Menschen das machen, vielleicht auch so eine Art kleiner Kulturwandel sich entwickeln kann.

00:48:48: Ich habe Freunde in Potsdam, die haben angefangen, eine sogenannte Baumscheibe zu begrünen.

00:48:54: Also da stehen so alte Bäume ... Die haben immer ein kleines Fleckchen Erde drumherum.

00:49:00: Die haben halt angefangen weil es alles so trister irgendwie aussah, dass du ein bisschen Mulch drauf zu legen und das ein bisschen zu begründen und paar Flänzchen drauf zu sehen.

00:49:10: Mit der Zeit wurde halt dieses Fleckchen Erde um diesen Baum herum immer schöner und immer sprießender, dann haben sich da auch viele Insekten angesiedelt.

00:49:18: Und auf einmal siehe da haben die Nachbarn angefangen, ach Moment das ist ja wunderschön!

00:49:24: Dann entwickelte es sich so einen Effekt dass auf einmal sehr viele in dieser Straße angefangen haben diese sogenannten Baumscheiben zu begrünen.

00:49:32: Ja, Guerilla Gardening-Aktion die tatsächlich dann auch einen Impact haben kann.

00:49:37: Und daraus dann Wissen entsteht.

00:49:39: aber Praxiswissen.

00:49:40: das ist so der Unterschied den du machst oder jetzt den ich so rausgehört habe einmal so dieses abstrakte theoretische wissenschaftliche wissen was wir uns irgendwo anlesen können Aber dann ja auch dass was sogar Grundlage unserer eigenen intuition ist Wissen, was ja in unserem Körper steckt Erfahrung die wir mal gemacht haben.

00:50:03: Wissen aus der Praxis weil wenn wir da diese diese Baumscheiben begrünen dann merken wir auf einmal was funktioniert was nicht funktioniert was zu welcher Jahreszeit unter welchen Bedingungen funktioniert.

00:50:16: was auch wieder wissen ist

00:50:18: Ja es ist und genau das wird auch mit Emotionen unterlegt weil die Emotionen die ich dann erfahre geben dem Wissen was wir haben einen ganz anderen Wert.

00:50:28: Und sie verfestigen halt auch Informationen nochmal von einer ganz anderen Dimension und schaffen dann halt auch Motivationen.

00:50:34: Das heißt, wenn die Emotion nicht dabei gewesen wäre in der Vergangenheit, dann wäre eine Erfahrung möglicherweise gar nicht Teil unserer Intuition geworden?

00:50:44: Ist jetzt mal so ne Hypothese aber...

00:50:47: Also, ich bin kein Psychologe.

00:50:48: Ich glaube, ich begebe mich auch ganz dünnes Eis.

00:50:50: Und ich würde mir jetzt dazu eine Aussage geben ... Ich würd es schon behaupten!

00:50:54: Wir dürfen

00:50:55: hier noch frei spinnen?

00:50:56: Also, dann wirst du ja nicht als Philosoph angeladen.

00:50:58: Aber das ist nur was, was mir gerade so ... Ja... Was er sagen

00:51:02: kann?!

00:51:03: Also ich glaub schon dass Emotionen positiv wie auch negativ extrem wichtig sind um abstrakten Wissen auch eine Sinnhaftigkeit zu begeben.

00:51:13: Das ist schon so und grade wenn wir ... auch über diese Mammut-Themen, Biodiversitätsverlust und Klimawandel reden.

00:51:22: Es ist wichtig glaube ich dass wir sowohl auf der einen Seite die erkennen wie dramatisch die Lage ist was alles gerade weg bricht ja wie gefährlich das ist in welchem Grenzbereich wir uns befinden aber auf der anderen Seite auch vielleicht auf positive Emotionen vertrauen dann sagen im Moment wenn ich jetzt... Gemeinschaftlich Guerilla Gardening mache, das ist was Schönes und lass doch mal mehr machen davon.

00:51:46: Und auf einmal können wir vielleicht nur einen kleinen Baustein aber wir können gemeinschaftlich dazu beitragen dass es einfach mehr Insekten gibt in dieser Straße.

00:51:54: Was ist so dein nächstes Projekt konkret?

00:51:58: Also woran arbeitest du gerade?

00:52:00: wo geht's demnächst hin?

00:52:01: welchen Raum guckst du dir an?

00:52:03: also ich arbeite gerade darin eine Community aufzubauen oder beziehungsweise zu stärken.

00:52:10: Ich habe ja eine koordinierende Funktion als Person, die sich weltweit genau mit diesen Menschen-Umwelterinteraktionen und Kooperationen und Allianzen und Safeguards beschäftigt.

00:52:22: Ich bin nicht alleine sondern wir haben in jedem Land Personen, mit denen ich inkoperiere.

00:52:28: Wir arbeiten eigentlich als Team.

00:52:31: Das allergrößte Ziel ist jetzt, alle zusammenzubringen und technische Möglichkeiten zu nutzen.

00:52:36: Dass wir als eine Art Community bilden und voneinander lernen.

00:52:39: Und dass wir das Thema in dem ich arbeite wirklich schneller in die Fläche bringen.

00:52:44: Da passiert bei uns auch ganz viel Tolles und es ist ganz großartig was da alles schon gemacht wird.

00:52:49: Jetzt geht's halt so ein bisschen darum, das natürlich noch zusammenzuziehen und diese koordinierende Funktion auszubauen.

00:52:57: Ja das eine.

00:52:58: Das andere ist, was jetzt ummittelbar auch bevorsteht ich werde nach DRC fliegen oder wenn alles klappt mit Ebola mal gucken.

00:53:05: DRCS Democratic Republic

00:53:08: Kongo Genau.

00:53:08: Bittem wir so doch sehr teilweise im Englischen verhaftet.

00:53:12: und da geht es dann konkret um die Risikoanalyse weil natürlich auch ne Kriegsregion ist beziehungsweise unser Projekt ist nicht unbedingt unmittelbar in der Kriegs-Region aber Natürlich hat die ganze Logistik und so weiter damit was zu tun.

00:53:26: Und da müssen wir halt schauen, wie Beteiligungsprozesse aufgebaut sind usw.

00:53:31: Das ist das nächste ein Baustein sozusagen von diesen unterschiedlichen Arbeitspaketen, die ich momentan habe.

00:53:39: Ein Ort wo gerade sehr viel passiert irgendwo man glaube ich genau hingucken muss ist Papua.

00:53:43: Da werden riesige Waldflächen abgeholzt.

00:53:47: Ich war mal in Papua bei den Jalli und bei den Dani, hab da eine Forschung durchgeführt.

00:53:52: Es waren wunderschöne Regionen, wahnsinnig tolle Bergregenwälder.

00:53:58: Ja jetzt soll halt da wahnsinnige Großfläche hier gerodet werden statt.

00:54:03: ich glaube Flächen die halb so groß sind wie Deutschland sollen jetzt ich glaube zwanzig Millionen Hektar für Reisplantagen und diese Entwicklung vielleicht zu dokumentieren das wäre glaub ich interessant also vielleicht auch so diese oder wäre wichtig

00:54:18: Gehst du noch auf Berge?

00:54:19: Ja,

00:54:20: na klar.

00:54:21: Ich gehe wahnsinnig gerne bergsteigen und gerne klettern.

00:54:25: Hab's zuletzt zu wenig gemacht.

00:54:27: Willst aber wieder weiter machen.

00:54:29: Ich geh wahnsinnigt gerne Kajak fahren.

00:54:31: Also ich liebe auch Flüsse!

00:54:33: Ich freue mich vor allem jetzt auf dem Sommerurlaub... ...und ich freue mich langfristig gesehen vielleicht nochmal dass ich in die Hadanga-Weder-Nationalpark komme.

00:54:42: Das würde mich auch total interessieren weil ich da einen guten Freund hab der lange der Ranger war

00:54:47: Norwegen.

00:54:48: Genau,

00:54:50: damit wird das auch geografisch verordnet.

00:54:53: Stimmt!

00:54:56: Hast du

00:54:56: da so Tools wie du es für dich persönlich machst?

00:55:01: Dass du dich noch mal mehr verbinden ist mit der Natur?

00:55:06: Also ich habe tatsächlich auch sehr viel über Sport würde ich sagen und sehr viel auch übers Laufen.

00:55:10: Für mich ist es laufen auch eine Form wie eine Meditation eigentlich weil ich sehr schnell Wenn man viel läuft, kommt man relativ schnell den Flow.

00:55:18: Ich finde, es laufen hat immer so einen Zweischneidig ... Bei einerseits ist es ja nicht so herausfordernd von der Bewegung her, dass du ganz viel denken kannst.

00:55:30: Du kannst ja über Gott und die Welt nachdenken und es erfordert gar nicht deine Aufmerksamkeit, die Bewegungen an sich.

00:55:35: Wenn du bergsteigen gehst, musst du ja viel mehr bei dem sein was du da machst weil es sonst nicht funktioniert, weil es uns gefährlich wird.

00:55:45: Deswegen finde ich das immer ein bisschen... Ja, es hat beides interessant zu hören dass es für dich eben eine Möglichkeit ist da dann tatsächlich auch dich mit allen Sinnen zu verbinden oder eher so in so einen meditativen ...Sendzustand zu kommen wo du dann andere Dinge bewegen kannst die noch irgendwie so hinter dem Hintergrund rattern?

00:56:05: Ja!

00:56:05: Beides, beides gleichzeitig.

00:56:07: also das ist so die dieser Sennzustand, die man erreicht oder dieser Zustand wo man vielleicht auch Gedanken ziehen lässt.

00:56:15: Ich glaube das ist ganz wichtig dass man sich nicht verbeißt sondern dass man in welcher Form man auch immer in dieses Stadium kommt, dass man einfach Gedanken wie so Wolken einfach mal weiterfliegen und das kann ich gut beim Krieg, ich kriege gut beim Laufen hin.

00:56:28: dadurch habe ich wahrscheinlich durch diesen Zustand auch eine bestimmte Form wie ich dann die Umgebung wahrnehmen und vielleicht auch auf Dinge aufmerksam werden.

00:56:36: Und dann ist vielleicht der Regen, der dann kommt nicht so schlimm oder man erdet sich noch mal anders.

00:56:41: Auch so Dinge dass man einfach, das ich vielleicht auch mal in einem Waldstück einfach mal setzt und auf einmal zuhört was sind denn zwar für Vogelstimmen zum Beispiel?

00:56:49: Oder was nehme ich denn überhaupt wahr?

00:56:50: Das bewusste Erden in Räume.

00:56:53: Christian ganz herzlichen Dank!

00:56:55: Für deinen

00:56:57: Ja, ganz herzlichen Dank auch für die vielen schlauen Fragen.

00:57:00: Wissenschaft ist großartig.

00:57:01: Ich bin wahnsinnig dankbar, dass ich das gemacht habe aber ich bin auch wahnsinnigt froh jetzt im Naturschutz zu sein also das Wissen was sich

00:57:08: als

00:57:09: Forscher mal erfahren durfte und die Techniken die ich gelernt hab auch anwenden zu können dem praktischen Naturschutz.

00:57:15: Das ist absolut großartige und es ist etwas sehr Schönes und ich kann alle Hörerinnen und Hörern auch nur ermutigen tätig zu werden oder in irgendeiner Form zu überlegen wie man nachhaltiger leben

00:57:25: kann.

00:57:26: Danke dir für die Inspiration.

00:57:34: Ganz herzlichen Dank an dich fürs zuhören, ich habe es im Intro gesagt in diesem Gespräch ist eine Menge drin dass dein Kopf noch mal ins Rattern bringen kann.

00:57:44: vielleicht weißt du jetzt was ich meine.

00:57:47: lasst das Ratternen lass das Sacken zieht deine eigenen Schlussfolgerungen aus dem was da in Bewegung kommt und nimm dieses Gespräch einfach als Anlass um für dich Dinge noch mal weiter zu drehen und dann, ja auch das habe ich im intro schon gesagt.

00:58:04: Im besten Fall ins handeln zu kommen und was zu verändern.

00:58:07: wenn du diesen podcast schon etwas länger hörst dann weißt du dass es ein newsletter gibt der diesem podcast begleitet der immer am wochenende versandt wird.

00:58:17: wenn du diesem podcast zum ersten mal hörst dann weißt du es jetzt.

00:58:22: Abonnieren kannst du diesen Newsletter unter christoferster.com.

00:58:26: slash frei raus, da gibt's immer weiter für eine Links und Infos zu den Themen aus der jeweiligen Podcastfolge aber auch darüber hinaus.

00:58:35: Ich freue mich wenn du nächsten Dienstag wieder rein hörst.

00:58:37: Da gibt es die nächste Folge von Freiraus Und bis dahin wünsche ich dir ne wunderbare Zeit.

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