Wandern, um zu überleben – Trauma, Depression und die Kraft der Natur
Shownotes
// Wandern kann vieles sein: Abenteuer, Ausgleich, Freiheit. Für meinen heutigen Gast ist es noch mehr – ein Weg, zu überleben. Thomas Paschen spricht in dieser Folge sehr offen über seine Geschichte. Über Missbrauch in der Kindheit, über die Folgen von Trauma und Depression und darüber, wie schwer es für ihn bis heute ist, sich mit anderen Menschen auszutauschen. Deshalb hatten wir auch ein besonderes, etwas experimentelles Aufnahme-Setting. Entstanden ist ein schonungslos ehrliches Gespräch über Schmerz, Scham und die langen Schatten traumatischer Erfahrungen – aber auch eines über Hoffnung, Selbstbegegnung und die unglaubliche Kraft der Natur ... Selbst wenn dein eigenes Leben keine Dunkelheit kennt, lege ich dir diese Folge sehr ans Herz. Weil sie berührt und eine sehr wertvolle Perspektive aufmacht. Weil sie einen Beitrag leisten kann, Andere und damit das Leben besser zu verstehen. Und natürlich macht sie (wie immer) Lust auf draußen.
Triggerwarnung: In dieser Folge sprechen wir über sensible Themen wie sexuellen Missbrauch in der Kindheit, Traumafolgen, Depression und psychische Belastungen. Wenn dich solche Inhalte stark belasten könnten, überlege bitte, ob du diese Folge im Moment hören möchtest oder sie zu einem späteren Zeitpunkt hörst.
Wenn du selbst von Gewalt oder Missbrauch betroffen bist oder unter starken psychischen Belastungen leidest, musst du damit nicht allein bleiben. Hilfe findest du zum Beispiel bei der „Telefon-Seelsorge” (kostenlos, anonym, rund um die Uhr) unter 0800/1110111 bzw. https://www.telefonseelsorge.de, beim „Hilfeportal Sexueller Missbrauch” unter 0800/2255530 bzw. https://www.hilfe-portal-missbrauch.de oder der „Nummer gegen Kummer” (für Kinder und Jugendliche) unter 116111 bzw. www.nummergegenkummer.de
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// Outro-Song: Dull Hues by Lull (audiio.com)
Transkript anzeigen
00:00:00: wie ich dann den Mount Baden-Powell hochgeklettert bin.
00:00:03: Und oben auf dem Bergkam, auf der Gipfelhöhe, dann völlig ausgepowert, völlig außer Atem weil ich bin den letzten Teil durch den Schnee einfach geradewegs hoch so schnell es nur irgendwie geht damit ich eben erst gar nicht an meine Höhenangst denke.
00:00:21: und oben angekommen mache ich mir meine Höhnangst dann erstmal wieder bewusst und sehe rechts und links den Abgrund Aber eben auch diese atemberaubende Schönheit.
00:00:33: Ich war ganz alleine, es war kein anderer Wanderer zu sehen und zu hören.
00:00:37: Rund um sah man einfach nur diese Gipfel, diese Berge Und das war so ein erhabenes Gefühl Ein stolzes Gefühl auch Was bei mir auch so schwer fällt dieses Gefühl von Selbstbewusstsein, von Stolz.
00:00:54: Das war so'n unfassbarer Moment mir nicht nehmen kann, der für immer bleibt.
00:01:15: Moin hallo und herzlich willkommen bei Freiraus dem Podcast für mehr Freiheit und Abenteuer in unserem Leben.
00:01:22: ich bin Christo, Christoph Förster und ich habe heute eine Folge für dich die dich bewegen wird da bin ich mir ziemlich sicher.
00:01:30: wir sprechen heute Themen an durchaus harter Tobak sind.
00:01:37: Wir sprechen aber auch und vor allem am Ende über die unglaubliche Kraft der Natur, über die therapeutische Kraft der natur auch.
00:01:45: Über das Phänomen dass da draußen einfach eine neue Verbindung
00:01:52: entsteht
00:01:53: nicht nur zwischen uns und der
00:01:56: Natur
00:01:57: sondern auch eine neue verbindung zu uns selbst entstehen kann ganz generell, aber zum Beispiel auch wenn diese Verbindung durch ein Erlebnis in der Vergangenheit gestört oder vielleicht sogar zerstört wurde.
00:02:12: Ich habe heute jemanden zu Gast eine krasse Geschichte hat, der eine sehr
00:02:17: bewegende
00:02:18: Geschichte hat und der von dieser Kraft der Natur zu berichten weiß.
00:02:23: Er weiß aber auch von Erlebnissen zu berrichten die zu viel Dunkelheit in seinem Leben geführt haben.
00:02:28: und deshalb an dieser Stelle direkt ein wichtiger Hinweis wir sprechen in dieser Folge über sensible Themen wie sexuellen Missbrauch in der Kindheit über Trauma über Depression.
00:02:39: wenn sich solche Inhaltestark belasten
00:02:41: könnten
00:02:42: Dann entscheide bitte bewusst, ob du diese Episode jetzt hören möchtest.
00:02:47: Wenn du selbst Unterstützung brauchst dann findest in der Beschreibung dieser Podcast Folge Informationen zu entsprechenden Hilfsangeboten.
00:02:52: Aber nochmal diese Folge erzählt auch davon wie die Natur, wie das Wandern, wie Outdoor für meinen Gesprächspartner zu einem Weg geworden ist mit den Erfahrungen, die er gemacht hat umzugehen.
00:03:05: Ich habe heute Thomas Paschen zu Gast.
00:03:08: Thomas hat mich angeschrieben und mir ohne weiteren Kommentar ein PDF geschickt, und zwar eine Zusammenfassung von einem Buch das er geschrieben hat – und jetzt selbst veröffentlicht!
00:03:24: Dieses Buch heißt Depression Ein Leitfaden mit D geschrieben.
00:03:30: Ich habe da reingelesen und das hat mich sofort berührt, was er da geschrieben hat.
00:03:38: Wie er es geschrieben hat?
00:03:40: Es ist ein sehr persönlicher Bericht eines Betroffenen dem in der Kindheit Traumatisches widerfahren ist, der sehr schwer zu kämpfen hat mit Depression, mit Dunkelheit in seinem Leben der aber in dem Wandern im Natur erleben für sich etwas entdeckt hat, das ihm Hoffnung gibt und sein Leben besser gemacht hat.
00:04:03: Heute noch täglich besser
00:04:05: macht.".
00:04:06: Ich habe Thomas dann zurückgeschrieben und hab ihn gefragt ob er sich vorstellen könnte ein Podcast-Gespräch aufzuzeichnen Weil ich es ein unglaublich interessantes Thema finde, gerade für Außenstehende.
00:04:21: Also für Menschen die selbst keine traumatischen Erlebnisse hatten in ihrer Kindheit oder wann auch immer im Leben.
00:04:28: Menschen die keine Depression haben aber genauso für Menschen deren Leben auch von Dunkelheit geprägt ist und in deren Leben zumindest Dunkelheid immer mal wieder auftaucht.
00:04:43: Thomas hat mir geantwortet und geschrieben, ich würde es total gerne machen.
00:04:47: Aber weiß was?
00:04:48: Ich kann nicht!
00:04:50: Ich habe solche sozialen Ängste dass ich kein Gespräch führen kann mit dir aber ich hab eine Idee Was ich anbieten
00:05:02: kann?!
00:05:03: Ich kann Antworten einsprechen auf das was du wissen möchtest.
00:05:07: Das ist kein Problem Geht's leider nicht.
00:05:11: Ich habe dann kurz darüber nachgedacht, wie wir das technisch hinkriegen können.
00:05:17: ich hab Thomas ein Mikrofon geschickt und gesagt komm lass uns das doch als Experiment mal so machen weil ich es gerne machen möchte Und deshalb ist dieses Gespräch etwas anders.
00:05:30: Weil wir es nicht direkt geführt haben, sondern weil Thomas eben seine Antworten eingesprochen hat – dafür meinen allergrößten Respekt einmal für seine Offenheit, weil die allermeisten Menschen aus total verständlichen Gründen darüber nicht sprechen!
00:05:46: über das, über was Thomas heute spricht.
00:05:50: Und auch Thomas – das ist ja ein hervorragendes Beispiel – ist es nicht möglich in Gespräch wirklich darüber zu führen zumindest in der Form mit jemandem den er nicht kennt.
00:06:02: und deshalb ganz, ganz herzlichen Dank dafür dass er nach Möglichkeiten gesucht hat, dass das eben doch nach draußen dringend kann das was er zu sagen hat.
00:06:14: Dann großen Respekt dafür, wie er es gemacht hat.
00:06:18: Ich weiß sehr gut, wie das ist alleine vor dem Mikrofon zu sitzen und da reinzusprechen ohne dass es jetzt total monoton, total langweilig würde ich aber auch schon hunderte von Podcast-Folgen aufgenommen und tu mir's nicht wirklich Schapo!
00:06:36: Es bleibt aber natürlich nicht aus, dass du hören wirst.
00:06:39: Dass wir uns nicht direkt gegenüber sitzen sondern diese Fragen bzw Antworten separat eingesprochen haben.
00:06:46: Ich hoffe, du hast Verständnis dafür und hörst dir dieses Gespräch wirklich an.
00:06:54: Wir brauchen ein bisschen um zum Natur, zum Autor erleben zu kommen, zum Wandern, zur Erzählung von Thomas z.B.
00:07:02: von Fernwanderwegen in Schottland und den USA aber auch von Wanderungen vor seiner Haustür.
00:07:10: Dass es ein bisschen dauert bis wieder hinkommen, liegt daran dass ich von Thomas erst mal erfahren wollte worüber sprechen wir hier eigentlich.
00:07:18: Also in welcher Form hat er einen Trauma erlebt?
00:07:22: Was ist geschehen in seiner Kindheit?
00:07:25: was bedeutet das für seinen Alltag heute für sein Leben gerade weil eben ich habe das schon gesagt nicht betroffene Menschen oft eine sehr unzureichende Vorstellung davon haben?
00:07:38: Normalerweise würde ich an dieser Stelle jetzt überleiten.
00:07:40: zu der kurzen Werbeunterbrechung.
00:07:42: Halte das aber in der heutigen Folge nicht für angemessen und deshalb lassen wir die Werbung in dieser Folge weg, trotzdem atmen wir aus anderen Gründen heute noch einmal kurz tief durch bevor wieder nach eingehen in das in Anführungszeichen Gespräch mit Thomas Paschen.
00:08:23: Thomas, ich habe im Intro schon erzählt dass du ein Buch geschrieben hast selbst veröffentlicht Das heißt, Depression ein Leitfaden.
00:08:32: Es ist ein sehr persönliches Buch das auch kein Lektor oder Elektoren in einem Verlag redigiert hat.
00:08:39: Das ist sehr authentisch aus deiner persönlichen Perspektive herausgeschrieben.
00:08:45: Ich werde in dem Newsletter der diesen Podcast begleitet und nochmal hinweisen auf dieses Buch.
00:08:50: Diesen Newsletter kann man abonnieren wenn man es noch nicht getan hat unter christophörster.com und ich werde am Ende dieser Folge auch nochmal darauf hinweisen wo man dann dieses Buch bekommen kann.
00:09:02: Du schreibst offen darüber, dass du als Kind missbraucht wurdest.
00:09:06: Ich finde es wichtig das wir das gleich zu Beginn einmal ansprechen weil ich das Gefühl habe, dass er sonst wie so ein Elefant im Raum beziehungsweise im Gespräch stehen würde.
00:09:17: diese Frage was ist denn passiert?
00:09:20: Du entscheidest natürlich ob und wie du darauf antwortest aber ich will die Frage gleich zu beginnen stellen Was ist dir passiert?
00:09:28: Ja, hi!
00:09:29: Wahrscheinlich hast du recht.
00:09:30: Man kann nichts Besseres machen als diesen fetten Elefanten direkt erstmal rauszuschicken bevor er hier alles kaputt macht.
00:09:38: ja und Da ich ja über die letzten Jahre Jahrzehnte schon so viel darüber geschrieben und darüber gesprochen habe Darüber sprechen musste Ist das auch schon irgendwie eine Art Routine geworden?
00:09:52: Auch wenn das grausam ist das so auszudrücken und dass so aus zu sprechen weil das Thema an sich, dass was mir passiert ist niemals und nirgendwo zu irgendeiner Art von Routine werden sollte.
00:10:09: Also ich bin als Kind vergewaltigt worden.
00:10:17: Und nochmal egal wie oft und egal wie viel Ich über die Jahre darüber schon gesprochen habe Jedes Mal jedes einzige mal wenn ich es ausspreche Ist das erneut irgendwie eine Art Hürde, die übersprungen werden muss?
00:10:33: Ein Kraftakt der aufkommt aber ein gesunder Kraftakt.
00:10:40: Es ist immer wieder eine kleine Art von Therapie, eine therapeutische Willkung diese Tatsache auszusprechen und es hat nichts damit zu tun sich immer wieder da rein zu versetzen immer wieder zurückzufallen in vergangenes nein mittlerweile eine gesunde Art von Distanz zu dieser Vergangenheit auf mich ganz persönlich bezogen, so dass ich eben darüber sprechen kann.
00:11:09: Also ich war damals zwölf Jahre alt als die Übergriffe begonnen haben und im Ganzen hat sich das über fast drei Jahre gezogen.
00:11:24: Ja, immer wieder wenn ich auch das ausspreche dann schüttel' ich selber mit dem Kopf und versetze mich in Leute die zuhören.
00:11:31: Und die sich fragen ja warum denn?
00:11:34: Wie kann es sein dass so über so einen langen Zeitraum passiert?
00:11:39: Und hat er nichts dagegen getan?
00:11:42: oder hat sie nichts dagegen getan?
00:11:44: Warum haben Sie nichts dagegengetan?
00:11:48: Ja egal wie oft und wie intensiv man darüber nachdenkt kann es immer wieder nur auf den Punkt herunterbrechen, ich war ein Kind.
00:11:59: Egal in welchem Alter, egal welche Person Opfer von sexualisierter Gewalt wird sie oder er ist nicht schuld Sie oder Er ist nicht verantwortlich und es gibt kein falsches Verhalten in diesen Situationen.
00:12:20: der Betroffenen Person reagiert in dieser Situation, ob sie sich wehrt.
00:12:28: Ob Sie Gewalt mit Gegengewalt beantwortet?
00:12:32: Ob Sie flüchtet wegrennt oder wie es in den meisten Fällen leider ist... ...ob sie erst start und sich hilflos gefühlt ausliefert.
00:12:46: Es gibt nicht das richtige und nicht das falsche Verhalten.
00:12:50: Diese Schuld diese Verantwortung liegt immer beim Täter oder bei der Täterin.
00:12:57: Ich merke gerade, ich fange direkt wieder an hier zum Aktivisten zu mutieren und zum Sprecher der Betroffenen.
00:13:04: damit höre ich jetzt ganz schnell mal wieder auf.
00:13:06: aber es ist eben so dass man ganz schnell von allen Seiten hinterfragt wird ja warum hast du nicht dies?
00:13:13: Warum hast Du nicht das?
00:13:15: Ich war ein Kind!
00:13:18: Wann hast Du zum ersten Mal gemerkt, dass dieses Trauma Dich wirklich langfristig prägen wird.
00:13:25: Puh,
00:13:25: ich glaube diese Feststellung habe ich gemacht direkt am Morgen nach dem finalen Übergriff.
00:13:36: Nach der tatsächlichen Vergewaltigung in der Nacht davor.
00:13:40: Ich habe bis heute keine wirkliche Erinnerung mehr also keine Ahnung mehr wie ich am nächsten Morgen oder auch in der nacht ich weiß es nicht wann ich zurück nach Hause gekommen bin Also wie ich den Weg bestritten habe, zurück nach Hause.
00:13:56: Wie ich zuhause ankam und was sich dann getan habe.
00:13:59: Ich weiß nicht ob mich jemand in Empfang genommen hat Ob mich jemand gesprochen hat Was mit mir besprochen wurde.
00:14:07: Die erste Erinnerung die ich habe Nach diesem Übergriff ist dass ich In meinen tatsächlichen Kokon kann man es fast nennen Also ich hatte damals ein Zimmer bei uns im Haus Im Keller.
00:14:21: Es war ein ehemaliger Heizungskeller.
00:14:23: Für die Situation, für den Schutz und für die Rettung war es der perfekte Ort dunkel zurückgezogen nur ein ganz winziges Fenster Und ich zog mich zurück.
00:14:35: Ich weiß dass ich mich eingeschlossen habe das Licht ausgeschaltet habe Dass ich mich hingelegt und zusammen gekauert habe wie ein Embryo in Embryonalstellung dass ich es ganz intensiv gespürt habe, das der Mensch, der ich bis gestern noch gewesen bin.
00:15:02: Dass sich dieser Mensch nicht mehr war.
00:15:04: Irgendwie war... war ich nur noch eine Mischung aus Hülle und abgetrennt von dieser Hülla, von meinem Körper den ich als diesen Nicht-mehr wahrgenommen habe, stand ich irgendwie tatsächlich neben mir.
00:15:20: Also, das ist eine Art von Dissoziation.
00:15:23: Dass Körper und Geist sich voneinander trennen um gewisse Dinge überhaupt aushalten und überleben und überstehen zu können.
00:15:31: Ich weiß dass ich auf mich herabschaute Und diese Verbindung einfach nicht mehr da war zwischen meinem Körper und meinem Geist.
00:15:39: Das ist auch heute immer noch der Fall und wahrscheinlich einer der größten Faktoren warum vieles noch nicht funktioniert Warum ich noch viel Körpertherapeutische Arbeit vor mir habe und neben der Tatsache, dass ich das Licht im Außen ausgeschaltet hatte um in Sicherheit und unentdeckt zu sein.
00:16:00: Habe ich gespürt, dass eben in mir der Täter ebenfalls dieses Licht ausgeschaltet hatte?
00:16:07: Es war nur noch Dunkelheit da!
00:16:10: Kein Mensch, kein kleiner Junge, kein abenteuerlustiger kleiner offener Mensch dem dem die Welt nicht groß genug sein konnte.
00:16:22: Das war alles nicht mehr existent!
00:16:25: Von diesem Moment an wusste ich, dass dieser Schalter umgelegt wurde und das lange, lange, Lange nichts mehr sein würde wie es war – und das ist es bis heute.
00:16:38: In Fällen von Missbrauch sprechen Opfer eigentlich immer von tiefen Charmegefühlen.
00:16:43: Woher kommt dieses Charmgefühl?
00:16:46: Kannst du das jemandem beschreiben der das nur von außen betrachtet, also der das selbst nicht nachempfinden kann?
00:16:54: Weil die Gesellschaft im Ganzen nun mal so agiert und reagiert wie sie es tut.
00:17:01: Daraus entsteht in erster Linie das Gefühl von Scham-und-von-Schuld bei den Betroffenen Personen!
00:17:10: Weil nahezu alle Verantwortung- und Fehlverhalten bei den Getroffenen gesucht werden….
00:17:17: Es werden Vorwürfe gemacht, es wird hinterfragt.
00:17:21: Die Betroffenen werden behandelt und angesehen als wären sie TäterInnen!
00:17:29: Als wären Sie die verantwortlichen Personen für das was passiert ist.
00:17:33: Und neben dieser Tatsache also der Ansicht oder dem Gefühl dass man gesellschaftlich etwas falsch gemacht haben könnte Ist es natürlich ganz einfach darauf bezogen was sexuell passiert ist.
00:17:51: Ich meine ganz konkret bei mir als Kind kann man diese ganzen Dinge und Zusammenhänge, und was abgelaufen ist ja gar nicht einordnen!
00:18:02: Man hat einfach gar keinen Bezug zu Sexualität.
00:18:06: das ist auch nochmal Eingrund dafür dass man in dem Alter vielleicht nicht so reagiert wie man es als erwachsener rückblickend sich gewünscht hätte.
00:18:17: Ich meine, ich hab heute auch immer noch ab und zu diese Situation wo ich in die Situation zurückfalle mich erinnere mich in die Begebenheiten tatsächlich nochmal versetze.
00:18:30: das lässt sich nie ganz vermeiden dass es immer mal wieder passiert gedanklich aber dass ich so wütend werde und frustriert bin über mich selbst so und so gehandelt habe, aber ich wusste eben damals nicht was passiert da.
00:18:55: Ist das richtig?
00:18:56: Ist es normal was hier passiert wie dieser Mensch sich verhält?
00:19:02: Ich glaube jeder Mensch hat etwas... ich weiß nicht ob es eine wirkliche Definition dafür gibt oder wie man es nennen könnte.
00:19:12: Jeder Mensch hat ja von Grund auf Urvertrauen.
00:19:16: Jedes Baby, das auf die Welt kommt vertraut auf die Liebe seiner Mutter.
00:19:21: In erster Linie der Vater kommt später dazu auf die Liebe und die Zuneigung seiner Eltern.
00:19:28: Es sieht es einfach als selbstverständlich an dass die Eltern ihm nur Gutes wollen Dass die Eltern es lieben.
00:19:39: Dieses Urvertrauen wird über die Zeit bei Menschen Bei Kindern in der Entwicklung in der Jugend später in der Pubertät oder als Erwachsene ganz egal wann, die Sozialisierung, die Socialisation der Menschen.
00:19:52: Der ganze Ablauf durch das ganze Leben hindurch ist ja geflastert von Dingen, die uns passieren.
00:20:00: Dingen, wie wir tun, Dinge, die wir erleben, Dinge die wir überleben und es werden Situationen aufkommen.
00:20:06: Es werden Dinge passieren, in denen unser Vertrauen enttäuscht wird In denen verletzt werden, sei es physisch oder eben psychisch.
00:20:16: Oder beides.
00:20:17: Es fällt ja meistens beides zusammen.
00:20:18: irgendwie ist letztendlich alles psychosomatisch.
00:20:21: aus diesen Erfahrungen heraus sammeln Menschen einerseits Stärke und Kraft Widerstandskraft die sogenannte Resilienz Und gleichzeitig wird aber auch dieser diese Schutzhaut die das Urvertrauen darstellt wird immer wieder ein Stückchen abgebaut, angeritzt durchbrochen wie man es auch immer nennen möchte.
00:20:47: Durch eben Erfahrungen, durch Enttäuschung und so weiter.
00:20:50: Vertrauen fehlt irgendwann.
00:20:53: Angst ist da anstatt Vertrauen oder Zuversicht.
00:20:56: Und ich glaube für dieses Konstrukt Für diesen Schutzwahl Oder für Resilienz Ist der größte Feind Die größte Katastrophe die passieren kann ist sexualisierte Gewalt.
00:21:12: Ist ein Übergriff auf deinen Körper, auf deine Hülle, auf deinen Kokon?
00:21:18: Wenn dieser Schutzwall durchbrochen wurde – ungewollt!
00:21:22: Dann hast du danach….
00:21:24: Du hast diesen Schutz nicht mehr.
00:21:27: Ich glaube überlebende von sexualisierter Gewalt und Vergewaltigung oder was auch immer können mit der Zeit über Jahre.
00:21:34: es wird dauernd.
00:21:38: Aber ich glaube, wenn man wirklich dran bleibt.
00:21:40: Wenn man an sich arbeitet und die Hoffnung nicht verliert dann ist man in der Lage diesen Schutzwall in irgendeiner Form wiederherzustellen also nicht so stabil und so dick und so perfekt ausgestattet wie er von Natur gegeben war aber wir können eine Art Schutzball wieder herstellen.
00:22:00: Weil eben durch diese Taten dieser Schutzwelle so durchbrochen wurde stehen wir quasi Metaphorisch nackt da.
00:22:08: Und wenn du dir vorstellst, du läufst jetzt nackт durch die Einkaufsstraße, du stehst mitten auf dem Marktplatz bist vielleicht noch wie man sich das eben vorstellt Wenn einem sexualisierte Gewalt angetan hat Man fühlt sich schmutzig, man fühlt dich dreckig.
00:22:23: Es gibt nichts ekelhafteres.
00:22:25: So stehst Du Auf dem Markt Platz und du realisierst Wie du dort stehst?
00:22:32: Die Menschen um dich herum starren und gassen, lachen und schmunzeln, schütteln den Kopf angeekelt.
00:22:41: So ist die Vorstellung!
00:22:42: Es gibt natürlich in der Gesellschaft Menschen, die so reagieren.
00:22:45: aber grundsätzlich ist das eben die Horrorvorstellung wie sie vor dem inneren Auge abgespielt wird als Betroffener, als Überlebender.
00:22:55: Und aus dieser Vorstellung, aus dieser Tatsache kann ja nur Charme entstehen.
00:23:02: Solange bist du wirklich intensiv damit arbeitest, an dir arbeit ist, therapeutisch mit allen möglichen Mitteln die irgendwie ausprobiert werden können um aus diesem Scham und Schuldgefängnis ausbrechen zu können.
00:23:19: Auch ich bin da heute immer noch nicht völlig frei von mich beschämt oder schuldig zu fühlen weil mir meine Lebenssituation im Ganzen immer wieder vor Augen führt was dazu geführt hat, dass ich heute da stehe wo ich stehe.
00:23:37: Dass vieles nicht funktioniert das sich bei vielen Dingen einfach so extrem eingeschränkt bin immer noch vor allem in Bezug auf soziale Interaktion, auf Kontakt mit Menschen, auf Gesellschaft Auf all diese Dinge.
00:23:55: und wenn ich mich zwischendurch dann mal wieder in solchen Gedanken Karussells verliere Warum bin ich wie ich bin, warum kann ich das und dies nicht?
00:24:04: Dann entsteht auch kurzzeitig mal wieder dieses Scham- und Schuldgefühl.
00:24:10: Aber durch so viele therapeutische Aktionen und Wege und Mittel die über die ganzen Jahrzehnte ausprobiert habe all diese therapeutischen Wege haben mich immer wieder kleine Schritte weiter gebracht Kann Ich heute grundsätzlich sagen dass ich eben Nicht schuld Bin.
00:24:30: Und ich kann heutzutage mittlerweile in den Spiegel schauen und mich an dem Menschen erfreuen, den ich sehe.
00:24:37: Du schreibst darüber dass dein Körper dauerhaft in einer Art Alarmzustand ist?
00:24:42: Wie fühlt sich das im Alltag an?
00:24:44: und wie zeigt sich es im Alltag?
00:24:48: Wie führt sich dieser Alarm-Zustand an?
00:24:51: Stell dir vor du wirst ohne Vorwarnung in ein Löwengehege geschmissen.
00:24:57: Da kann sich jeder normal denkende Mensch vorstellen, wie er sich vielleicht fühlen würde in dieser Situation.
00:25:04: Du bist plötzlich ausgeliefert.
00:25:08: Raubkatzen!
00:25:09: Du hast keine Chance egal was du tust.
00:25:12: Du kannst nicht kämpfen, du kannst nicht gewinnen gegen einen Löwen.
00:25:18: Er wird dich zerfleischen, er wird dich fressen.
00:25:22: Dieses Bild... Die wollen mich zerfleischern die wollen mich fressn Die wollen mir nichts Gutes.
00:25:30: Die möchten meiner Gesundheit schaden.
00:25:33: Dieses Gefühl, diese Voraussicht ist chronisch präsent in meinem Organismus.
00:25:41: Meine Amygdala ist chronig auf Party!
00:25:45: Macht eine chronische durchgehende Goa Techno-Hardbase-Party... Die Amygdalas sind ja grundsätzlich dafür zuständig wie wir auf Gefahrensituationen reagieren, wie wir emotional auf Dinge reagieren.
00:26:00: Womit kann man das vergleichen?
00:26:01: Ein Rehe, dass auf irgendeiner Lichtung steht und Rehe... Wir kennen das alle!
00:26:06: Wie sie zucken, wie sie gestresst und hektisch wirken weil chronisch hoher Blutdruck, chronische Anspannung, weil es Fluchttiere sind So ist das tatsächlich durchgehend.
00:26:18: Also sobald ich meine Wohnung verlasse mein sicheren Ort, mein Nest ist diese Funktion aktiviert.
00:26:28: Sobald sich die Tür hinter mir schließt, befinde ich mich auf feindlichem Gebiet im Kriegsgebiet und alle Menschen da draußen sind feindliche Soldaten und Ich bin unbewaffnet.
00:26:41: Daher gibt es bei mir auch keinen Moment oder keine Situation wirklich in der ich merke dass mein Nervensystem über reagiert weil Mein Nerven System ja ständig in Überreaktion sich befindet.
00:26:55: Es gibt da keinen Pegel mehr, der nach oben ausschlagen kann und gefühlt.
00:26:58: Bei dieser generalisierten Angststörung, Sozialphobie ist das Dilemma eben dass auf alle Menschen bezogen ist.
00:27:09: Es gibt ja auch überall, es ist alles ganz individuell.
00:27:12: bei jedem Menschen zeigt sich diese Sozialphobia, zeigt sich die Angststörung auch nochmal anders.
00:27:20: Bei mir ist das eben wirklich so dass jeder Mensch eine Gefahr darstellt.
00:27:27: Da kommt schnell ein Schuldgefühl auf, weil ich möchte ja nicht jedem Menschen zuschreiben das er böse ist, dass er mir Böses will.
00:27:36: Das tue ich gleichzeitig ganz und gar nicht!
00:27:38: Ich bin ein sehr wohlwollender Mensch der eigentlich... ...das ist, ich bin ein wandelndes Paradoxon.
00:27:48: Ich glaube eigentlich wirklich noch trotz all dem Wahnsinn und all dem was mir schon passiert ist, glaube ich als erstes Angutes in Menschen.
00:27:58: Und ich möchte vertrauen!
00:28:01: Aber dieser heftige innere Anteil in mir der dadurch entstanden ist was passiert ist... Der stülpt eben allem immer erst Angst Panik und Vorsicht über.
00:28:14: Wodurch ich den meisten Menschen erst gar keine Chance geben kann,
00:28:20: wenn wir über Beziehungen zu anderen Menschen sprechen.
00:28:23: Ich weiß dass du da große Ängste hast, deswegen führen wir unter anderem dieses Gespräch so wie wir es führen nämlich nicht direkt miteinander.
00:28:34: inwiefern beeinflusst ein Trauma deine Beziehung zu anderen menschen?
00:28:37: Ja das beeinflußt meine Beziehunge zu Menschen extremst!
00:28:42: Wie ich sie ja gerade schon gesagt habe ich bin nahezu gar nicht in der Lage überhaupt auf Menschen zuzugehen, Nähe zu Menschen zuzulassen.
00:28:52: Also auch zuzulassen dass andere Menschen mir nahe kommen und dadurch führe ich im großen und Ganzen ein ziemlich isoliertes Leben.
00:29:05: Ich habe eigentlich über die Jahre so traurig das ist wenn man das ausspricht nur Menschen kennengelernt.
00:29:12: Wenn ich mich in Kliniken befunden habe, therapeutisch.
00:29:17: Ansonsten in der freien Wildbahn?
00:29:20: Natürlich wenn ich unterwegs war auf Trails hab' ich auch Menschen kennengelernt, Menschen getroffen aber das waren eben alles kurze schöne Begegnungen die nicht bleiben waren.
00:29:32: Das ist eben das was mir möglich ist Was gut funktioniert.
00:29:37: Ein kurzes Treffen Niemand taucht tief ein niemand dringt unter meine Schutzhülle Ein bisschen Hallo, ein paar Sätze die man wechselt.
00:29:47: Einen kurzen Moment den man miteinander verbringt und das bleibt eine schöne und leichte Erinnerung weil aus Erfahrung aus längerer Verbundenheit immer Schmerz-und Enttäuschungen entstanden ist.
00:30:03: egal wann ich mich wo näher intensiver an einen anderen Menschen herangewagt habe ist daraus nur Schmerz und Enttäuschung entstanden.
00:30:13: Letztendlich!
00:30:14: Viele schöne Momente, aber letztendlich schmerzhaftes Auseinandergehen.
00:30:20: Natürlich gehören immer zwei Menschen dazu oder welche Menschen auch in Verbindung standen Es gehören alle Beteiligten dazu.
00:30:29: Aber ich gebe dann doch bei diesen Begebenheiten mir und meiner gesundheitlichen Verfassung die Hauptschuld weil ich eben so schlecht ausgestattet bin, mit Möglichkeiten sozialer Interaktion und bringe Schwere in Leben denen ich eigentlich Leichtigkeit geben möchte.
00:30:51: Wo es vielleicht auch mit Leichtigheit begonnen hat aber dann doch mit der Zeit umgeschwenkt ist zu der schwere und und Dunkelheit die mich nun mal begleitet gerade die Menschen die mir sehr wichtig sind und wie es nun mal in erster Linie die eigene Familie ist, dass es genau bei diesen Menschen am schwierigsten ist überhaupt den Kontakt herzustellen.
00:31:16: Geschweige denn zu halten!
00:31:18: Meine Geschwister, meine Neffen, meine Nichten – das sind die Menschen von denen ich mich am weitesten entferne.
00:31:26: nicht weil ich sie nicht mag sondern gerade weil ich Sie mag von meiner Anwesenheit, vor meiner Schwere beschützen möchte.
00:31:37: Und das zerreißt einen dann innerlich doch immer mal wieder wenn man sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt.
00:31:44: Weil nunmal immer mal wider Situationen auftreten.
00:31:47: Jedes Jahr finden Geburtstage statt jedes Jahr ist Weihnachten jedes Jahr Ostern.
00:31:52: all diese Feiertage sind unfassbare Herausforderungen für mich weil es mir immer wieder vor Augen führt dass ich nicht funktioniere wie funktionieren sollte.
00:32:04: Ich weiß tief in meinem Inneren, dass sich das noch ändern wird!
00:32:09: Ich weiß, dass ich niemals, niemals wieder ein Rampensau sein werde, dass mich niemals völlig unbeschwert im Umgang alltäglich mit allen Leuten sein werde.
00:32:18: aber ich weiß und möchte, dass dich das in Zukunft noch so weit entwickelt und verändert, Ich
00:32:32: habe auch das schon gesagt, als Außenstehender oder Außenstähende
00:32:36: ist es
00:32:37: so schwer sich vorstellen zu können was eine Depression oder ein Trauma für Betroffene bedeutet.
00:32:47: Wie würdest du das mir?
00:32:48: Oder auch anderen Außenständen erklären wie sich ein depressiver Tag anfühlt?
00:33:01: ist bei mir ja gar keine spezifischen Tage sind, an denen ich depressiv bin.
00:33:07: Sondern dass eben auch ein fassdurchgehender Zustand ist.
00:33:09: also durch diese depressiven Episoden die meist über Monate andauern Ist das eben ein langfristiger Zustand aber runtergebrochen auf einen Tag.
00:33:22: Es wird ja heute so inflationär gern mit Begrifflichkeiten um sich geworfen.
00:33:27: Also jeder is total depri wenn er mal irgendwie schlecht gelaunt ist und das macht einen schon wahnsinnig, wenn man tatsächlich betroffener ist von diesen Erkrankungen.
00:33:35: Von diesen schwerwiegenden Problematiken.
00:33:38: Also eine Depression ein depressiver Tag Ist nicht dass man sich mal eben depri fühlt.
00:33:44: also ich habe nicht Mal eben an diesem tag schlechte Laune Bin traurig oder wütend Oder oder bin bisschen kraftlos.
00:33:52: Das kann man Und darf man einfach nicht Verlöcherlichen und simplizieren, in einen Topwerfen.
00:34:00: Wenn dich ein Auto anfährt... Und du bist natürlich betrübt über diese Tatsache!
00:34:06: Du bist verletzt?
00:34:09: Du bist kraftlos?
00:34:10: Du ist eingeschränkt durch diesen
00:34:12: Vorfall?!
00:34:13: Eine Depression ist ein Güterzug der dich mit voller Wucht frontal überrollt.
00:34:22: Du liegst unter diesem Zug
00:34:25: Du
00:34:25: fühlst, wie er wieder und wieder über dich hinwegrollt.
00:34:29: Und mit jedem neuen Moment versuchst du aufzustehen, dich aufzuraffen.
00:34:34: Wartest das es vorbei ist!
00:34:36: Aber dieser Zug ist endlos gefühlt.
00:34:40: Du bist nicht in der Lage zu agieren oder zu reagieren.
00:34:44: Du kannst dich nicht bewegen, du bist träge, du wirst platt gewalzt.
00:34:49: Wenn man das nochmal mit dem Alltag irgendwie in Verbindung bringen möchte dann... Du stehst auf, also du wachst auf morgens in deinem Bett.
00:34:59: Du öffnest die Augen und das allein ist schon ein Kraftakt!
00:35:03: Aber dann die Vorstellung... ...das Bett zu verlassen, Schritte zu machen ins Badezimmer zu gehen, die Zähne zu putzen.
00:35:11: Diese kleinen nichtigen trivialen Dinge wirken einfach wie eine unfassbare Herausforderung Eine riesige Mauer, die übersprungen werden muss um dass zu schaffen.
00:35:25: Es gibt eben keine Kraft, keine Energie nur Lethargie und vor allem gibt es keinen Sinn.
00:35:34: das ist eben dieser Hauptaspekt während einer Depression!
00:35:53: Diese Frage, welchen Sinn habe ich überhaupt?
00:35:58: Diese Frage ist ständig da und hemmert vor dein inneres Auge.
00:36:03: Und sie wird nicht beantwortet!
00:36:04: Du findest einfach nichts Greifbares keinen Grund für deine Existenz.
00:36:12: Ich finde es eine wunderbare Botschaft das auch in der tiefsten Dunkelheit die du ja kennst In deinem Leben Irgendwann so ein Licht auftaucht Und das war für dich sehr, dass draußen sein.
00:36:27: Dass dich in der Natur bewegen.
00:36:29: Wann hast du gemerkt, dass dir das hilft?
00:36:32: Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht genau sagen!
00:36:35: Ich kann diesen Moment nicht erinnern, der mich dazu gebracht hat... ...der mich begeistert hat für das Wandern und fürs Outdoor da sein.
00:36:47: Komischerweise es gibt ein Leben bis zu den Taten Und dann gibt es ein zweites Leben eben ab den Taten.
00:36:56: Soweit ich mich erinnere, war der Junge der Mensch vor den Tanten einen kleinen Abenteurer für seine Größe.
00:37:08: Man kann sagen, ich war damals schon ein Goonie.
00:37:11: und wer die Goonies nicht kennt jetzt bitte sofort diesen Film ausleihen runterladen schauen!
00:37:19: Für jede Generation Für auch heute Kiddies schaut mit euren Eltern diesen Film an.
00:37:26: Etwas wertvolleres, hoffnungsvolleres Schöneres gibt es glaube ich nicht bis heute!
00:37:34: Also ich war glaube ich auch damals schon ein Goonie.
00:37:37: Ich bin draußen gewesen, wir haben...ich bin ja im Dorf aufgewachsen am Waldrand quasi und wir waren den ganzen Tag draußen.
00:37:46: Wir waren im Wald Wir haben Hütten gebaut, wir haben Baumhäuser gebaut.
00:37:50: Ich bin auf den Bäumen herumgeklettert... ich konnte nicht dreckig genug sein!
00:37:55: Ich konnte mir Kratzer und sowas zuziehen.
00:37:57: Es war alles egal.
00:37:58: Ich war da draußen, ich war frei und
00:38:02: ja ...
00:38:03: ich war einfach ein glückliches Kind!
00:38:06: Und dieses Abenteuer Natur, dieses Darausensein, dieses Verbundensein mit der echten natürlichen Welt wo Dinge vorhersehbar sind, wo man weiß was einen erwartet.
00:38:22: Wo man nicht enttäuscht oder verletzt wird ohne dass man damit rechnet Das war damals als Kind tief drin und vielleicht ist das dieser Kreis der sich nach all den Jahren wieder ein wenig geschlossen hat Dass ich mich zurück besinnt habe auf dieses Guni da sein dass mich der Guni niemals wirklich verlassen hat, weil Gunis never say die.
00:38:49: Ja so ganz konkret vor etwas über zehn Jahren war es dann der Fall das ich als erwachsener Mensch tatsächlich diesen Schritt gemacht habe in die Natur.
00:38:58: Ich bin auch in Deutschland damals schon spazieren gegangen wandern gegangen also so kleinere Wanderwege gegangen aber richtig intensiv fing das dann glaube ich an so um zwei tausend vierzehn, zweitausend fünfzehn als ich während der Umschulung, während der Ausbildung in der ich mich damals befand.
00:39:19: So recherchiert habe über über Wanderwege in Europa und in der näheren Umgebung was auch finanziell machbar war.
00:39:25: und da habe ich Schottland für mich entdeckt.
00:39:28: also die Begeisterung für schottland grundsätzlich war schon da aber dann eben auch Wandermöglichkeiten dort.
00:39:34: und das fing dann an mit dem meiner Meinung nach besten Einstiegswanderweg für Leute, die mehrtages Touren mal machen möchten.
00:39:42: Ausprobieren möchten!
00:39:43: Nämlich die West Highland Way.
00:39:45: Dort hingefahren mit dem Fernbus damals noch.
00:39:49: Achtundzwanzig Stunden Anreise Rücken kaputt und übermüdet ohne Ende.
00:39:55: Aber glücklich weil in Schottland Und durch diese anfänglichen kleinen Fernwanderwege Kleinen Reisen, die ich gemacht habe Stieg die Begeisterung und die Leidenschaft für das Wandern, für Outdoor, für Camping.
00:40:10: Für Wildnis immer weiter!
00:40:14: Was passiert mit deinem Gedanken wenn du gehst?
00:40:16: Wenn du wanderst?
00:40:17: Was mit den Gedanken passiert, wenn ich gehe?
00:40:19: Also ich glaube dass kannst Du auch ganz intensiv nachempfinden und nachfühlen... ...die verschwinden.
00:40:29: Es klingt so einfacher und es klingt quatschig aber sind ja nur kleine kleine Mikroabenteuer.
00:40:37: So, so wertvoll!
00:40:39: Also es sind kleine Schritte die du raus machst wenn du einen schweren Tag hast oder irgendwas und du sagst dir einfach ich gehe jetzt mal kurz vor die Tür Du gehst irgendwo hin setz dich auf eine Bank wo ein bisschen was Grünes wächst und atmest einfach mal tief durch Und lässt den Blick einfach nur über das grüne natürliche da draußen schweifen.
00:41:02: dann Lässt du für diesen Moment die Schwere und all den Ballast des Alltags zurück.
00:41:10: Und wenn du aus dieser Erfahrung, aus diesen Mikroabenteuern, aus diesem Mikromomenten, die schon Makro-Auswirkungen haben können weiterdenkst... ...und dann auch mal für ein paar Tage unterwegs bist, dann bist du einfach frei!
00:41:26: All das was immer noch Teil deines Lebens ist.
00:41:29: Du kannst es ja nicht völlig hinter dir lassen.
00:41:32: Aber für diesen Moment, für diese Zeit die du da draußen bist... Du bist verbunden!
00:41:37: Wo du in der kalten Zivilisation da draußen wo die hoch zivilisierten, hoch entwickelten Menschen umherströmen will, um herströme ohne Pause und ohne Unterlass, wo du durch so abgetrennt manchmal vielleicht auch fühlst wie ich in meiner Situation sowieso durch dieses Passierte.
00:41:56: aber man fühlt sich.
00:41:58: So viele Menschen, glaube ich.
00:41:59: Auch denen vielleicht kein traumatisches sonst was passiert ist fühlen sich nicht dazugehörig.
00:42:06: Fühlen sich wie so ein fünftes Rad am Wagen oder eben wie eine Schraube die nicht in dieses Getriebe passt.
00:42:12: Wenn wir rausgehen, fühlen wir das Wir passen.
00:42:17: Wir hinterfragen nicht mehr warum und ob wir wir passen einfach?
00:42:23: Wir sind einfach da!
00:42:26: Kannst du einen Moment in der Natur beschreiben, der besonders wertvoll war für dich?
00:42:30: Da gibt es natürlich unzählige Momente die mir da intensiv im Gedächtnis geblieben sind und ich könnte so vieles aufzählen.
00:42:38: Weil wenn ich tatsächlich da draußen bin dann sauge ich jeden jeden Moment auf!
00:42:46: Deshalb brauche auch immer unfassbar viel länger für bestimmte Wanderwege als also viele andere Menschen.
00:42:54: Viele andere Menschen sind dann darauf aus, den und den Weg in der und der Zeit zu schaffen.
00:43:00: Und überplanen und überorganisieren dann schon wieder alles.
00:43:04: Möchte ich auch niemandem vorwerfen.
00:43:06: Hike your own hike!
00:43:07: Weißt du ja?
00:43:08: Aber... Ich bin immer versucht alle, fast alle zehn Sekunden nahezu stehenzuleiben und entstaunen zu erstarren.
00:43:19: Ob der Aussicht.
00:43:20: Dann bleibe ich stehen und genieße das erstmal mache dann auch Fotos oder vielleicht auch Videos.
00:43:27: Deshalb ist auch ein großes Problem in meiner Organisation genügend Powerbank, genügt Energie und Kameragedöns und sowas immer mitzuschleppen.
00:43:36: also ich bin nur einen GoPro und iPhone Handy Fotograf und Videograph.
00:43:41: Ich nehme da kein großes Equipment mit aber die Energieversorgung ist doch schon ein Problem weil ich so viel aufnehmen und fotografieren möchte.
00:43:50: Aber das ist eben dass dieses dieses achtsame jeden Moment und jeden Ausblick aufzusaugen.
00:43:59: Und dadurch wird jeder Moment einfach so unfassbar wertvoll und besonders!
00:44:03: Da sind wir wieder bei Mikroabenteuern, du gehst vor die Tür, gehst irgendwohin gar nicht weit.
00:44:08: vielleicht hat es die letzte Nacht geregnet und jetzt kommt die Sonne ein bisschen durch und du fokussierst eine Blüte oder eine Pflanze, einen Grashalm irgendwas Und siehst, wie da noch ein Regentropfen drauf liegt und vielleicht langsam runterrollt, indem sich die Sonne bricht.
00:44:26: Das ist so schön was du dann in diesem Moment aufsaugen kannst an Natürlichkeit, an Ruhe und gesundem Dasein!
00:44:37: Das reicht schon für einen besonderen Moment den man sich speichern kann in seinem Glückstank Den wir übrigens alle haben und den wir immer wieder füllen müssen.
00:44:48: aber Natürlich gibt's da auf den Wanderungen, die ich gemacht habe schon wieder Momente.
00:44:52: Die dagegen dann schon wieder episch und einzigartig wirken!
00:44:56: Da gibt es so einiges wie zum Beispiel zum ersten Mal auf dem Pacific Crest Trail den Mount Baden-Powell hochgeklettert bin mit... Ich hab übrigens Höhenangst das nur noch mal so nebenbei auch rein Paradoxon aber ich bin eben ein Paradoxorn Wie ich denn den Mount Baden-Pawl hoch geklettert ben?
00:45:16: Und oben auf dem Bergkamm auf der Gipfelhöhe dann völlig ausgepowert, völlig außer Atem weil ich bin den letzten Teil.
00:45:26: Ich weiß nicht die letzten zwei Kilometer oder was auch immer steil hangen durch den Schnee einfach geradewegs hoch so schnell es nur irgendwie geht damit ich eben erst gar nicht an meine Höhenangst denke.
00:45:40: und oben angekommen mache ich mir meine Höhenangst dann erst mal wieder bewusst und sehe rechts und links den Abgrund, aber eben auch diese atemberaubende Schönheit.
00:45:52: Diese atemberaubenden Natur da oben... Ich war ganz alleine!
00:45:55: Es war kein anderer Wanderer zu sehen, zu hören Ein paar Raben die durch mich aufgeschreckt waren sind losgeflogen von einem Baum der da am Felsen wuchs Und rund um sah man einfach nur diese Gipfel, diese Berge.
00:46:12: Ein erhabenes Gefühl, ein stolzes Gefühl auch.
00:46:17: Was bei mir auch so schwer fällt dieses Gefühl von Selbstbewusstsein, von Stolz, sich selber für etwas loben und diese ganzen Dinge.
00:46:28: aber da in diesem Moment ich war so glücklich und so stolz dass ja Mir ist tatsächlich eine Träne über die Wange gekullert weil Ich das nicht wirklich fassen konnte, was ich da geleistet habe.
00:46:42: Viele Wanderer und Extremsportler sehen das natürlich dann auch vielleicht als nichts Besonderes aber so ist eben jeder anders.
00:46:49: Jeder hat seine eigenen Herausforderungen und für jeden ist etwas anderes anspruchsvoll und wertvoll.
00:46:56: Das war so ein unfassbarer Moment den man mir nicht nehmen kann der für immer bleibt und der den Glückstank um Einiges vollgepackt hat.
00:47:07: Was kann wandern, was Therapie nicht kann?
00:47:09: Ist ein bisschen provokante Frage.
00:47:11: Aber ich stelle sie ganz bewusst genauso.
00:47:14: Also das Wandern ist Therapie!
00:47:17: Es ist eine Form der Therapie.
00:47:19: Eigentlich ist alles, was wir tun womit wir uns entwickeln Alles mit dem wir an uns arbeiten ist Therapy weil das Wort Therapie sagt nichts anderes als Arbeit mit dir selbst oder Arbeit an dir selbst.
00:47:37: Also ist alles, was wir tun womit wir uns unseren körper unser wissen unserem geist entwickeln Ist eine form der therapie.
00:47:47: aber du meinst wahrscheinlich Was kann das wandern besser als die?
00:47:52: wie nennt man es konservative therapy also Gesprächstherapien medikamente antidepressiva oder was auch immer dazugehört.
00:48:01: ich möchte da nicht abfällig klingen in keinster weise würde ich das jemals tun weil All diese Dinge, die ich absolviert habe – alles was ich therapeutisch getan habe, also medizinisch-therapeutisch fachlich hat mich rückblickend weitergebracht.
00:48:17: Und gerade die Art der Therapie, die Form der therapeutischen Behandlung vor der ich die meiste Sorge hatte oder wo ich die größte Skepsis hatte eben Hypnotherapie.
00:48:29: Ich hab Hypnose eben immer wirklich für Hokus Pokus gehalten.
00:48:31: Ich kannte nur diese Art von Hypnase, die man im Fernsehen in den Medien gesehen hat, diese Show-Hypnose wo man Menschen dazu bringt zu Gackern wie ein Huhn oder ähnliches und ich wollte dem Ganzen aber dennoch eine Chance geben weil man sich mit der Zeit in seiner Situation auch an jede Möglichkeit an jeden Strohhalm klammert.
00:48:54: Und heute bin ich unfassbar glücklich dass ich das getan habe durch dieses extreme Festsitzen, durch diese so tief sitzende Trauma.
00:49:07: Diese Mauern die Betroffene um sich herum errichten, die man kaum durchbrechen kann vor allem nicht durch einfache Gesprächstherapien oder ähnliches und auch nicht mit Hilfe von Medikamenten in meinem Fall aber durch diese Hypnoseverbindung Von der ich dachte, dass sie bei mir nicht wirkt.
00:49:28: Weil ich zu mir selbst alles infrage stelle.
00:49:31: Gerade scheinbar bei Menschen die Zweifeln in Bezug auf Hypnose funktioniert sie am intensivsten und durch diese Hypnase konnte ich tatsächlich so viele Mauern in mir selbst einreißen, die überhaupt den Zugang zu bestimmten Dingen aus der Vergangenheit erst möglich gemacht haben.
00:49:52: Mir wurde so viel bewusst was im Unbewussten feststeckte.
00:49:56: Den Unterschied zu all dem, den die Natur macht, denen das Wandern macht... da weiß ich gar nicht wie ich das in Worte fassen soll!
00:50:05: Also der erste große Unterschied ist ja dass du dich nicht in irgendein Büro setzt, nicht auf irgendeinen Behandlungsstuhl setzt keine Happy Pill schluckst, die das alles in Gang bringt sondern dass du ganz allein, völlig eigenverantwortlich einfach losgehst.
00:50:29: Du gehst raus und es wird ruhig!
00:50:32: Du gehest raus und niemand erwartet etwas von dir.
00:50:35: du musst gar nichts tun als einen Schritt vor den anderen zu setzen.
00:50:40: das ist so in seiner Einfachheit so gigantisch dass es eigentlich keine erfolgreichere Art der Therapie geben kann.
00:50:51: völlig logisch und nachvollziehbar ist, dass das die wirksamste Therapie ist, die man sich vorstellen kann.
00:50:58: Vielleicht könnte man als Vergleich noch mal ganz stumpf sagen konventionelle Therapieformen sorgen dafür, dass du nach und nach wieder besser funktionierst?
00:51:09: Und es ist auch wieder nicht abfällig gemeint weil das Funktionieren zu einem großen Teil nunmal zu unserem Leben dazu gehört!
00:51:18: Das Wandern, das da draußen sein, dass in der Natur sein, das Freiheit atmen können sorgt dafür, dass du lebst.
00:51:26: Konventionelle Therapie sorgt dazu, dass das Funktionieren funktioniert und Outdoor bringt dich ins Leben.
00:51:33: Gibt es so Tage an denen die Natur dich wirklich aufhängt?
00:51:37: Ja absolut!
00:51:38: Also jeder Tag, der schwierig ist... der es notwendig macht, also eigentlich macht jeder Tag das ist notwendig.
00:51:46: Dass ich in die Natur gehe... Aber es gibt eben viele Tage an denen ich es nicht schaffe mich zu überwinden oder an denen die Möglichkeit auch gar nicht besteht in die natur zu gehen.
00:51:56: aber grundsätzlich jeder tag, an dem Ich In Die Natur Gehe rettet er diesen Tag!
00:52:04: Rettet sie diesen Tag.
00:52:07: Es wird eine Not gewendet wenn ich die Möglichkeit habe darauszugehen und durchzuatmen.
00:52:13: Es wird nicht immer alles gut.
00:52:15: Manche Tage haben zu viel Schwere, als dass sie mit einem kurzen Gang ins grüne Völlige Erleichterung bringen könnte.
00:52:24: Aber es erleichtert Immer!
00:52:27: Wir können nur so oft es irgendwie geht die kleinen Wunder sammeln und sie groß machen.
00:52:34: aber eine komplette Heilung ist eben glaube ich Utopie
00:52:39: Welche größeren Wanderungen hast du denn schon gemacht?
00:52:41: Und warum gerade die?
00:52:43: Also wenn es um die Aufzählung geht, ich habe den West Highland Way mittlerweile sechsmal absolviert.
00:52:49: Weil das eben der erste war und weil es immer wieder ein schöner in Anführungsstrichen Spaziergang ist und so eine Art nach Hause kommen, mittlerweile sich einstellt dort Und weil die schottischen Highlands eben einfach magisch sind.
00:53:06: Ich kehre immer wieder so gern dorthin zurück.
00:53:10: Schottland ist ist einfach mein Herzensland.
00:53:14: Und neben dem West Highland Way bin ich auch an vielen Ecken in Schottland schon rumgelaufen, rumgewandert ohne dass es einen offiziellen Trail eine offizielle Spur oder irgendetwas gab.
00:53:25: Ich habe über ne bestimmte Zeit auch ein Praktikum dort verbringen dürfen und bin in derzeit An vielen Eken herum gelaufen, an der Westküste, an den Ostküsten und in den Highlands Also in Schotland viel durch die Gegend gelaufen in Deutschland viel durch die Gegend gelaufen, viel auch an der Nordsee flach.
00:53:46: Weil bei mir ist das immer ein hin und her was meine größte Leidenschaft, mein grösstes Fäbel ist.
00:53:54: Es gibt Phasen da... Da sind es einfach die Berge und die Wälder, indem ich mich wohlfühle, die ich brauche.
00:54:00: aber dann gibt's auch immer mal wieder Phasene wo ich die Nordsee, wo sich die raue Luft der Nordsee und die Einfachheit der Gegend Wertschätze, also ich schätze sie immer wert.
00:54:12: Aber die Momente in denen ich genau das brauche und am dreckigen Nordseestrand am liebsten spazieren gehe eine Wattwanderung mache und einfach dass das Dünengras genieße und die Mürven schreien geniesse.
00:54:31: Und dann gibt es natürlich auch noch den Pacific Crest Trail sich mit Autor, wer sich mit Wanderwegen und Wandern beschäftigt.
00:54:45: Wer diesen Weg nicht kennt, wahrscheinlich kennen alle die großen Drei aus Amerika.
00:54:50: Die Triple Crown den Pacific Crest Trail, den Continental Divide Trail und den Appalachian Trail – das sind so die bekanntesten, die Stars weltweit glaube ich neben dem Terra Roa in Neuseeland noch!
00:55:04: Es gibt natürlich auch in Europa und auf allen Kontinenten gibt es unglaublich faszinierende Fernwanderwege, aber medial sind diese drei, glaube ich so die drei größten Größen.
00:55:16: Und damals als ich mich mit Schottland befasst habe und dann auch intensiver mit Fernwandern befasst hab war eigentlich mein erstes Ziel der Appellation Trail.
00:55:27: Als ich diese Informationen zu dem Trail gelesen habe, begeistert und es war atemberaubend, was ich da zu lesen und zusehen bekam.
00:55:38: Aber durch die Recherche zum Appalachian Trail kam dann eben auch die beiden weiteren Wege vor mein Auge und... Ich weiß nicht wann der Moment war aber als ich die ersten Videos und Aussichten vom Pacific Crest Trail entdeckt habe, war's glaube ich vorbei!
00:55:57: Als dieser Funke in mir gesetzt wurde Da gab es keinen Halten mehr.
00:56:03: Viele haben das belächelt und haben gesagt, hör doch auf damit!
00:56:06: Das ist doch utopisch, heraufzuträumen... Ich wusste, dass auch so ein Vorzug den ich habe – durch diese Entwicklung, durch das ganze Krankheitsgeschehen in meinem Leben – habe ich ausdauer gelernt zu warten und geduldig sein.
00:56:25: Diesen Trail habe ich nun mittlerweile zweimal besucht.
00:56:30: Beide Male musste ich leider vorzeitig abbrechen, beim ersten Mal durch einen Bandscheibenvorfall.
00:56:35: Beim zweiten mal durch ein Prozess in Deutschland für den nicht anwesend sein musste – also abbrechnen und zurückreisen musste.
00:56:42: Längere Geschichte auch zum Thema Opfer-Opferentschädigungsgesetz
00:56:47: usw.,
00:56:47: und so fort.
00:56:48: Ja, dadurch ist dieser Trail seit... ...zweitausendachzehn nun intensiver Teil meines Lebens Und vielleicht wird es ein zehnjähriges, bis ich zum dritten Mal dann dort hinreisen kann um dieses Abenteuer tatsächlich abzuschließen.
00:57:06: Weil ich habe aktuell tatsächlich extreme Probleme.
00:57:11: Ich möchte es mir gar nicht vorstellen jetzt aktuell so wie die politische Situation wie die Weltlage ist nach Amerika einzureißen.
00:57:19: Es fehlt einfach viel zu viel an der Leichtigkeit und an der Faszination Die der PCT für mich ausmacht.
00:57:27: Also ich werde noch eine Weile warten und hoffen, dass es dann vielleicht bis zum Jahr ist.
00:57:33: Meine allerguten Dinge sind drei auf dem Pacific Crest Trail.
00:57:37: Ist das Wandern?
00:57:38: Das Aufbrechen in die Natur?
00:57:41: Für dich
00:57:41: eher eine Flucht oder ehrliche Begegnung mit dir selbst?
00:57:48: Ich glaube wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin... ...dann war damals die erste Reise nach Schottland schon eine Art von Flucht.
00:57:59: Auch wenn mir damals bewusst wurde, dass man dem was im eigenen Kopf stattfindet nicht weglaufen kann weil der ist immer dabei den kannst du nicht entfernen.
00:58:12: aber eben schon auf dieser ersten Reise in Schottland wurde mir nach und nach bewusst das das vielleicht doch eine schicksalhafte Entscheidung war dass diese Flucht sich letztendlich dann doch gewandelt hat zu einem Heimkehren, zu einem Zu-Sich-Selbst finden.
00:58:34: Irgendwie muss man sich da draußen vielleicht erst verlieren um sich wiederfinden zu können.
00:58:39: Es klingt so paradox und weird aber auf verrückte Art und Weise ist das so.
00:58:46: Und gerade bei mir durch das Erlebte wie ich ja schon gesagt habe getrennt sein zwischen Geist und Körper, wie es bei mir eben Fakt war nach den Taten seit den Tarten.
00:59:00: War die Zeit da draußen?
00:59:03: Ist die Zeit daraus dieses extreme intensive Erleben von Geist- und Körper vielleicht auch einen Zusammenführen zusammenfinden dieser beiden Teile.
00:59:16: Also letztendlich ist das, was vielleicht bei dem einen oder anderen als Flucht beginnt.
00:59:22: genau das Gegenteil.
00:59:23: Es ist Selbstfindung!
00:59:25: Wenn du heute so zurückblickst... Was hast du über dich selbst gelernt?
00:59:30: Ich glaube ich möchte gar nicht zu weit zurückblicken.
00:59:34: Wir haben kein Zeitreisemodul.
00:59:36: wir haben keinen Stick mit wem wir uns blitzdingsen können und wieder in die Vergangenheit bringen.
00:59:46: Akzeptanz akzeptieren.
00:59:49: Wir müssen akzeptiren was war, nicht gut heißen was war aber akzeptierend dass es war und wer wir jetzt sind.
00:59:58: erst dann können wir von jetzt den Schritt nach vorn machen und die Zukunft für uns bestmöglich gestalten.
01:00:06: ich habe auch lange lange lange damit gekämpft und mich verbissen und bin fast verzweifelt an diesem.
01:00:13: Warum ist das passiert?
01:00:15: Warum mir und warum habe ich so gehandelt, wie ich gehandelte.
01:00:18: Warum ist dieser Typ so?
01:00:19: Warum gibt es den?
01:00:20: Warum wurde er nicht bestraft?
01:00:22: All diese Dinge die mich ewig verfolgt haben und auch heute noch ab und zu verfolgen.
01:00:28: Aber ich durfte durch so vieles dann auch durch wirklich diese Zeit in der Natur.
01:00:35: erst dadurch habe ich diese tatsächliche radikale Akzeptanz lernen und umsetzen können weil ich weiß, was da draußen existiert und was auf mich warten kann wenn ich Dinge loslasse.
01:00:50: Wenn ich Dinge hinter mir lasse diese ganzen Erkenntnisse und was es mit mir gemacht hat.
01:00:56: dafür bin Ich unglaublich dankbar Und ich habe für mich gelernt und lerne jeden tag noch weiter aufs neue dass ich okay Bin wie ich bin.
01:01:09: Jetzt hast du ja gesagt, dass dir das Wandern, das Draußen sein unglaublich viel hilft.
01:01:13: Bist du denn heute trotzdem noch in therapeutischer Behandlung?
01:01:18: Und wenn ja an welchem Punkt?
01:01:21: spürst du, dass du allein mit draußen sein und unterwegs sein und wandern und outdoor auch nicht weiter kommst?
01:01:28: Ja da sind wir halt wieder bei Therapie entlosen Entwicklungsprozess des Lebens, der der Sozialisierung und Sozialisation die bis zum Ende unseres Lebens stattfinden wird.
01:01:42: Und so auch die Arbeit mit sich selbst, der therapeutische Prozess.
01:01:48: es gibt da glaube ich also zumindest in meinem Fall für meinen Fall wird es den Abschluss dieser Arbeit nicht geben Immer wieder in therapeutischer Behandlung, in meinem Fall immer stationäre Aufenthalte, intensive mehrwöchige therapeutische Arbeit.
01:02:11: Weil für meine Erkrankung, für meinen Zustand für diese Diagnosen eine ambulante Behandelung einfach nie möglich war.
01:02:18: Also auch so wie die aktuelle Lage ist mit therapeutischen Verfügbarkeiten und Möglichkeiten wäre das der Horror.
01:02:26: aber auch damals schon Wenn einmal die Woche eine therapeutische Behandlung stattgefunden hat für eine Stunde, dann war dazwischen diese schier endlos scheinende Zeit wieder viel zu viel Raum und Möglichkeit für die dunklen Anteile das er arbeitet kaputtzumachen.
01:02:44: Wieder wieder zu zerstören.
01:02:47: Ich musste nahezu jede Woche wieder von vorn anfangen gefühlt Und es war jede Woche ein erneutes Kennenlernen des Therapeuten, weil man sich innerhalb dieser einen Woche wieder entfremdet hat.
01:02:59: Ich brauche intensiven Zugang durchgehend um etwas entwickeln zu können und das wird über die Jahre auch immer wieder nochmal passieren.
01:03:11: ich habe die intensivsten notwendigsten Aufenthalte in den letzten Jahren dann absolvieren müssen wenn die Zeit da draußen, wenn die vor allem die beiden intensiven Wanderungen und Zeiten in den Vereinigten Staaten, die ja über mehrere Monate angedauert haben.
01:03:31: Weil dann der Abbruch kam notwendig war gab es danach die sogenannte Post Trail Depression.
01:03:38: Die Tatsache dass DER Lebenstraum dann tatsächlich zum zweiten Mal und auch beim ersten mal schon abgebrochen oder eben auch nur unterbrochen werden musste waren dann noch mal intensiver Auslöser für diese depressiven Episoden, die sich über Monate gezogen haben.
01:03:56: Und daraufhin benötigte ich intensive therapeutische Behandlung in stationären Rahmen.
01:04:02: Wofür ich dankbar bin dass diese Möglichkeiten in Deutschland bestehen?
01:04:06: Wenn hier heute jemand zuhört und ich denke wir können davon ausgehen das es der Fall ist der oder die Selbstentrauma erlebt hat was würdest du dieser Person sagen?
01:04:16: Puh, die schwierigste Frage doch dann noch zum Schluss.
01:04:19: Ich dachte das war schon die erste Frage überhaupt aber... ich werde hier jetzt den Teufel tun um irgendwie eine fachmännische Paradeantwort und eben eine Wunderheilung zu versprechen.
01:04:31: Nein, nein, nein!
01:04:31: Das sind Ratschläge, sind immer auch Schläge und sind das Falscheste was man tun kann wenn man mit Betroffenen spricht.
01:04:41: Ich würde glaube einfach sagen du bist nicht allein.
01:04:44: eigentlich reicht das schon aus.
01:04:48: Eigentlich brauchen wir so oft nur jemanden, der da ist.
01:04:53: Es muss niemand etwas sagen es muss niemand unglaubliche Taten und unterstützende Hilfe leisten!
01:05:04: In Handlung.
01:05:16: kommst, wenn du es möchtest.
01:05:19: Wenn du dafür bereit bist.
01:05:22: Egal was du tust, egal wie du es tust... Es ist in Ordnung!
01:05:26: Ich denke... Das soll's gewesen sein.
01:05:31: Okay stopp ich muss dann doch nochmal den Glückstank zum Abschluss erwähnen.
01:05:36: Ich kann es nur empfehlen.
01:05:38: Füllt euren Glückstang und so schwer und so unmögliches oft erscheint in einer Depression, während einer Depression.
01:05:49: Nach Trauma überhaupt die Vorstellung dass man Glück empfinden könnte!
01:05:56: Geht raus sucht diese noch so kleinen Momente wie ich sie schon angesprochen habe mit der Pflanze, mit dem Tropfen Wasser im Sonnenlicht und wenn viele von diesen kleinen unscheinbaren Momenten gesammelt werden dann wird aus einem auch nur ganz Ansatzweise nach oben hin verzogenen Mundwinkel irgendwann auch ein Lächeln.
01:06:35: Ja auch dir vielen Dank fürs Zuhören.
01:06:36: Ich freue mich, dass du dich auf dieses Experimente-Aufnahmegesprächssetting eingelassen hast und ich habe gerade nicht das Gefühl, dass sich hier am Ende der Folge nochmal viel erzählen muss noch mal viel einordnen muss.
01:06:51: Vielleicht nochmal der Hinweis darauf, falls du selbst mit dem Thema Depressionen und Trauma zu tun hast und da Unterstützung benötigst.
01:06:58: Dass es in der Beschreibung dieser Podcast-Folge Informationen zu entsprechenden Hilfsangeboten gibt.
01:07:06: Und wenn du selbst nicht betroffen bist dann hoffe ich dass du wie ich jetzt ein kleines bisschen bessere Vorstellung davon hast, wie es jemandem geht oder die von solchen Themen betroffen ist.
01:07:20: Ich sage nochmal, wie Thomas selbst veröffentlichtes Buch heißt Depression ein Leitfaden.
01:07:26: Leid mit D geschrieben und Informationen dazu findest du am besten auf seinem Instagram Profil das da lautet thomas paschen und dann so'n Unterstrich Reiter.
01:07:37: Du kannst aber auch einfach Thomas Paschen suchen bei Instagram und dann wird dir die Seite vorgeschlagen.
01:07:43: Thomas hat mir übrigens gerade noch geschrieben, dass er einen kleinen kreativen Ausbruch hatte und zu dem Buch mit einer KI auch noch ein Soundtrack produziert hat.
01:07:51: Auch dazu findest du Infos auf seinem Instagram Profil.
01:07:56: Verlinke ich aber natürlich auch nochmal im Newsletter der den Freiraus Podcast begleitet.
01:08:05: nächsten Dienstag gibt es eine neue Folge Freiraus und bis dahin wünsche ich auch dir eine gute Zeit.
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